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Hückelhoven
Heuschrecken an Limette und Rosmarin

Hückelhoven: Heuschrecken an Limette und Rosmarin
Marco Bruck bereitet am Stand von Insektenkoch Frank Ochmann unter anderem Wüstenheuschrecken und Mittelmeergrillen zu. Viele Streetfood-Gäste trauen sich herauszufinden, wie die Eiweißspender schmecken. FOTO: JÜRGEN LAASER
Hückelhoven. Der Insektenkoch ist der Hingucker beim 2. Streetfood-Festival. Er fasziniert und polarisiert. Von "Super lecker" bis "Nee, lass mal" reichen die Reaktionen. Frisch Gekochtes aus aller Welt wird noch bis einschließlich Montag serviert. Von Gabi Laue

Mit einer Sensation trumpft die zweite Auflage des Hückelhovener Streetfood-Festivals auf: Der Stand von Insektenkoch Frank Ochmann ist stark frequentiert. Alle müssen ihn zumindest gesehen haben, viele trauen sich auch, Hüpf- und Kriechtiere, kross gebraten, zu verkosten. "Tausend Insektenarten kann man essen, wir bieten vier an", sagt Koch Marco Bruck, der aus Berlin angereist ist. "Alle sind crunchy, nichts ist mehr labberig", versichert er den stirnrunzelnden Zweiflern. Kaum hat das Festival der Garköche am Freitag begonnen, sind die ersten Insekten in den Mündern der Mutigen verschwunden. "Wie Cracker. Man schmeckt Knoblauch raus" und "Die Limette rundet den Geschmack ab", so die Kommentare.

Auf vier Kochplatten schwenkt Bruck im Zelt von Ochmann die knusprigen Tierchen in Kräuteröl und mediterranen Zutaten: Mittelmeergrillen mit Rosmarin und Thymian (zehn Stück 2,50 Euro), Wüstenheuschrecke (pro Stück zwei Euro), Schwarzkäferlarven mit Ingwer und Chili oder Mehlwürmer mit Meersalz und Limette. Der RP-Fotograf lässt sich den Selbstversuch nicht madig machen und nimmt ein Löffelchen: "Wie Erdnussflips. Absolut lecker!" Eine Besucherin schüttelt sich: "Das krabbelt schon an den Füßen. Das ist so ... im Kopf!"

Für den Kopf liefert Marco Bruck Sachinformationen: Von einem Berliner Züchter hat er etwa zehn Kilo "Ware" mitgebracht - alles tot. "Die sind eingefroren, also den Bergsteigertod gestorben", erklärt der Koch. Bei dem Lebensmittel der Zukunft gehe es um Nachhaltigkeit, versichert er. Ein Kilo Rind verbrauche 25 Kilo Futter und 15.000 Liter Wasser, vom Rind könne man nur 40 Prozent essen, von Heuschrecken 80 Prozent. Die werden einzeln von Hand gepult, kommen ohne Flügel und Sprungbeine in die Pfanne, daher der hohe Stückpreis. "Auf geringem Raum ein schnell nachwachsender Rohstoff", sagt Bruck. Eine Kundin, die das "Krabbel-Allerlei" gewählt hat, kann sich Insekten als Ernährungsalternative vorstellen, "wenn man den Kopf ausschaltet".

Etliche neue Teilnehmer kochen und braten ihre stets frischen Leckereien. Zweiter Hingucker ist der gelbe britische Schulbus, in dessen Heck zwei Schwestern Burger und Süßkartoffel-Pommes braten. "Die gegrillte Sau" steht vis-a-vis vom Kölschen Steak, das 48 Stunden in Kölsch-Kräuter-Marinade zieht. Ein Koch mit bauschiger Mütze, der zu inbrünstig vom Band geschmetterten Arien Köstliches von der Adria kredenzt, steht neben den Jamaicanern, die zu chilligen Karibik-Klängen am Grill stehen. Vietnamesisches bei Mr. Le: Der orange Truck hat in Hückelhoven Premiere. Minh Le hat seinen Job als Bänker mit der Garküche getauscht. Koreanisch kocht "Seoul Sister". Die "Mundpropaganda" ist im hochbeinigen schwarzen Army-Truck aus Frankfurt gekommen. Hochprozentiges oder Erdbeersecco gibt's bei Zurmahr und Wilhelmi aus Brachelen.

Quelle: RP
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