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Hückelhoven
In die Fremde ausgezogen - in Hückelhoven Heimat gefunden

Hückelhoven: In die Fremde ausgezogen - in Hückelhoven Heimat gefunden
Zusammenspiel der Kulturen und Generationen: Willi Zache, Akkordeonspieler vom Chor Rajbinushka, auf der Aula-Bühne mit "Oblivion", Musikerinnen aus dem Gymnasium Hückelhoven. FOTO: JÜRGEN LAASER
Hückelhoven. Abend der Kulturen bei der Interkulturellen Woche: Zugewanderte berichten über ihre Ankunft im fremden Land und ihre Entwicklung in der Gesellschaft. Landrat sprach über Flüchtlingszustrom. Von Daniela Giess

Hüseyin Baytekin war zwölf, als er nach Deutschland kam. Und dabei schlagartig bemerkte, dass Wassenberg so ganz anders ist als das vertraute Istanbul. 1965 war das, und der kleine Junge aus der Türkei, dessen Vater - Chefkellner auf Burg Wassenberg - die Familie nachholte, fühlte sich "sehr unglücklich". Beim Abend der Kulturen im Rahmen der Interkulturellen Woche in der Hückelhovener Aula erinnerte sich der heute 62-Jährige an die Ankunft im fremden Land. Im Interview mit Lehrerin Birgit Fluhr-Leithoff, der Vorsitzenden des Interkulturellen Arbeitskreises, zog der ehemalige technische Leiter der Brikettfabrik ein positives Resümee: "Ich habe hier ein Stück Heimat gefunden."

Russische Folklore und türkische Musik - beim Abend der Kulturen wurden die Schwerpunkte vor allem bei den am stärksten vertretenen Nationalitäten gesetzt. Der Verein Kolorit, dessen Mitglieder sich regelmäßig im Ratheimer Haus der Begegnung (HdB) treffen, präsentierte seine Kindertanzgruppe, die auf der Aula-Bühne mit farbenfrohen Schwungtüchern und einer kleinen Däumelinchen-Darstellerin begeisterte. Der Erkelenzer Frauen-Chor Rajbinushka (Eberesche) mit seiner Leiterin Nadeshda Reder präsentierte Volkslieder aus der ehemaligen Sowjetunion.

Elsa Böttcher lieferte einen anschaulichen Überblick zur Geschichte der Russlanddeutschen, machte dabei deutlich, dass man sich von Hilfesuchenden zu Leistungsträgern der Gesellschaft hochgearbeitet habe.

Für den musikalischen Rahmen der Veranstaltung sorgten auch Elena Schmidt am Flügel sowie der aus Hückelhoven stammende Musikwissenschaftler Kaan Cevahir, der junge türkische Musiker zu einer Band mit dem Namen "all' Unison" formiert hat. Wie viele seiner Landsleute in der ehemaligen Zechenstadt stammt auch der Hückelhovener Unternehmer Satilmis Tavsan aus dem Schwarzmeer-Küstenort Zonguldak. Verbindendes Element: der Steinkohle-Bergbau, der in beiden Regionen betrieben wurde. Tavsan, Betreiber der Postfilialen an der Parkhofstraße sowie an der Ratheimer Heerstraße und Inhaber eines Reisebüros, stellte dem Publikum seine Heimat vor.

Mehr als 100.000 Menschen seien in der Provinzstadt zu Hause, die neben einer Universität auch Landwirtschaft, vor allem Erdbeeranbau, vorweisen kann und sich längst als moderner Industriestandort etabliert hat.

Landrat Stephan Pusch als Schirmherr sprach die aktuelle Flüchtlingsproblematik an. Das Problem sei nicht neu; es sei nur lange Zeit ignoriert worden, so der Chef der Kreisverwaltung. "Wir müssen uns mit dem Gedanken anfreunden, keine Ausnahmesituation zu erleben, sondern nur die Spitze des Eisbergs." Wanderungsprozesse habe es immer gegeben. Pusch: "Diese Menschen kommen nicht mit der Absicht hierher, unser Sozialsystem zu missbrauchen. Sie wollen ihren Kindern ein Recht auf eine Zukunft geben."

Wahrzeichen Fördergerüst: Integrationsbeauftragter Heinz-Josef Schmitz stellte die Stadt Hückelhoven vor, mit rund 40.000 Einwohnern im ländlichen Raum gelegen. Dabei erinnerte er an Zechen-Pionier Friedrich Honigmann, dessen erste Tiefbohrungen 1884 der Auftakt einer 90-jährigen Kohle-Ära waren. 1986 habe die Zeche Sophia-Jacoba die höchste Jahresförderung erreicht, jedoch schon die weltweite Konkurrenz gespürt. 1991 dann der Stilllegungsbeschluss für den 27. März 1997.

Quelle: RP
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