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Hückeswagen
Achtung - liebesblinde Rehe unterwegs!

Hückeswagen. In diesen Sommerwochen häufen sich wieder die Unfälle mit Rehen. Hegeringleiter Johannes Meier-Frankenfeld gibt wichtige Hinweise und Tipps, wie sich Autofahrer verhalten sollten, um einen Zusammenstoß zu vermeiden. Von Joachim Rüttgen

Schon der Volksmund hat es erkannt: Morgenstund' hat Gold im Mund. Damit hat er wohl besonders an heißen Sommertagen recht. Denn da verlegen auch viele Hückeswagener ihre Aktivitäten gerne in den frühen Morgen oder den späten Abend, weil es da von der Luft her schlichtweg angenehmer ist. Anders ist das allerdings beim Rehwild, dann ab Mitte Juli beginnt die Paarungszeit, die Brunft. Ricke und Bock queren dann auch schon mal zur Mittagszeit im Rausch der Hormone wie kopflos die Straße.

Das führt auch in der Schloss-Stadt immer wieder zu unliebsamen und gefährlichen Begegnungen von Mensch und Tier. "Rehwildunfälle hatten wir in den vergangenen Jahren immer so um die 30 Stück, das macht etwa 20 Prozent der jährlichen Strecke aus", berichtet Hegeringleiter Johannes Meier-Frankenfeld. Eine Unfallhäufung sei im Frühjahr bei der Umstellung auf die Sommerzeit und bei der "Blattzeit" - also jetzt - festzustellen.

Sein Tipp an alle: "Bei einem Wildunfall bitte immer sofort die Polizei benachrichtigen, die wiederum benachrichtigt sofort den zuständigen Jäger." Der Polizei liege eine detaillierte Liste mit allen Jagdaufsehern von Hückeswagen vor. "Die Polizei erstellt dann auch die Bestätigung für die Autoversicherung", versichert Meier-Frankenfeld.

Generell sei in Hückeswagen überall mit Rehwild zu rechnen, das gelte vor allem jetzt in der Paarungszeit. "Im Frühjahr wird gerne das frische Grün an den Straßenrändern bevorzugt, auch weil dort noch Reste von Streusalz aus dem zurückliegenden Winter zu finden sind. Salz wird vom Rehwild benötigt und auch gerne aufgenommen", erläutert der Hegeringleiter. Der Wildbestand in Hückeswagen sei gut - die jährliche Strecke inklusive sogenanntem Fallwild (Straßentot, Krankheit etc.) betrug in den vergangenen Jahren zwischen 165 bis 200 Stück Rehwild. "Die Jäger versuchen, den Rehwildbestand in Hückeswagen immer gleich zu halten", sagt Meier-Frankenfeld.

Wichtiger Hinweis: Sollte Reh-oder anderes Wild vor das Auto springen, nie versuchen auszuweichen, sondern Lenkrad festhalten und geradeaus weiterfahren. "Auch wenn das schwer fällt. Die Unfallfolgen bei einem Ausweichversuch können gravierend sein. Das haben auch die jüngsten Unfälle mit Rehwild in Hückeswagen gezeigt", warnt Meier-Frankenfeld.

Auch der Deutsche Jagdschutz-Verband (DJV) bittet Autofahrer um erhöhte Aufmerksamkeit. "Die Verkehrsteilnehmer sollten auf liebesblinde Rehe gefasst sein und tagsüber sehr vorausschauend fahren", schreibt Präsident Jochen Borchert. Für Verkehrsteilnehmer schnell zum Verhängnis werden kann das neckische Treiben des Rehwildpärchens. Denn schlimmstenfalls führt das hormonberauschte Reh-Rennen auch tagsüber ohne die übliche Vorsicht mitten auf die Schnellstraße. Wo also ein Reh ist, folgt häufig das zweite - auch auf viel befahrenen Straßen.

Jedes Jahr werden durchschnittlich 3400 Menschen durch Wildunfälle verletzt, 30 Menschen sterben dabei. "Ein 20 Kilogramm schweres Reh besitzt bei einer Kollision mit einem 50 Stundenkilometer schnellen Pkw bereits eine Aufschlagskraft von einer halben Tonne", sagt Borchert. Bei einem 80 Kilogramm schweren Keiler (männliches Wildschwein) können es bis zu zwei Tonnen sein.

Die Broschüre "Besser langsam als Wild" von DJV, ADAC und Deutschem Verkehrssicherheitsrat können sich Interessierte im Internet unter www.djv-service.de bestellen. Sie enthält Verhaltenstipps für Autofahrer im Gefahrenfall und Hintergrundinformationen zum jährlichen Wildwechsel.

Quelle: RP
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