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Hückeswagen
Brücken-Neubau mit Mau finanziert

Hückeswagen. Die Hückeswagenerin Heimatforscherin Hella Krumm hat die Diskussion um die alte Brücke Brückenstraße intensiv verfolgt. Bereits im 19. Jahrhundert gab es Probleme mit einer Wupperbrücke - und eine ganz andere Lösung. Von Joachim Rüttgen

Der Zustand der teilweise mehr als 130 Jahre alten Brücke an der Brückenstraße erhitzte die Gemüter in den vergangenen Monaten. Auch die Politik muss sich weiter mit der Zukunft der Brücke beschäftigen, denn spätestens Ende 2016 muss sie aus Sicherheitsgründen saniert oder abgerissen werden. Zurzeit dürfen Radfahrer und Fußgänger die Brücke noch nutzen.

Die Diskussion verfolgt auch die Hückeswagenerin Hella Krumm intensiv. Die ehemalige Hauptschullehrerin und Initiatorin des Behinderten-Schwimmens und der Behinderten-Weihnachtsfeier berichtete im Mitteilungsblatt des Bergischen Geschichtsvereins (BGV) "Leiw Heuckeshoven" bereits 2005 über eine andere Brücke mit ähnlichem Problem, aber einer anderen Lösung. Darauf weist jetzt Anita Belenguer vom BGV hin.

Denn schon im 18. Jahrhundert verband eine einfache "Fahrbrücke über den Wupperfluß zwischen Tannenbaum und Bever" die Stadt mit den Außenortschaften Richtung Höltereichen. Hella Krumm, die im März 2016 ihren 85. Geburtstag feiert, schrieb vor zehn Jahren: "Diese Fahrbrücke war 1853 in einem so desolaten Zustand, dass der Zimmermeister Lütgenau, beauftragt von Bürgermeister Wirth, zum Abbruch riet. Nun sollte eine neue massive Brücke über die Wupper gebaut werden."

Der Samtgemeinderat von Hückeswagen tagte beim Gastwirt Königs in der Friedrichstraße 2 und beschloss in der öffentlichen Sitzung am 3. April 1854 die Verganterung des Brückenbaus über die Wupper bei hiesiger Stadt. Die Maurer- und Schmiedearbeiten waren laut Krumm mit 4373 Thalern und 20 Silbergroschen veranschlagt. Die Maurermeister Christian Schmidt und Wilhelm Blaß aus Lennep erhielten am 7. November 1854 den Zuschlag. 300 Thaler wurden als Bürgschaft zurückgehalten. "Aber zunächst musste die alte Brücke abgerissen werden. Auch diese Arbeit wurde den Lenneper Maurermeistern für 200 Thaler im November 1854 übertragen", berichtete Hella Krumm. Die "19 ¾ Schachtruthen alter Pflastersteine" sollten meistbietend versteigert werden. Da sich kein Käufer fand, wurden sie der Stadtgemeinde für acht Thaler die Ruthe überlassen. Die Bauarbeiten begannen im Mai 1855, und im Januar 1856 konnte die Zweifelderbogen-Brücke bereits durch den Königlichen Kreisbaumeister Laur aus Lennep abgenommen werden. Als "sich nichts mehr zu erinnern" fand, erhielten die Maurermeister die 300 Thaler Bürgschaft 1856 ausgezahlt. Noch einmal wurden Deckelsteine und Holz der alten Brücke auf dem Bürgermeisteramt versteigert, wozu "Kauflustige" eingeladen wurden. "Der Kaufmann Peter Friedrich Edelhagen erwarb die alte Brücke für 130 Thaler. Gleichzeitig wurde der Chausseegeld-Empfang verpachtet. Jede Fuhre über die Brücke musste bezahlt werden, der leere Wagen kostete zehn Pfennig, der beladene 20 Pfennig", schrieb Hella Krumm.

Einer der Brückengeld-Erheber war der "Schenkwirth" der Gaststätte Kleineichen, Christian Ballsieper. Die Stadtbewohner wurden 1881 vom Brückengeld entbunden, 1896 wurde es ganz aufgehoben. Durch ein Neubaugebiet und die ersten Industrieanlagen jenseits der Wupper, war der Verkehr auf der K 5 (Bevertalstraße) so angewachsen, dass die Fußgänger auf der schmalen Brücke ernsthaft gefährdet waren. Die Stadt entschloss sich 1975 zum Anbau einer Fußgängerbrücke, die im August neben der Brücke installiert wurde.

Und wieder wurde die "Fahrbrücke" reparaturbedürftig. Mit großem Aufwand wurde die Brücke 1988 saniert und unter Denkmalschutz gestellt. Die Instandsetzungskosten nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten wurden auf 200.000 D-Mark veranschlagt. Mit 113.860 Mark bezuschusste die Bezirksregierung in Köln das Objekt. Die Straße Am Tannenbaum wurde geschlossen und erhielt die postalische Bezeichnung An der Schlossfabrik. Die Zufahrt zur Bever-Talsperre und ins anliegende Wohngebiet erfolgt heute über die Bevertalstraße.

"Die Fußgängerbrücke war nicht mehr nötig, und sie sollte möglichst für viel Geld verkauft werden. Doch es fand sich kein Käufer, erst recht nicht für viel Geld", schrieb Hella Krumm. "Nun ließ man die Fußgängerbrücke erst einmal da wo sie war. Doch plötzlich stellte sich heraus, dass die Unterhaltskosten für die Stadt sehr teuer würden. Und da sich immer noch kein Käufer fand, wurde die Brücke nach Wipperfürth verschenkt. Hier fand sie im Jahre 2000 an den Ohler Wiesen als Rad- und Wanderweg ihre neue Bestimmung."

Quelle: RP
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