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Hückeswagen
Flüchtlinge brauchen Wohnungen, die Stadt braucht Bauland

Hückeswagen. Das Land Nordrhein-Westfalen will den Flächen-Verbrauch senken, damit neben Gewerbe-, Industrie- und Wohnbau-gebieten auch in Zukunft noch ausreichend grüne Freifläche in den Ballungsräumen und den sie umgebenden ländlich strukturierten Bereichen bleibt. Von Brigitte Neuschäfer

Das ist eine Zielvorgabe im Entwurf des neuen Landesentwicklungsplans (LEP). Städte und Gemeinden sind deswegen landesweit in Sorge um ihre kommunalen Möglichkeiten der Stadtentwicklung - und das gilt auch für Hückeswagen. Die Schloss-Stadt braucht aus Sicht der im Rathaus Verantwortlichen mittel- und langfristig neue Flächen für die Industrie, aber auch für den Wohnungsbau. Das geht nun auch aus der offiziellen Stellungnahme der Stadt zum LEP-Entwurf hervor, der jetzt an die Bezirksregierung gegangen ist.

Dass die Gewerbe- und Industrieflächen im Stadtgebiet knapp geworden sind, ist schon länger ein Thema. Relativ neu ist demgegenüber die Forderung nach der Ausweisung weiterer Flächen für den Wohnungsneubau. Noch vor gut einem Jahr war das kein sinnvoll erscheinendes Erfordernis. Zwar sollten Baulücken im dicht besiedelten Bereich der Stadt geschlossen, jedoch keine größeren Neubaugebiete auf noch grüner Wiese geplant werden, hieß es damals.

Begründet wurde das mit der demografischen Entwicklung. Prognostiziert wurden für Hückeswagen weiter rückläufige Einwohnerzahlen bei einem wachsenden Anteil älterer und alter Menschen. Bis zu diesem Zeitpunkt standen noch zahlreiche Mietwohnungen zum Beispiel bei der GBS leer, obwohl die Genossenschaft bereits große Mietshäuser in Wiehagen wegen Unvermietbarkeit abgerissen hatte. Vorausgesagt wurden weitere Leerstände auch von Eigenheimen bei anhaltend sinkender Nachfrage.

Inzwischen sieht die Situation völlig anders aus. Es besteht wieder Bedarf an Mietwohnungen im sozialen Wohnungsbau und auch an Neubau-Grundstücken. Dieser Bedarf wird aus Sicht der Stadtverwaltung in den nächsten Jahren noch steigen, vor allem wegen der hohen Zahl an Zuwanderern. In der Stellungnahme zum LEP schreibt die Stadt dazu: "Die deutliche Zunahme an Flüchtlingen bringt vielschichtige Veränderungen mit sich, wie zum Beispiel hinsichtlich der Nachfrage nach Wohn- und Arbeitsmöglichkeiten, und zeigt somit auch die Unwägbarkeiten von langfristigen Bevölkerungsprognosen auf."

Jedenfalls ist aus Sicht der Stadtverwaltung davon auszugehen, dass vielen Flüchtlingen ein dauerhaftes Bleiberecht gewährt wird. Deshalb müsse für sie "angemessener Wohnraum" geschaffen werden. Wörtlich heißt es dazu in der Stellungnahme: "Hierfür sind weitere Flächen erforderlich, die bislang im LEP offensichtlich nicht berücksichtigt worden sind."

Ob die Stellungnahme der bergischen Kleinstadt in der Landeshauptstadt Düsseldorf in irgendeiner Form berücksichtigt werde, sei fraglich: Das räumte Bauamtsleiter Andreas Schröder jetzt im Planungsausschuss ein. Die Politiker nahmen das und die Stellungnahme der Stadt selbst kommentarlos zur Kenntnis.

Quelle: RP
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