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Hückeswagen
Integration funktioniert auch übers Gärtnern

Hückeswagen: Integration funktioniert auch übers Gärtnern
Bepflanzten mit Feuereifer die Hochbeete (v. l.): Yussuf (5), Fatima (7), ihre Mutter Nevila Hajdari und Claudia Pille. FOTO: Weitzdörfer
Hückeswagen. Bei einer Gemeinschaftsaktion kamen sich am Samstag Flüchtlinge und Ehrenamtler näher. Von Wolfgang Weitzdörfer

"Brauchen wir hier jetzt noch Wasser?", will Yussuf von Claudia Pille wissen. Die Hückeswagenerin nickt dem Fünfjährigen zu und drückt dem Jungen eine Gießkanne in die Hand, aus der er gleich die frisch eingepflanzten Salatpflanzen im ersten der drei Hochbeete wässert. Es ist Samstagvormittag, auf dem Grünstreifen vor den Mehrfamilienhäusern Gerhart-Hauptmann-Straße 2-6, in der einige Flüchtlingsfamilien leben, herrscht reger Betrieb. "Heute werden die drei Hochbeete bepflanzt, die wir vor 14 Tagen gemeinsam aufgestellt haben", erzählt Pille, die gemeinsam mit anderen Helfern des Hückeswagener Flüchtlingsnetzwerks und mehreren Flüchtlinge, die auf dem Fürstenberg wohnen, fleißig bei der Arbeit ist.

Mit dabei ist auch die Familie Hajdari aus dem Kosovo. Mutter Nevila pflanzt zusammen mit ihren drei Kindern Fatima (7), Yussuf (5) und dem zweijährigen Ibrahim kleine Salatpflänzchen ein. Die vier lachen und haben Spaß an der Arbeit, die eine Abwechslung für die Familie darstellt. Der Mann und Vater ist mit anderen Freizeitgärtnern an der Hauswand mit dem Umstechen des Beets beschäftigt. Dort soll später eine "Minz-Straße" erblühen, erzählt Maya Benicke. Die Gärtnermeisterin aus Radevormwald hat sich spontan bereiterklärt, mit ihrem Fachwissen dem Projekt zur Seite zu stehen, als Claudia Pille sie gefragt hatte: "Ich freue mich sehr, Teil davon sein zu können. Man fragt sich ja schon immer, wo und wie man helfen kann - und hier kann ich das noch dazu in meinem eigenen Metier", sagt Benicke.

Die Idee für das praktische Projekt ist Pille im Herbst gekommen: "Ich war seinerzeit hier bei einer Familie, der ich Deutschunterricht gegeben habe", erinnert sie sich. Dabei sei ihr aufgefallen, wie trist die Wohnung eingerichtet war. "Dagegen konnte ich nichts tun. Aber ich habe mich gefragt, was sonst möglich wäre." Da war ihr die Idee gekommen, den Vorgarten herzurichten. Pille: "Ich habe der Ehrenamtsinitiative ,Weitblick' das Thema vorgeschlagen und direkt positive Rückmeldung bekommen."

Auch die Stadt war direkt begeistert und hatte dem Projekt Unterstützung seitens des Bauhofs in Form von Erde und Rindenmulch zugesagt. Ein Sponsor für die Anschaffung der drei Hochbeete war mit der Firma proroll schnell gefunden - und so konnte es vor zwei Wochen losgehen. "Es waren direkt mehrere Bewohner mit Feuereifer dabei", erzählt Pille.

Bei der samstäglichen Pflanzaktion ist der Enthusiasmus nicht nur der kleinen Helfer groß. So schaffen zwei junge Männer Schubkarre um Schubkarre von Sand und Erde aus dem alten Sandkasten weg, wo unter der Anleitung von Bennicke ein Kräutergarten angelegt wird. "Die Bewohner werden die Beete dann in Zukunft selbst pflegen", sagt Pille zufrieden. Dafür wurde extra Gartengerät angeschafft.

Quelle: RP
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