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Hückeswagen
Kinderdorf wird mit Frauen-Power regiert

Hückeswagen: Kinderdorf wird mit Frauen-Power regiert
FOTO: Schütz Michael
Hückeswagen. Deutschland wird von einer Frau regiert, den Internationalen Währungsfonds leitet eine Frau, warum sollte da nicht auch mal das Hückeswagener Kinderdorf eine Bürgermeisterin haben? Nach zwei Jungs wurde am Dienstagnachmittag mit Melissa Bieg das erste Mädchen an der Spitze gewählt. Gestern wurde sie vorgestellt. Von Wolfgang Weitzdörfer

Seit Mittwoch wird Hückeswagen von einer weiblichen Doppelspitze regiert. Zumindest im Kinderdorf in und an der Mehrzweckhalle hat der "richtige" Bürgermeister Dietmar Persian in den kommenden eineinhalb Wochen nichts mehr zu sagen. Mit deutlichem Vorsprung wurde die zwölfjährige Melissa Bieg zur Bürgermeisterin des Kinderdorfs gewählt, ihre Stellvertreterin ist die zehnjährige Eva Jeschke.

Die Wahlbeteiligung unter den 150 Teilnehmern lag bei stolzen 76,5 Prozent und war damit deutlich höher als bei der Bürgermeisterwahl der Erwachsenen im März 2014 mit gerade einmal 48 Prozent. Insgesamt hatten sich 14 Kinder zur Wahl des Dorfoberhaupts gestellt. Acht von ihnen bilden mit Bürgermeisterin und Stellvertreterin den Dorfrat, der direkt nach der Mitteilung des Wahlergebnisses am Mittwochvormittag erstmals tagte.

Da Bürgermeister Persian derzeit im Urlaub ist, war Torsten Kemper vom Ratsbüro gestern mit der Bürgermeisterkette und dem Stadtschlüssel im Gepäck zum Antrittsbesuch ins Kinderdorf gekommen: "Melissa, es steht viel Arbeit an", machte er gleich deutlich. "Du hast im Wahlkampf eine Menge versprochen, das Du jetzt auch einhalten musst. Ab sofort hast du die Verantwortung für das Kinderdorf!", sagte Kemper, als er der Zwölfjährigen den Stadtschlüssel überreichte, den zuletzt vor eineinhalb Wochen der amtierende Schützenkönig Josef Reimer bekommen hatte.

Das neue Dorfoberhaupt hatte eine Antrittsrede vorbereitet: "Ich fühle mich sehr geehrt, dass Ihr mir Euer Vertrauen geschenkt habt", sagte Melissa und fügte an: "Ich bin für alle Anregungen, Ideen und Wünsche offen."

Die Zwölfjährige hatte bereits 2015 im Kinderdorf erste "Politikluft" im Dorfrat schnuppern können. Ihren Amtskollegen aus dem Schloss habe sie hingegen noch nicht bei der Arbeit beobachtet, sagte die Schülerin, die nach den Ferien die siebte Klasse des Wipperfürther St.-Angela-Gymnasiums besuchen wird: "Ich habe Herrn Persian ab und zu mal in der Stadt gesehen, aber noch nicht bei offiziellen Terminen oder im Rathaus."

Auf ihre neue Aufgabe freute sich die Gymnasiastin sichtlich, auch wenn der Zwölfjährigen im Vorfeld bereits bewusst ist, dass sie anstrengend werden könnte: "Damit kann ich aber umgehen. Und wenn es Spaß macht, dann ist es nur noch halb so anstrengend", gab sich Melissa Bieg kurz vor der ersten Sitzung selbstbewusst.

Die ersten Tagesordnungspunkte für ihre "Regierung" hatte sie sich schon auf ihrem geistigen Notizzettel notiert: "Ich habe von vielen Kindern gehört, dass sie sich im Dorf eine Polizei wünschen. Die werde ich natürlich einsetzen." Im Wahlkampf hatte sich Melissa zudem für schönere Dorf-Dekoration sowie Musik an den einzelnen Stationen in- und außerhalb der Mehrzweckhalle eingesetzt. "Wichtig ist mir auch, dass wir bereits jetzt anfangen, das Abschlussfest zu planen. Lieber ein wenig früher, als dass es dann zu knapp wird. Und für den Fall von Streitigkeiten unter den Bewohnern möchte ich Streitschlichter einsetzen", sagte Melissa, ehe sie sich auf den Weg zur Sitzung machte. Denn schließlich warteten ihre Ratskollegen bereits ungeduldig auf die neue Chefin.

Quelle: RP
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