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Hückeswagen
Milder Winter sorgt für Chaos in Natur

Hückeswagen: Milder Winter sorgt für Chaos in Natur
Die milden Temperaturen bringen die Natur aus dem Gleichgewicht. Es blühen schon die ersten Pflanzen, wie diese Zierkirsche. Experten raten aber zu Gelassenheit. FOTO: Röse (Archiv)
Hückeswagen. Forst- und Landwirte haben mit den milden Temperaturen zu kämpfen. Durch fehlenden Frost können sich Schädlinge ungehindert ausbreiten. Auch die Tierwelt gerät aus ihrem Gleichgewicht. Allzu viel Sorgen seien aber nicht angebracht. Von Markus Plüm

Blühende Pflanzen, fliegende Pollen, nistende Vögel, summende Insekten - die aktuellen milden Plustemperaturen sind für diese Jahreszeit nicht nur ungewöhnlich, sie werden zunehmend auch problematisch. Denn die Natur spielt verrückt, was besonders den hiesigen Forst- und Landwirten zu schaffen macht.

Das bestätigt Günter Dieck, der Leiter des Regionalforstamtes in Gummersbach. "Es ist schon abnorm, was wir gerade erleben. Zwar ist die Natur flexibel und man muss ihr zutrauen, dass sie das aushält. Aber wenn es mit den milden Temperaturen so weiter geht, wird das schon enorme Auswirkungen haben." Denn die aktuellen Temperaturen hätten insbesondere einen Effekt auf das Wachstum einiger Pilze, die vor allem Buchen und Eschen befallen könnten. "Das bringt das ökologische Gleichgewicht durcheinander. Kranke Bäume haben auch einen negativen Effekt auf die umgebenden Gewächse", erläutert Dieck.

Darauf müsse man reagieren, was allerdings nicht so einfach sei. Durch den fehlenden Frost ist der Waldboden aktuell so durchweicht, dass mit schwerem Gerät nicht in den Wald vorgedrungen werden kann. "Da würde man mehr kaputt machen, als ohnehin schon zerstört ist", befürchtet Dieck. So bleibe vorerst nur die Hoffnung auf baldigen Frost.

Der würde nämlich die Ausbreitung weiterer Schädlinge wie Borkenkäfer oder Eichenprozessionsspinner eingrenzen. "Schädlinge würden durch Frost absterben", berichtet der Leiter des Regionalforstamtes. Allerdings besteht auch die Möglichkeit, dass Schädlinge durch ein warmes und feuchtes Frühjahr verpilzen können - demnach müsse man abwarten, wie sich das Wetter in den kommenden Wochen entwickele.

Das sieht auch Ortslandwirt Dietmar Strack so. "Wir erleben so einen milden Winter ja nicht zum ersten Mal. Letztendlich bleibt nichts anderes übrig, als abzuwarten", sagt er. Man könne keine Prognosen treffen, wie sich das Jahr aus landwirtschaftlicher Sicht entwickelt. "Probleme mit Schädlingen und Mäusen haben wir seit Jahren. Wenn der erste Frost kommt, erledigt sich das schon von selbst", gibt sich der Ortslandwirt optimistisch. Auch die erste Ernte sei dann wahrscheinlich hinüber.

Dirk Blasberg, Inhaber der Friedhofsgärtnerei Schmidt, warnt vor übertriebener Vorsicht. "Dass jetzt bereits die ersten Pflanzen blühen, ist kein Grund zur Annahme, dass im Frühjahr nichts mehr nachkommt", stellt er klar. Daher seien mögliche Schäden an bereits jetzt blühenden Pflanzen derzeit noch nicht einschätzbar. "Vielleicht blühen im Frühling dann etwas weniger Pflanzen. Aber das ist kein Grund zur Sorge", versichert Blasberg. "Ich würde das alles relativ locker sehen."

Nicht ganz so entspannt wirkt sich die aktuelle Situation auf die Tierwelt aus. "Die Tiere sind bereits jetzt aktiv und wandern herum", berichtet Günter Dieck. Der Tisch sei besonders für das Schwarzwild reichlich gedeckt, das sich dadurch ungestört vermehren könne. "Die hohe Population ist nicht normal", betont der Regionalforstamtsleiter. Durch den fehlenden Frost würde darüber hinaus auch keine natürliche Selektion stattfinden. Dieck: "Der Biorhythmus der Tiere ist völlig aus dem Gleichgewicht geraten." Ein Winter mit Schnee und Minustemperaturen wäre also nicht nur im Tierreich eine willkommene Abwechslung.

Quelle: RP
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