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Hückeswagen
Nach der Verbrecherjagd wird dirigiert

Hückeswagen: Nach der Verbrecherjagd wird dirigiert
Für seine Musiker hat Lothar Vandenherz immer ein Lächeln übrig. Anfang September musizierte der Hückeswagener zusammen mit dem MV Dohrgaul beim Schützenfest in Wipperfürth-Agathaberg. FOTO: Ronja nassenstein
Hückeswagen. Als 1. Kriminalhauptkommissar hat es Lothar Vandenherz unter anderem mit Todesermittlungen, Bränden und Rauschgift zu tun. In seiner Freizeit widmet er sich der Musik: Der 60-Jährige leitet den CVJM-Posaunenchor Hückeswagen und den MV Dohrgaul. Von Stephan Büllesbach

Als bekennender Fan von Bayern München kennt sich Friedhelm Scherkenbach mit Fußball aus. Vielleicht deshalb fällt der Tubist des Musikvereins Dohrgaul dieses Urteil über seinen Dirigenten: "Lothar Vandenherz weiß genau, wie er die Mannschaft anpacken muss." Der Hückeswagener sei ein sehr guter, netter, freundschaftlicher und kameradschaftlicher Dirigent. Und Scherkenbach fügt hinzu: "Er kann junge wie ältere Musiker gleichermaßen anpacken. Er weiß, wann er uns fordern kann, lässt es aber auch mal ruhig angehen."

Dass ein Hückeswagener dem Wipperfürther Orchester vorsteht - und das schon seit 21 Jahren -, ist Scherkenbach und seinem Nachbarn Bernd Schnippering zu verdanken. Die beiden - damals Vorsitzender und Stellvertreter - hatten 1996 den Kontakt zu Vandenherz aufgenommen, weil die Dohrgauler auf der Suche nach einem neuen Dirigenten waren. "Uns hatte jemand den Tipp gegeben, uns an Lothar Vandenherz zu wenden", erinnert sich Scherkenbach. Denn der hatte schon häufiger den Hückeswagener Gerald Wasserfuhr bei der Schützenkapelle Wipperfeld am Dirigentenpult vertreten. Und das offensichtlich nachhaltig. Als die beiden Wipperfürther im Oktober 1996 das erste Gespräch mit Vandenherz in dessen Haus in Oberdorp führte, stand fest: "Für uns war sehr schnell klar: Das isser!", erzählt Scherkenbach.

Vandenherz kommt aus einer musikalischen Familie, in der Hausmusik an der Tagesordnung war. "Was in der Kirche gespielt wurde, konnte ich am Harmonium nachspielen", erzählt er. Im Alter von neun Jahren begann sein Klavierunterricht. Zudem waren seine Eltern Hausmeister des Gemeindezentrums Lindenberg, wo viele Musikgruppen der Evangelischen Kirchengemeinde probten. Klammheimlich schnappte er sich abends eine Trompete des Posaunenchors und blies drauflos. Das blieb nicht unbeobachtet: Weil im Posaunenchor jemand fehlte, der die Tuba blies, wurde Vandenherz "dienstverpflichtet".

Weitere Erfahrung machte er an der Realschule, wo er im Schulorchester unter Hans Kypke spielte. Auch in der Big Band von Modern Generation, die es damals noch gab, musizierte der Hückeswagener.

1974 wurde Vandenherz Polizist und musste sich später entscheiden, ob er dem Polizei-Orchester beitreten oder Karriere als Kommissar machen wollte. "Mein Vater sagte mir, ich soll die Musik lieber als Hobby betreiben." Und so entschied er sich für die Laufbahn bei der Polizei.

Die Liebe zur Musik blieb. Vandenherz war erster Trompeter der Schützenkapelle Wipperfeld und gehörte mit Gerald Wasserfuhr der Partyband "Spotlights" an, die deutschlandweit jährlich 40 bis 50 Auftritte hatte. Die Familie wünschte jedoch, dass er häufiger zu Hause war. 1995 wurde er dann Kommissariatsleiter in Wermelskirchen (mittlerweile arbeite er in Bergisch Gladbach).

Zehn Jahre zuvor hatte Vandenherz jedoch schon die Leitung des Posaunenchors des CVJM Hückeswagen übernommen, dem er seit 1970 angehört. Und im Oktober 1996 kam das Dirigat beim MV Dohrgaul hinzu. Und so stehen zwei feste Termine in seinem Kalender: donnerstags wird von 20 bis 21.30 Uhr mit den sieben Blechbläsern geprobt, freitags von 19.30 bis 21.30 Uhr mit dem Orchester, das zirka 60 Musiker umfasst; dazu gibt es noch ein 20-köpfiges Jugendorchester.

Doch die Musik bestimmt auch an den anderen Tagen seine Freizeit. "Jeden zweiten Tag nehme ich mein Instrument in die Hand", betont der 60-Jährige, der "alles spielt, was Blech ist". Zu seinem 20-Jährigen in Dohrgaul erhielt er eine Querflöte und eine Klarinette. "Auf der Querflöte kann ich das Bergische Heimatlied spielen", sagt Vandenherz lachend. "Aber auf der Klarinette kriege ich die Tonleiter kaum hin." Der Respekt vor diesen beiden Registern sei jetzt bei ihm gestiegen.

Quelle: RP
 
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