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Kaarst
Frisör Franzen in Büttgen schließt nach 85 Jahren

Kaarst: Frisör Franzen in Büttgen schließt nach 85 Jahren
Hans-Dieter Franzens Mutter Käthe Franzen bei der Arbeit im Salon. FOTO: Berns, Lothar (lber)
Kaarst. Für Helene und Hans-Dieter Franzen wird es ein komisches Gefühl sein: Zum letzten Mal werden sie übermorgen aus ihrer Wohnung die Treppe hinunter, zur Arbeit in den eigenen Frisör-Salon, gehen. Zum letzten Mal werden sich Damen von ihnen am Samstag schützenfestfein machen lassen und Stammkunden nach einer Rasur für neun Euro fragen. Der alteingesessene Handwerksbetrieb an der Driescher Straße, der von den Franzens in dritter Generation geführt wird, schließt - nach 85 Jahren. Von Julia Hagenacker

"Mein Mann und ich sind jetzt im Rentenalter", sagt Helene Franzen. "Weil wir keine Kinder haben und es auch sonst niemanden gibt, an den wir das Geschäft übergeben können, gibt es keine andere Lösung."

Immer wieder haben die Frisörmeister in den vergangenen Monaten versucht, das liebevoll dekorierte Ladenlokal, das nach wie vor - bis 1975 war "Franzen" ein reiner Herrensalon - über einen getrennten Frisierbereich für Männer verfügt, zu vermieten. "Wir hatten mehrere Bewerber, aber am Ende hat es nie gepasst", sagt Helene Franzen. Die Franzens vermuten, dass das auch an der allgemeinen "Frisör-Schwemme" liegt.

"Früher, als wir angefangen haben, gab es in Büttgen vielleicht drei oder vier Salons", sagt Helene Franzen. Mittlerweile, schätzt die 63-Jährige, hat sich die Zahl verdoppelt. "Für einen kleinen Ortsteil ist das schon sehr viel." Doch es ist nicht nur das - auch das Stadtbild hat sich verändert. "Die Driescher Straße", sagt Hans-Dieter Franzen, "war einmal so etwas wie das Geschäftszentrum von Büttgen. Dann wurde die Bahnstrecke mit dem Bahnhof gebaut. Seither trennen die Gleise den Ortsteil." Während die Ortmitte rund um das Technische Rathaus gewachsen sei, sagt Franzen, blute der Büttgener Norden nach und nach aus.

Helene und Hans-Dieter Franzen, die zeitweise bis zu sechs Mitarbeiter beschäftigten und zehn Lehrlinge ausbildeten, geben die Hoffnung trotzdem nicht auf. "Wir werden hier erst einmal alles so stehenlassen und weiter inserieren", sagen sie. "Und vielleicht findet sich ja doch noch ein Nachfolger."

Quelle: NGZ
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