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Kaarst
Intensive Betreuung für auffällige Kinder

Kaarst: Intensive Betreuung für auffällige Kinder
Sigrid Fischer (l.) Ulrike Bruns und Hund Sally .... FOTO: Lothar Berns
Kaarst. In einer neuen Gruppe in Vorst fördert die Evangelische Familienhilfe: Schulkinder stärker, als es im normalen Offenen Ganztag möglich ist. Von Rudolf Barnholt

Ulrike Bruns, Sozialarbeiterin und Gruppenleiterin bei der Evangelischen Jugend- und Familienhilfe, hat keinen ganz leichten Job: Ihre Aufgabe ist es, Kinder unter ihre Fittiche zu nehmen, die Auffälligkeiten zeigen. Sie können sich nicht gut konzentrieren, haben oft eine niedrige Sozialkompetenz und ein geringes Selbstwertgefühl, sind schnell frustriert. "Und, so abgedroschen es sich auch anhören mag, etliche dieser Kids kommen aus schwierigen familiären Verhältnissen", sagt die 51-Jährige. Was sie meistens nicht haben, sind Freunde und Spaß am Leben. Oft informiert die Schule das Jugendamt, bevor der Weg zu "G@ Up Kids" (vom Englischen "get up", also aufstehen) geebnet wird.

"Es ist nichts Schlimmes, hier betreut zu werden. Die Kinder kommen gerne, und die Eltern freuen sich über die Fortschritte, die sie machen", erklärt Bruns. Bei vielen Kindern könne man sehen, wie die Mundwinkel langsam, aber sicher nach oben gehen.

Die Sieben- bis 14-Jährigen kommen nach der Schule in das Haus direkt neben der neuen Kindertagesstätte in der Nähe des Bauhofs. Viele werden von der Schule abgeholt, da die Kinder nicht nur in Kaarst leben. Sie bleiben dort bis 17 Uhr. Ganz wichtig ist eine klare Struktur des Nachmittags mit Mittagessen, Hausaufgabenbetreuung und genug Zeit, um herumzutoben. Das Außengelände ist riesig, der Vorster Wald liegt direkt vor der Tür.

Die drei Betreuer und die Absolventen eines Freiwilligen Sozialen Jahres ziehen sämtliche Register: Sie haben "tierische Kollegen" wie die aus Spanien stammende Hündin Sally. Die Kinder sind stolz wie Oskar, wenn sie mit ihnen im Vorster Wald an der Leine Gassi gehen dürfen - natürlich immer in Begleitung eines Erwachsenen. Selbst Kinder, die sich sonst ungern bewegen, freuen sich auf diese Aufgabe.

Keine Regeln, keine Konsequenzen: Damit ist in der Gruppe Schluss. Koordinatorin Sigrid Fischer hat ihren Schreibtisch in Neuss stehen. ",G@ Up Kids' ist ein Angebot, das es in der Region nicht so oft gibt", weiß die 56-jährige Sozialpädagogin. Und sie hat die Erfahrung gemacht: "Viele Kinder, die hier hinkommen, haben keine Ahnung, wer sie sind, was sie können."

Grobe Schimpfwörter aus der Fäkalsprache sind tabu, erlaubt ist das Fantasiewort "Käseschnitzel", um seine Wut zum Ausdruck zu bringen. Eltern werden, wenn möglich, in das Konzept mit einbezogen. Sie können hospitieren, beispielsweise bei der Zubereitung des Essens helfen. Und sie können erkennen, warum sich ihr Kind in dieser Gruppe anders verhält als zu Hause. "Wir sorgen dafür, dass die Kinder täglich ihre Erfolgserlebnisse haben", sagt Ulrike Bruns und erinnert sich an ein Mädchen: "Es konnte nicht lachen, als es zu uns kam - das hat es erst hier gelernt." Wenn auch diese intensive Betreuung nicht ausreicht, kann das Jugendamt über die Flexible Erziehungshilfe über weitere Förderungen entscheiden.

Quelle: NGZ
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