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Kaarst
Meister der Entschleunigung im ausverkauften Einstein-Forum

Kaarst. "Ich hab's doch nur gut gemeint", heißt das aktuelle Programm von Rüdiger Hoffmann. Im ausverkauften Albert-Einstein-Forum mimte er den total Entschleunigten. Das ist fast schon so etwas wie sein Markenzeichen und man kann es als wohltuend empfinden oder aber auch als langweilig. Tatsache ist aber: So gelangweilt sich Hoffmann auch gibt, er hat schon Botschaften rüberzubringen.

Zum Beispiel die der geistigen Verflachung bei großen Teilen der Jugend. Um dies zu demonstrieren setzte er sich eine Mütze auf, sah plötzlich aus wie ein Schlumpf und postete ein Video, ein völlig sinnfreies. Das geneigte Publikum erfuhr so Weltbewegendes wie das Beziehungs-Aus von Denis und Jessica und wer lieber Buchstaben-Suppe löffelt als Fischstäbchen zu essen. "Echt voll der krasse Scheiß", sagte Hoffmann als Schwachmat mit Mütze.

Mit Hans-Peter und Monika hatte er ein fiktives Paar parat, das es in dieser Konstellation zweifelsfrei geben wird: Sie dominant, er ein Trottel, der Angst davor hat, von ihr den Nachtisch gestrichen zu bekommen oder mit einem Fernsehverbot be-straft zu werden.

Rüdiger Hoffmann ist ein Meister der Lakonie. Das führt dann zu Sätzen wie diesen: "Entweder ist Weihnachten vorbei oder es kommt noch." Oder: "Der Graue Star geht klar, auch die Gicht stört nicht." Immer wieder wechselte Rüdiger Hoffmann zum Flügel, um eine seiner skurrilen Geschichten in Liedform zu bringen. Das Politische ist ihm ebenfalls nicht fremd, gerne dargeboten im Wolf-im-Schafsfell-Kostüm: In einer Art Herbert-Knebel-Look mimte er den Kleinbürger, der gegen Ausländer ja eigentlich gar nichts habe, der in ihnen aber doch eine tickende Zeitbombe sieht und gleichzeitig seine eigene Gefährlichkeit andeutet.

Es ist ein trockener Humor, den Rüdiger Hoffmann geradezu kultiviert und den man mögen kann, aber nicht mögen muss. Seine skurrilen Einfälle sorgten immer wieder für Lacher: So beklagte er das Verbot auf Mallorca, sich aus Eimern kollektiv zu betrinken, als Teil der deutschen Kultur. Und einen Pegida-Anhänger habe man schwarz angemalt durch die Südstadt geschickt, um die Früchte des Hasses zu ernten, die er möglicherweise selber gesät hat: "Wir sind auf seine Erfahrungen gespannt, wenn er wieder sprechen kann", sagte Hoffmann in der für ihn so typischen Art.

(barni)
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