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Kaarst
Mühlentag macht erneut Werbung für ein altes Handwerk

Kaarst. Förderkreis setzt auf neue Angebote an der Braunsmühle in Büttgen. Mitte Juni ist dort zum ersten Mal "Oldie-Frühschoppen" mit Band. Von Rudolf Barnholt

Die Braunsmühle hat ihre Fans, das wurde gestern beim Deutschen Mühlentag wieder einmal deutlich. Die 270 Mitglieder starke Fördergemeinschaft Braunsmühle Büttgen lässt sich aber auch einiges einfallen, um immer neue Besucher anzulocken. Und wer möchte, kann sich dort ehrenamtlich engagieren.

Wer um kurz vor elf Uhr zu den ersten Besuchern gehörte, konnte miterleben, wie die Mühlenkappe in den Wind gedreht wird. Sollten die Segel gesetzt werden oder würden die Flügelbretter ausreichen, um die Flügel zu bewegen? Männer wie Stefan Piron, Günther Fritsche und Einar Rasmussen in ihrer braun-beigen Müllerskluft bewiesen, dass sie schwindelfrei sind. Sie kletterten die Flügelbretter hoch und spannten nach und nach Segeltuch auf die vier Flügel.

Rolf Toepel nannte dazu beeindruckende Zahlen: "Die Mühle stammt aus dem Jahre 1756. Die Eichenbalken, aus denen der Antrieb gefertigt wurde, waren damals schon 250 bis 300 Jahre alt." Faszinierend, wie exakt die mit Bienenwachs bestrichenen Zähne noch immer ineinandergreifen, wie die mächtige Königswelle die Kraft der Flügel auf das Mahlwerk überträgt. Was man nicht sieht, allenfalls ahnen kann: Die Ehrenamtler leisten Beachtliches. Zehn von ihnen kümmern sich sonntags von April bis Ende Oktober um die Gäste im Mühlencafé. "Mit dem Besucherzahlen sind wir sehr zufrieden, obwohl das Wetter überwiegend schlecht war", gab Rolf Toepel zu verstehen. Gerne würde er das Team der Ehrenamtler verstärken. Gefragt sind auch kreative Köpfe, die dafür sorgen, dass es in und um die Mühle niemals langweilig wird.

Eine neue Idee wird erstmals am 12. Juni umgesetzt: Beim ersten "Oldie-Frühschoppen" wird zwischen 11 und 14 Uhr die Neusser Band "Just4Fun" auftreten. "Das ist mal was Neues - wir möchten damit Leute anziehen, die sonst nicht unbedingt zur Braunsmühle kommen würden", erklärte Toepel.

Betty Odenthal aus Büttgen gehörte gestern zu denen, die das Rahmenprogramm gestalteten. Sie hat einen Weidenflechtkursus absolviert und zeigte jetzt, was sie gelernt hatte. Neben Nützlichem wie Körben entstand auch Dekoratives wie etwa ein großes Blatt. Die 54-Jährige liebt den Material-Mix. Flechtmaterial kann dabei alles sein, "was sich um das Handgelenk wickeln lässt."

Peter Trippelsdorf aus Büttgen konnte viel über seine Arbeit als Imker erzählen und dazu Met und Honiglikör verkaufen.

Arno Münch ist jedes Mal beim Deutschen Mühlentag in Büttgen dabei. Der Kölner fertigt Schmuck aus altem Besteck. Andrea Scholz verkauft ihn und erklärte: "Ich trage fast ausschließlich diese tollen Stücke." Ihr Chef kann auch sehr spontan sein und mitgebrachtes Besteck ruckzuck in Schmuck verwandeln.

Die Tische und Stühle vor dem Mühlencafé wurden schnell noch vom gelben Blütenstaub befreit und immer wieder ließ sich die Sonne blicken, lud zum Verweilen ein. Niemand musste zum Mittagessen nach Hause fahren.

Quelle: NGZ
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