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Kabarettist Jürgen Becker
"Volksbegehren" und Fortpflanzung

Kabarettist Jürgen Becker: "Volksbegehren" und Fortpflanzung
Wortwitz und rheinsicher Humor: Jürgen Becker. FOTO: S. Kianmehr
Kaarst. Keine falschen Vorstellungen: Der Titel des neuen Kabarett-Programms von Jürgen Becker, "Volksbegehren", ist keineswegs eine Anspielung auf politische Mitbestimmung der breiten Masse, auf mehr Basisdemokratie. Es geht fast ausschließlich um die Kulturgeschichte der Fortpflanzung - ein Thema also, das alle angeht.

Jürgen Becker zog im ausverkauften Albert-Einstein-Forum alle Register. So waren auf einer Leinwand immer wieder Meisterwerke der erotischen Malerei zu sehen, aber auch so vermeintlich Bedeutungsloses wie eine Blattlaus. Jürgen Becker verstand es, alles perfekt miteinander zu verbinden. Seine Begrüßungsfloskel "Dann wollen wir uns mal einen schönen Abend machen" war ein Versprechen - und zwar eines, das er unbedingt einlösen sollte.

"60 Prozent der Männer denken ständig an Sex, 40 Prozent an Fußball": Bei Jürgen Becker waren die Männer liebesmüde, denen beim Stichwort "Spielsachen im Bett" zuerst die Carrera-Bahn einfällt. Und die ihr Intimleben als so fade empfinden, dass es sie schon erregt, wenn sie "dabei" an die Steuererklärung denken. Auf einer Leinwand erschien ein Bild von Edward Hopper, auf dem sich zwei Menschen offenbar nichts mehr zu sagen haben. Keine Frage, Jürgen Becker verstand es mit seiner schnarrenden Stimme, sein Publikum zu unterhalten und zum Lachen zu bringen. Er gewährte einen Einblick in das Liebesleben der Blattlaus, die sich auch ohne Mithilfe des "Lausbuben" vermehren kann. Der langweile sich indes nicht, sondern spiele Skat und freue sich über ein gutes Blatt.

Wortwitz und rheinischer Humor des gebürtigen Kölners prägen das Programm und verleihen ihm Leichtigkeit. Immer wieder bemühte Becker die griechische Mythologie und zog aus ihr eigene Schlüsse: "Xanthippe ist griechisch und heißt "Ich habe Kopfschmerzen". Das Publikum erfuhr unter anderem, dass eine Russin 69 Kinder zur Welt gebracht und der Sultan Muley Ismael 888 Kinder gezeugt hat: "Da wird selbst die Blattlaus neidisch", behauptete Becker, der in Kaarst beste Unterhaltung, leicht wissenschaftlich verbrämt, bot.

(barni)
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