| 00.00 Uhr

Kaarst
Vom Haus existiert heute nur der Grundriss

Kaarst. Das Holzbüttger Haus wurde vor gut 30 Jahren bei Aushubarbeiten für den Bauhof in Vorst freigelegt.

Fährt man von Kaarst aus Richtung Vorst, fällt der Straßenname der ersten Abzweigung rechts ins Auge: "Am Holzbüttger Haus". Der Name geht auf eine 1363 erbaute Wasserburg und ein nach deren Zerstörung gebauten Gutshof zurück - er wurde 1965 abgerissen und somit verschwand scheinbar das so genannte Holzbüttger Haus. Die Überraschung war groß, als bei Aushubarbeiten für den neuen Baubetriebshof der Stadt Kaarst im Frühjahr 1985 Reste der Burg entdeckt wurden. Eine Hinweistafel lädt zum Betrachten des Bodendenkmals ein - und zum Nachdenken über dessen wechselvolle Geschichte.

Inmitten eines Sumpfgeländes erbauten Ritter von Holzbüttgen - als Mitglieder des kurkölschen Landtags erstmals 1345 urkundlich erwähnt - eine aus festem Ziegelmauerwerk und auf einem Rost von Holzpfählen ruhende Burg. Diese damals völlig neue Bauweise findet sich sonst nur bei Burg Oda in Grefrath-Oed. Die zweigeschossige Hauptburg war 22 mal 19 Quadratmeter groß und bestand aus Wohnbereich, Küche, Hauswirtschaftsbereich, Turm und Zwinger. Das Wirtschaftsgebäude befand sich in der westlich vorgelagerten Vorburg. Alles war von einem großen Wassergraben umgeben. Außerdem gehörte von Pächtern bewirtschaftetes Ackerland zur Burg, die eine wichtige Station auf dem Handelsweg von Neuss nach Roermond bildete.

Der Truchsessische Krieg (1583-1588) zerstörte 1586 große Teile der Burganlage, die 200 Jahre später als Gutshof neu gebaut und ab da den Namen "Holzbüttger Haus" trug. Auf dem Gelände der Vorburg errichtete der Neusser Quirinusstift 1790 einen Sommersitz für die Äbtissin Felicitas Auguste Freein von Wallbott und Bassenheim. Ihr Wappen ist heute noch über der Eingangstür zum Bauhof zu sehen. 1802 ging das Holzbüttger Haus in Staatsbesitz über.

Nach mehrfachem Besitzerwechsel kaufte die Stadt Düsseldorf 1959 den Hof mit dem umliegenden Gelände, um neue Wohnanlagen zu errichten. Dazu kam es aber nicht, sondern es reichte 1961 nur zu einem Neubau des Hofs südlich des alten Gehöftes für den damaligen Pächter Bauer Berrisch. 1965 wurde das alte Gut abgerissen. 1976 kaufte die Stadt Kaarst das Gelände zurück und baute zunächst das Gymnasium, das 1979 fertig gestellt wurde.

Die Arbeiten für den neuen Bauhof 1985 förderten die Fundamente der Hauptburg mit Wassergraben, Zugbrücke (jetzt ostwärts der Bauhofs) und Vorburg (Eingang Nordseite Bauhof) zutage. Die Holzroste, die Widerlager der Zugbrücke und die Kaminfundamente der Burgküche sind heute noch erkennbar. Außerdem fand man ein gotisches Trinkgefäß, Fragmente eines gotischen Schlüssels und blau-graue Keramik aus dem 11. Jahrhundert. Um das Ganze als Bodendenkmal für kommende Generationen zu erhalten, wurde der geplante Bauhof um einige Meter nach Westen verschoben. Für die Zufahrt musste die Vorburg wieder zugeschüttet werden. Aber eine besondere Pflasterung zeugt vom Verlauf ihrer Mauerkronen. Die Fundamente der Hauptburg wurden mit Original-Ziegelsteinen hochgezogen und ragen heute , wohl versiegelt mit einer Sand-Kiesschicht, zwischen 50 Zentimetern und einem Meter aus dem Boden heraus.

(keld)
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Kaarst: Vom Haus existiert heute nur der Grundriss


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.