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Kamp-Lintfort
Galerie Schulz zeigt Masken und Ritualobjekte aus Afrika

Kamp-Lintfort. Bis zum 3. Juli ist die mehr als 200 Exponate umfassende Ausstellung an der Oststraße 77 zu sehen. Von Peter Gottschlich

Reinhard Klimmt verpasst keine Ausstellungseröffnung der Galerie Schulz. Der Bundesverkehrsminister im ersten Kabinett von Gerhard Schröder reist dreimal im Jahr von Saarbrücken nach Kamp-Lintfort, weil er ein großer Sammler afrikanischer Figuren und Masken ist. "Afrikanische Kunst ist eine Kunst, die nicht abbildet, sondern ausdrückt", beschreibt der 73-jährige Historiker seine Faszination. "Die Augen sind zu groß, die Nasen zu lang und die Beine zu kurz. Trotzdem wirken Masken und Figuren harmonisch."

Am Sonntag besuchte der Saarländer wieder den Niederrhein, wie weitere 80 Kunstinteressierte aus ganz Deutschland. Schließlich hatte die Galerie Schulz zur Eröffnung einer Ausstellung eingeladen, in der sie bis zum 3. Juli "Masken und Ritualgegenstände aus Afrika" zeigt. "Afrikanische Masken stehen für die Einheit von Maske und Mensch", sagte Galerist Bernd Schulz. "Zugleich waren sie Teil gesellschaftlicher Inszenierungen."

Diese Inszenierungen waren rituell. Personen zogen Masken auf, um sich in Ektase zu singen und zu tanzen, während sie von ihren Dorfbewohnern angefeuert wurden. "So nahmen sie ihre existenzielle Besorgtheit um Regen, Gedeihen der Feldfrüchte sowie Nachkommenschaft bei Mensch und Tier ab", berichtete der Galerist. "Sie begleiteten den Einzelnen in den verschiedenen Stadien des Heranwachsens und dienten ihm manchmal auch zu therapeutischen Zwecken."

120 Masken sind in der Galerie an der Oststraße ausgestellt. Dazu gehört zum Beispiel eine Gesichtsmaske des Stammes Bembe aus der Demokratischen Republik Kongo, bei der das Gesicht auf eine Ellipse mit übergroßen Augen, senkrechtem Nasenstrich und kleinem küssenden Mund reduziert ist. Oder eine Maske des Stammes Sikasso aus Mali ist zu sehen, bei der das Gesicht auf ein Dreieck mit langer Nase, kleinen ovalen Augen sowie einem runden Mund zurückgeführt ist.

Die späten Impressionisten und die Expressionisten ließen sich von einer Reduzierung der Gesichtszüge auf diese Weise ansprechen, um daraus zu Beginn des 20. Jahrhundert eine neue Kunst zu formen, die die Sehgewohnheiten der Europäer veränderte. Auch heutige Künstler lassen sich anregen, wie der Maler Hein Driessen aus Wesel, der die Ausstellungseröffnung in Kamp-Lintfort ebenfalls besuchte.

Bei den 100 Ritualgegenständen, die außerdem in der Galerie Schulz zu sehen sind, sind die Formen ebenfalls reduziert und damit hervorgehoben. Ein Beispiel ist ein Ritualstuhl des Stammes Tshokwe aus Angola, dessen Sitzfläche von einer stilisierten Frau, einem stilisierten Mann und einem stilisierten Tier getragen wird. Wie fast alle Objekte der Ausstellung besteht dieser rituelle Gegenstand aus Holz. Die Person, die auf dem Stuhl saß, und der Stuhl selbst bildeten einst eine Einheit.

Die Galerie Bernd Schulz liegt an der Oststraße 77 in Kamp-Lintfort. Sie ist mittwochs, samstags und sonntags von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Außerhalb dieser Zeiten können Kunstinteressierte die Galerie nach telefonischer Absprache besuchen: 02842 6498. Die Ausstellung ist bis zum 3. Juli zu sehen.

Quelle: RP
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