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Kamp-Lintfort
Gelungener Auftakt der Theatersaison

Kamp-Lintfort: Gelungener Auftakt der Theatersaison
Eine Szene des Theaterstücks "Ziemlich beste Freunde". FOTO: achu
Kamp-Lintfort. Über 700 Besucher erlebten einen unterhaltsamen Abend mit dem Stück "Ziemlich beste Freunde".

Zum Auftakt der Spielzeit 2015/16 in der Kamp-Lintforter Stadthalle präsentierte am Freitagabend das Tournee-Theater Thespiskarren aus Hannover die Komödie "Ziemlich beste Freunde". Gunnar Dreßler schrieb die Bühnenfassung des gleichnamigen Films, der 2012 in den deutschen Kinos 9 Millionen Menschen begeisterte und auf einer wahren Geschichte beruht. Vor einem ausverkauften Haus schafften es der Regisseur Gerhard Hess und das vierköpfige Ensemble, das Komische und Berührende dieser Geschichte überzeugend darzustellen.

Der aus zahlreichen Fernsehproduktionen bekannte deutsch-britische Schauspieler Timothy Peach spielt Philippe, den reichen Unternehmer, der seit einem Gleitschirm-Unfall vom Hals ab querschnittsgelähmt und rund um die Uhr auf Pflege angewiesen ist. Felix Frenken spielt Driss, einen jungen Mann mit afrikanischen Wurzeln aus der Pariser Vorstadt, der bereits wegen eines Raubüberfalls im Knast gesessen hat. Er bewirbt sich um die Pflegerstelle bei Philippe nur, um sich einen Stempel fürs Arbeitsamt abzuholen. Doch die raue, mitleidslose, hibbelige und etwas schlichte Art des Jungen ist genau das, was der verbitterte Philippe braucht, um aus seiner Isolation herauszukommen. Und so entwickelt sich eine Bindung zwischen den beiden. Flankiert wird das intensive Spiel der beiden gegensätzlichen Männer von Sara Spennemann, die Philippes cool-adrette Assistentin mimt und nebenbei auch noch in zwei andere Frauenrollen schlüpft. Den Vierten im Bunde spielt Michel Haebler in gleich drei kleinen Nebenrollen, die eigentlich nur als Kontrastfiguren dienen. Das Stück kommt mit minimalistischer Kulisse aus und lebt von der Interaktion der beiden Hauptdarsteller.

Das Publikum erfreut sich an den sarkastischen Sprüchen von Driss und an seinem diebischen Vergnügen, als er erfährt, dass der Querschnittsgelähmte an den Ohren sexuell erregbar ist. Besonders berührend ist der erste Wendepunkt der Geschichte, als Philippe mitten in der Nacht DrissQ Hilfe braucht und sie dann gemeinsam einen Joint rauchen. Während dem Publikum in den vorderen Reihen Marihuana-Duft um die Nase weht, kommen sich die Männer näher und auf Philippes Frage: "Kann ich mich zu 100 Prozent auf Sie verlassen?" antwortet Driss: "Ja, das können Sie."

Die Dramatik und Aussagekraft des Films erreicht das Theaterstück nicht. Auch Zuschauer Jörg Alsfasser (46) resümiert: "Es war wirklich gut gespielt und unterhaltsam - allerdings nicht vergleichbar mit dem Film."

(rauh)
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