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Stadt Kempen
Bürger sammeln Ideen für Kempen-West

Stadt Kempen: Bürger sammeln Ideen für Kempen-West
Von der Einmündung des Mühlenwegs in die Straelener Straße aus lässt sich die Größe des geplanten Neubaugebietes im Kempener Westen nur erahnen. FOTO: Prümen
Stadt Kempen. Nach der Auftaktveranstaltung vor etwa drei Wochen ging es jetzt beim Planungsprojekt für ein Neubaugebiet im Kempener Westen schon ans Eingemachte. In vier Arbeitsgruppen wurden erste Wünsche und Ziele konkretisiert. Von Willi Schöfer

Für etwa zweieinhalb Stunden gingen Landwirte, Kaufleute, Anwohner aber auch junge Menschen, die in Kempen wohnen bleiben möchten und sich seit einiger Zeit ein eigenes Heim wünschen, am Dienstagabend unter die Stadtplaner. Sie wurden einbezogen, als in einem ersten Schritt das Dortmunder Planungsbüro Pesch & Partner Anregungen aufnahm, um das große Neubauvorhaben im Kempener Westen zu entwickeln. Die Rede war jetzt von etwa 750 Wohneinheiten, die zwischen Straelener Straße und Ziegelheider Straße entstehen könnten.

Nach einem ersten Bürgerforum, bei dem es so manche Kritik über die Folgen solch einer neuen Besiedlung und vor allem über die dann zusätzliche Verkehrsbelastung gab (die RP berichtete), wurde jetzt konstruktiv mitgearbeitet. Es gab auch weitere Nein-Stimmen, so beispielsweise vom Ur-Kempener und Schäfer Norbert Voetz (65), das wertvolle Ackerland in dem Naherholungsgebiet nicht weiter zu versiegeln. Aber es gab durchaus viele andere Töne, so von Thomas Körwes (56), ebenfalls einem Kempener Urgestein, der sagte: "Dies ist eine große Chance, selbst an der künftigen Gestaltung Kempens mitzuwirken. Dies könnte zu einer runden Sache werden, wenn wir schöne Wohnquartiere hinbekommen. Und keine, die dem Auge wehtun, weil das Alte und Neue überhaupt nicht zueinander passt."

Nach den Forum fand die erste Planungswerkstatt ebenfalls in der Mensa der Martin-Schule statt. Andreas Bachmann, Geschäftsführer des Dortmunder Planungsbüros, und seine drei Mitarbeiter hatten vier Arbeitsgruppen gebildet. Es ging um "Siedlungsbild und Städtebau", "Freiraum und Ortsrand", "Mobilität und Verkehr" und "Nutzungen und Wohngebiete".

Bei den Wohngebieten fasste hinterher CDU-Ratsherr Gerd-Wilhelm Stückemann die Ergebnisse seiner Gruppe zusammen: Bedarf an allen neuen Wohnformen sei genügend vorhanden - egal, ob beim Geschosswohnungsbau, beim sozialen Wohnungsmarkt, bei den Reihen-, Doppel- oder Einfamilienhäusern. Das Zauberwort hierbei sei der "Mix". Es müsse gelingen, die verschiedenen Baukörper und Formen in der Gesamtheit zu integrieren. Keine Ghettobildung, keine riesige Umgehungsstraße, sondern ein durchdachtes Verkehrskonzept - mit kleinen Begegnungs- und Aufenthaltszentren. "So etwas wie den zubetonierten Concordienplatz wollen wir aber nicht", stellte ein anderer Redner klar.

An der Gruppenarbeit beteiligte sich unter anderem Kempens Bürgermeister Volker Rübo oder der SPD-Fraktionsvorsitzende Andreas Gareißen, auch CDU-Leute waren darunter. Planungsamtsleiter Heinz-Peter Cox hörte sich wie seine Kollegin Bettina von der Linde die Diskussionen an den vier Tischen ebenso interessiert an wie Stadtwerke-Geschäftsführer Siegfried Ferling.

In den Arbeitsgruppen waren auch einige junge Leute aktiv, so die 26-jähirge Ann-Christin Hartmann, die der RP sagte: "Ich möchte unbedingt in Kempen wohnen bleiben und irgendwann einmal in den nächsten drei Jahren mit meinem Freund Frederik hier bauen." Ihr Freunde aus Tönisvorst, Laura und Daniel Kirch, 26 und 27 Jahre alt, hatten den gleichen Wunsch. Die Beiden hatte sich am 1. Juli das Ja-Wort gegeben. Den jungen Männern gefiel das städtische Punktesystem nicht, sie begründeten: "Erst müssen Kinder da sein, um dafür im Bewerberpool der Stadt um ein Grundstück Punkte zu bekommen und dann kommt das Haus. Warum geht das nicht anders herum: erst das Haus und dann die Kinder?"

Die Stadt Kempen ist dabei, die Ausbaufläche von insgesamt rund 45 Hektar in den städtischen Besitz zu bekommen. In der Planungswerkstatt sprachen einige Wortführer auch die relativ ältere Bevölkerung in Kempen an, erinnerten an die vielen großen Gartengrundstücke, die es nicht nur am Ortsrand gäbe und appellierten an die Eigentümer, die Grundstücke zu teilen und zusätzlich zu bebauen. Auch dies sei nicht nur für die Wohnungssuchenden eine Hilfe. Sicherlich auch für die Eigentümer, die im Alter solche große Areale nicht mehr bewirtschaften könnten.

"Plant nicht so wie im Kempener Süden, wo an manchen Straßenzügen jede Bude nahezu gleich aussieht, seid kreativ", wünschte sich Andre Weiß. Thomas Hamacher berichtete aus der Arbeitsgruppe "Mobilität und Verkehr". Auch er sprach sich für die Mischung der Wohnformen aus, wünschte teilweise autofreie Quartiere mit einem durchdachten Parkraumkonzept, wenn möglich unterirdisch. Keineswegs dürfte die Berliner Allee oder die Birkenallee zusätzlich belastet werden. Moniert wurde von Anwohnern aus dem Außenbereich Ziegelheide noch die "Rote Welle" auf dem Kempener Außenring, die zu bestimmten Zeiten Staus verursache und den einen oder anderen Autofahrer nötige, sich andere Wege zu suchen.

Thomas Körwes fasste die Arbeit der Gruppe "Siedlungsbild und Städtebau" zusammen. Er votierte ebenfalls für eine Vielfalt an bezahlbarem Wohnraum, lehnte eine Ghettobildung ab, wünschte fließende Übergänge und einen kleinen Marktplatz, auf dem ein Zusammengehörigkeitsgefühl entstehen könne. Genannt wurde auch noch geeignete Lärmschutzmaßnahmen.

In der Gruppe "Freiraum und Ortsrand" wurde sich unter anderem für einen maßvollen Flächenverbrauch ausgesprochen. Und dafür, die Grünzonen und vor allem die Kleingartenanlage am Hausheckweg mindestens zu erhalten, wenn möglich sogar auszubauen.

Quelle: RP
 
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