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Stadt Kempen
Den Landwirten ist es zu kühl

Stadt Kempen: Den Landwirten ist es zu kühl
Die Landwirte setzen auf Frostberegnung, damit die Obstblüten keinen Schaden nehmen. FOTO: Günter Jungmann
Stadt Kempen. In den Nächten soll es regnen, weil es viel zu trocken ist. Der Frosteinbruch im April kam zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Die Bauern hoffen, dass jetzt nicht auch noch die Eisheiligen zuschlagen. Von Willi Schöfer

"Es ist derzeit viel zu trocken, ich wünsche mir jetzt mal einige Nächte Regen, aber tagsüber Temperaturen von etwa 15 bis 20 Grad", so der einmütige Kommentar einiger Landwirte, denen es derzeit viel zu kühl ist. "So steht bei mir die Maisaussaat an, aber dafür ist es noch deutlich zu kalt", sagt der Vorsitzende der Ortsbauernschaft St. Hubert, Johannes Dörkes. Dem kann der Kempener Ortslandwirt und der Vorsitzende der Ortsbauernschaft Kempen, Peter Josef Coenen, nur beipflichten: "Es muss feuchter werden." Nächste Woche will Coenen den Kohl pflanzen. Die letzten Frosttage, vor allem in der zweiten April-Hälfte, haben den Bauern große Probleme gemacht.

Viele Landwirte hatten schnell reagiert. So beispielsweise die Früchte mit Folien oder Vlies abgedeckt. Oder die Kartoffelfelder und Apfelplantagen frostberegnet, damit ein dünner Eispanzen die Blüten und Knollen schützt. Dennoch gibt es erste Einbußen bei den Ernten. Zumal diese Beregnung vor allem aus Kostengründen nicht flächendeckend gemacht werden kann.

Der stetige Strahl sorgt für einen Eispanzer um die Blüten. FOTO: Jungmann Günter

"Vor allem der 20. April, als direkt über dem Ackerboden Temperaturen zwischen vier und acht Grad minus gemessen wurden, hat vor allem bei den Kartoffelbauern große Probleme verursacht, die ihre Früchte durch Folien nicht auf der ganzen Fläche abdecken oder sie nicht beregnen konnten", sagt der Pflanzenbau-Berater der nordrhein-westfälischen Landwirtschaftskammer, Josef Hamm. Da es im März relativ warm gewesen sei, die Kartoffel also schon voll im Wachstum war, kamen die Frosttage im April zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt. "Denn jetzt ist es aufgrund der Schwankungen zu einem Stillstand der Vegetation gekommen", meinen übereinstimmend Josef Hamm und Kreis-Landwort Paul-Christian Küskens. Hamm ergänzt, dass sich bei den Rüben die Frostschäden bislang in Grenzen gehalten hätten, zumal diese zu unterschiedlichen Zeiten gesetzt worden seien.

"Viel zu trocken und zu kühl", kommentiert Kreis-Landwirt Paul-Christian Küskens. Auch er sehnt sich den Regen herbei. Vor allem für das entsprechende Wachstum der Pflanzen. Probleme hätten, so Küskens, auch die Milchbauern gehabt, die ihre Grasfutter aus Sorge künftiger Frosttage schon geschnitten haben, obwohl es noch nicht in voller Reife stand. Küskens: "Diese Landwirte bekommen es jetzt wegen des kühlen Wetters nicht schnell genug getrocknet."

Hoffentlich schlagen die Eisheiligen an der Spitze die "Kalte Sophie" im Mai nicht noch weitere Kapriolen. Dies ist natürlich der Wunsch der Landwirte, wobei Josef Hamm davon ausgeht, dass man das Schlimmste überstanden habe. Dies hofft ferner Hans-Leo Sieben (64), der auf seinem Hof in Clörath mit seinem Sohn André (35) etwa 45 Hektar Kartoffeln im Jahr anbaut. Davon sind rund zehn Hektar Frühkartoffeln, die er eigentlich in der zweiten Mai-Hälfte ernten will. Er konnte nicht alle Knollen frostberegnen, daher sind einige in der Entwicklung etwa ein bis zwei Wochen zurück. Sieben senior fasst zusammen: "Aufgrund der zu niedrigen Temperaturen haben die Pflanzen, vor allem die, die nicht genügend Wasser bekamen, etwas gelitten, von einem Totalschaden möchte ich aber nicht sprechen."

Markus Steves, der mit seinem Vater Rudolf den St. Töniser Obsthof bewirtschaftet, spricht ebenfalls trotz der Frostschutz-Beregnung von kleineren Schäden auf seinen Apfelplantagen. Die beiden bewirtschaften 48 Hektar, die Hälfte sind Äpfel, 15 verschiedene Sorten. Dennoch ist Steves zuversichtlich, dass er die eigenen Läden und Wochenmärkte wie bisher mit guter Ware beliefern kann. Die Schäden bei den Pflaumen beziffert der Obstanbauer auf rund 20 Prozent; bei den Erdbeeren und Kirschen seien die Schäden minimaler ausgefallen.

Quelle: RP
 
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