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Kempen
Der letzte Musiksommer beginnt

Kempen: Der letzte Musiksommer beginnt
Mit innerer Ruhe, wie eine Erzählung spielte Homero Francesch das Thema. Seit seinem ersten Auftritt in Viersen 1975 fühlt er sich der Stadt so sehr verbunden, dass er jetzt gerne zu einer anspruchsvollen Matinee in die Festhalle kam. FOTO: jörg Knappe
Kempen. Homero Francesch beeindruckte zum Auftakt der Reihe mit Bachs Goldberg-Variationen. Nach dem Konzert erhielt der künstlerische Leiter der bisherigen sieben Ausgaben eine besondere Auszeichnung der Stadt Viersen. Von Gert Holtmeyer

"Die ganze Welt kommt nach Viersen", skizzierte Troels Svane den Viersener Musiksommer. Da hat der künstlerische Leiter dieser Veranstaltung zwar humorvoll etwas übertrieben, aber die Richtung der Aussage stimmt. 24 Studenten nehmen teil, "und die", so Svane, "kommen aus fast 24 Nationen". Sprachlich ist das kein Problem; sofern die jungen Menschen kein Deutsch sprechen, können sie Englisch. Und damit funktioniert die Verständigung mit den Dozenten, den anderen Studenten und den Gastfamilien ganz unproblematisch.

Alle Studenten sind privat untergebracht; zu den Gastgebern gehört auch Bürgermeisterin Sabine Anemüller (SPD). Aus ihrer Begrüßung hört man die gemischte Gefühlslage heraus, die überall bei der Eröffnung spürbar ist. Die Wehmut darüber, dass soeben der letzte Viersener Musiksommer begonnen hat, ist nicht zu leugnen. Aber es ist auch viel Freude zu spüren, Freude über das in den vergangenen sieben Sommern Erreichte und Freude über das Wiedersehen mit Musikern und Organisatoren, die man im Laufe der Jahre kennen und schätzen gelernt hat.

Natürlich wäre es zu wenig und nicht stilvoll, den achten und letzten Viersener Musiksommer nur mit Begrüßungsreden zu beginnen; an den Anfang gehört ein anspruchsvoller Musikbeitrag. An sich wollte Homero Francesch, künstlerischer Leiter der bisherigen sieben Viersener Musiksommer, mehr Zeit als bisher in seiner uruguayischen Heimat verbringen. Aber seit 1975, seit seinem ersten Auftritt in Viersen, ist er so sehr mit Viersen verbunden, dass er gern noch einmal zu einer anspruchsvollen Klavier-Matinee in die Festhalle kam. Erfreulich viele Zuhörer waren spürbar beeindruckt von seiner kompetenten Wiedergabe der Bachschen Goldberg-Variationen.

Johann Gottlieb Goldberg war ein talentierter Cembalist, für den Johann Sebastian Bach ein Thema mit 30 Variationen schrieb. Kolportiert wird, dass Goldberg den mit der Familie Bach befreundeten Grafen Hermann Carl von Keyserlingk mit diesen Variationen "in seinen schlaflosen Nächten ein wenig aufheitern" sollte. Die großartige Bachsche Komposition für ein doppelmanualiges Cembalo bietet selbstverständlich mehr als nur Aufheiterung bei Schlafproblemen. Francesch spielte das Thema wie eine Erzählung, mit innerer Ruhe, nicht romantisierend, aber auch nicht unterkühlt. Die Variationen sind vielseitig. Manche stecken voller virtuoser und rhythmischer Anforderungen, manche klingen verhalten schlicht, manche pompös.

Francesch akzentuierte auch in den schnellsten Passagen die verschiedenen Stimmen sehr genau, so dass bei aller Virtuosität nichts verwischt wurde, sondern die musikalischen Strukturen stets erkennbar blieben. Nach begeistertem Beifall dankten Bürgermeisterin Sabine Anemüller und Ottmar Nagel vom Förderverein Festhalle Viersen Francesch für sein langjähriges künstlerisches Engagement in Viersen. Für seine Verdienste erhielt er die Stadtplakette in Silber. Er sei sichtlich gerührt, sagte Francesch und fügte hinzu, dass er Viersen im Laufe der Jahrzehnte sehr lieb gewonnen habe. Und: noch habe er die Hoffnung nicht aufgegeben, dass in der einen oder anderen Form der Musiksommer wiederbelebt werden könnte.

Quelle: RP
 
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