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Stadt Kempen
Einsatz für die Natur

Stadt Kempen: Einsatz für die Natur
Mitglieder des Nabu, des Segel- und Surfclubs Kempen, der St. Huberter Pfadfinder und andere freiwillige Helfer waren am Königshütte-See im Einsatz. FOTO: Prümen Norbert
Stadt Kempen. In einen Großeinsatz für den Naturschutz ging am Samstag die Nabu-Ortsgruppe Kempen-St. Hubert-Tönisberg am Königshütte-See. Gemeinsam mit Mitgliedern des Segel- und Surfclubs Kempen, den St. Huberter Pfadfindern und weiteren freiwilligen Helfern sammelten die Naturschützer den Müll der illegalen Seebesucher. Von Bianca Treffer

"Da unten ist ein regelrechtes Mülllager", meint Günter Bosch und deutet in eine kleine Bucht. Jede Menge leerer Glasflaschen liegt nebst einem Bierfass unter den Sträuchern, Plastikflaschen dümpeln im Wasser, dazu kommt diverser Verpackungsmüll. Bosch ist Mitglied im der Ortsgruppe Kempen-St. Hubert-Tönisberg des Naturschutzbundes (Nabu). Er und seine Tochter Anne sowie deren Freundin Mandy wandern um die kleine Landzunge am Königshütte-See herum und beginnen, die Hinterlassenschaften von illegalen Besuchern des Gewässers in blaue Müllsäcke zu verpacken. Einen ersten vollen Müllsack haben derweil Sigrid und Reinhard Opacsiti mit ihrer Enkelin Xenia schon gesammelt. "Es ist unvorstellbar, was wir alles gefunden haben. Neben dem ganzen Müll waren es auch Handtücher und Flipflops", sagt Sigrid Opacsiti, die Mitglied im Tauchclub Flipper ist und sich der Aktion, die die Nabu-Ortsgruppe initiiert hat, angeschlossen hat.

Vor dem Hintergrund der Vermüllung des Geländes hat die Ortsgruppe eine Herbstputz-Aktion am Königshütte-See organisiert. Den Anstoß dazu gab Georg Lüdecke. Das Nabu-Mitglied aus St. Hubert interessiert sich seit Jahren für den Renaturierungsplan des ehemaligen Baggersee-Geländes. Vor allem der Bereich des kleineren Seeteils, der dem Vereinsareal des Segel- und Surfclubs (SSC) Kempen gegenüberliegt, hat es den Naturschützern angetan. Gemeinsam mit einem Spezialisten für das Wassernetz NRW haben Vertreter des Nabus im Sommer noch einmal das Gelände inspiziert. "Als wir im Juni hier waren, fiel uns das extreme Müllaufkommen auf", berichtet Lüdecke. Ein Zustand, der dem St. Huberter keine Ruhe ließ. Er wandte sich an die Naturschutzbehörde beim Kreis Viersen und beantragte die Genehmigung, das Gelände für eine Säuberungsaktion betreten zu können. "Ich hatte eine Kopie meiner Anfrage an den SSC geschickt und bekam von dort direkt die Antwort, dass man mitmachen wolle, wenn wir eine Genehmigung bekommen würden", sagt Lüdecke. Die Genehmigung kam. Das ebenfalls angesprochene Auskiesungsunternehmen Klösters als Eigentümer des Geländes brachte sich ebenfalls ein und stellte Müllgreifer und Handschuhe für die Helfer zur Verfügung, während die Stadt Kempen die Müllsäcke bereit stellte, die im Anschluss vom städtischen Bauhof entsorgt wurden.

Nicht nur auf dem Gelände an der Einfahrt des ehemaligen Kiesgebietes statten sich an diesem Morgen weitere Helfer, darunter auch die St. Huberter Pfadfinder, mit Handschuhen und Zangen sowie Müllsäcken aus. Mehr als 20 freiwillige Mitstreiter sind im Einsatz. Am Seeufer des SSC-Vereinsgeländes macht sich derweil eine zehnköpfige Gruppe fertig. "Wir werden mit unserem Arbeitsboot rüber fahren und den Nabu unterstützen", sagt SSC-Präsident Willi Steffes. Er ist selbst Mitglied im Nabu und hat bereits im Rahmen des "Frühjahrsputzes" - der Gemeinschaftsaktion von Stadt Kempen, Firma Schönmackers Umweltdienste und Rheinischer Post - mehrfach am Großreinemachen am Königshütte-See mitgemacht. Das Problem der vielen illegalen Badegäste, die sich in den Sommermonaten unerlaubt Zutritt zu dem Gelände des ehemaligen Baggersees verschaffen, dort Partys am Ufer feiern und dabei ihren Müll zurücklassen, ist hinlänglich bekannt. Die Rheinische Post hat in den vergangenen Monaten mehrfach darüber berichtet. Auch die Kempener Kommunalpolitiker, Stadtverwaltung und Polizei haben sich mit dem Thema befasst, ohne bislang eine nachhaltige Lösung des Problems gefunden zu haben. "Der Müll von der anderen Seite wird teilweise auf unserem Gelände angeschwemmt und wir müssen alles entsorgen", berichtet SSC-Beiratsmitglied Frank Schubert. Dazu kommt die Gefahr, dass die Badenden von Booten oder Surfern verletzt werden könnten, wenn diese in den Bereich des Vereinsgeländes schwimmen.

Günter Bosch sammelte mit Tochter Anna (9) und ihrer Freundin Mandy (11) bei der Herbstputzaktion am Königshütte-See jede Menge Müll. FOTO: Prümen

Während sich die Gruppe der SSC-Helfer auf die Seereise begibt, rattert Bernd Lehmann am anderen Ende mit seinem Traktor samt Anhänger los, um die ersten vollen Müllsäcke einzusammeln und sie an die Stelle zu bringen, wo sie die Mitarbeiter des städtischen Bauhofs abholen werden. "Georg Lüdecke hatte mich gefragt, ob ich mitmachen würde. Ich habe sofort ja gesagt", erzählt Lehmann.

Lüdecke zeichnet derweil mit einem Stock einen Plan des Gebietes in den Sand, um die Mitstreiter optimal zu verteilen. "Die Topographie ist hier etwas kompliziert", sagt er, während er dem Helfer Kristian Lütz erklärt, wo sein Einsatzgebiet ist. Am Ende sind es rund 50 Müllsäcke und einige größere Teile wie Kartons und Fahrräder, die bei der Sammelaktion zusammen kommen. Eine erschreckende Bilanz, die zeigt, dass für die Zukunft Handlungsbedarf besteht, um das Gebiet vor ungebetenen Gästen zu sichern.

Georg Lüdecke (in der Hocke) teilte die Freiwilligen Helfer in kleine Trupps ein. Anschließend ging's los, um das Gelände von allerlei Müll befreiten. FOTO: Prümen Norbert
Quelle: RP
 
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