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Stadt Kempen
Fünf junge Berliner erzählen musikalisch aus dem Alltag

Stadt Kempen. Trompeter Fritz Moshammer und sein FritzMosQNT: Die junge Jazz-Band aus Berlin gab in Kempen ihre Visitenkarte ab. Von Mojo Mendiola

Bedenkt man, dass sich die "Haltestelle" längst einen Ruf für interessante Jazz-Konzerte erworben hat und solche auch nicht gerade inflationär häufig veranstalten kann, dann war es schon ein bisschen enttäuschend, wie wenig Publikum sich am Samstag zum Gastspiel des Fritz Moshammer Quintetts aus Berlin eingefunden hatte.

Die ersten Takte irritierten mit zwei scheinbar gegenläufigen Rhythmen von Schlagzeug und Piano, doch schnell wurde der Hörer eingefangen und davongetragen vom warmen, satten Sound eines zweistimmigen Bläsersatzes, der deutliche Assoziationen an den Westcoast-Jazz längst vergangener Jahrzehnte weckte und eine erste Plattform bot für eines der flüssigen und technisch geschliffenen Trompeten-Soli des Bandleaders Fritz Moshammer. Die klassische Schule hat seinem Spiel nicht geschadet, 2011 sattelte er allerdings ganz auf den Jazz um. "Quito" hieß das Stück und bewahrte die Erinnerungen des Musikers an eine Südamerika-Reise auf. Dass die Menschen heute oftmals nicht mehr wirklich da sind, wo sie tatsächlich sind, sondern auf ihren Smartphones so gebannt auf virtuelle Welten starren, dass sie ihre reale Umwelt nicht mehr wahrnehmen, das nahm sich der Titel "Standby" auf's Korn. Und das Befremdliche an diesem Verhalten kam in gewagten Strichen von Kontrabassist Thomas Kolarczyk zum Ausdruck. Der hatte seine musikalische Laufbahn ursprünglich auf der Gitarre begonnen, ist inzwischen aber ein mehrfach ausgezeichneter und gefragter Mann am akustischen Tieftöner. An ein Computerspiel, in der dem Satz "Die Kornspeicher sind voll" vorkommt, fühlte sich Moshammer erinnert, als er sich selbst beim Einkauf von Lebensmitteln ertappte, die er noch reichlich zuhause hatte. Nils Wrasse am Saxophon war derjenige, der außer dem Chef am besten zum Zuge kam. Er erfreute mit einem gepflegten, auch von Blues und Soul beleckten Ton, der die Trompete gut ergänzte. Wenig Profilierungsmöglichkeiten hatte Felix Römer am Piano, was schade war. Manchmal ging er schon rein akustisch unter. Das konnte Drummer Pierre Castel nicht passieren. Weil er in seinem häufig recht perkussiven Spiel die Snare-Kette öfters still legte, war ihm kein Vorwurf zu machen, er drehe zu sehr auf. Seine rhythmischen Eigenwilligkeiten passten allerdings nicht immer optimal in den Stil dieser Gruppe. Am repräsentativsten für die Band war der Titel "Ruhe vor dem Sturm". Dass sie aber auch mal fetzten konnten wie junge Kerls, bewiesen sie in "Roma".

Quelle: RP
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