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Gemeinde Grefrath
Hier wird der Traum vom Fliegen wahr

Gemeinde Grefrath. Zwei Vereine betreiben den Flugplatz Niershorst. Nachwuchssorgen kennen sie nicht: Fluglehrer bringen Jugendlichen ehrenamtlich Segel- und Motorflug bei. Wer möchte, kann auch einen Tandemsprung mit dem Fallschirm machen. Von Heiner Deckers

Der Flughafen Niershorst wurde im Sommer 1959 feierlich eröffnet, seitdem herrscht vor den Toren Grefraths reges fliegerisches Treiben. Zwei Vereine zeichnen verantwortlich für den Erfolg: der Luftsportverein Grenzland und die Motorfluggruppe Grenzland. Während viele Sportvereine über Nachwuchsmangel klagen, boomt die jugendgruppe des Luftsportvereins geradezu. "Wir hatten sogar zeitweise einen Mitgliederstopp", sagt Vorsitzender Heiko Meertz.

70 Jugendliche ab 13 Jahren sind es zurzeit, die ihren Traum vom Fliegen wahr machen möchten. 20 ehrenamtliche Fluglehrer bilden den Nachwuchs aus, in Theorie und Praxis. "Sie bringen so richtig Leben auf den Flugplatz", berichtet Meertz, "sie verbringen dort sogar ganze Wochenenden." Manche Eltern müssen sich sicher erst einmal an den Gedanken gewöhnen, dass ihr Kind allein in einem Segelflugzeug sitzt, obwohl es gerade einmal 14 Jahre alt ist. Mit 14 darf man nämlich, und besonders der erste Alleinflug ist ein unvergessliches Erlebnis (natürlich auch für Erwachsene). Bis es soweit ist, haben die Flieger 50 bis 80 begleitete Starts und Landungen hinter sich. Beim letzten Mal ist ein anderer Fluglehrer an Bord, um zu testen, ob der Flugschüler wirklich reif ist: "Wir verfahren hier nach dem Vier-Augen-Prinzip", sagt Meertz. Bei den ersten drei Alleinstarts gibt es noch eine Funkverbindung zwischen Pilot und Lehrer, dann werden die letzten Leinen gekappt. Beim Motorflug verfährt man nach demselben Prinzip. Das Mindestalter liegt hier bei 16 Jahren, der erste Alleinflug steht nach 15 bis 20 Flugstunden an. Beherrscht man den Segelflug, fällt der Einstieg in den Motorflug wesentlich leichter. Die Fliegerei sei keineswegs ein elitäres Hobby, betont Meertz. Die Kosten seien durchaus mit denen anderer Sportarten wie Tennis vergleichbar: "Was man natürlich investieren muss, ist viel Zeit."

Die Segelflugsaison beginnt am Samstag, 19. März, und dauert bis zum 23. Oktober. Bis zu 700 Kilometern kann man durch die Lüfte schweben, bis zu drei Kilometern hoch. Darüber beginnt der so genannte kontrollierte Luftraum, in dem man sich anmelden und auf die Anweisungen der große Flughäfen halten muss. Der Segelflieger orientiert sich rein auf die Sicht, es sind keine Navigationsinstrumente an Bord - außer vielleicht ein Handy mit einer Navi-App.

Der Flugplatz Niershorst ist als Verkehrslandeplatz klassifiziert und untersteht damit der Bezirksregierung. Er muss für alle Landungen offen sein, beispielsweise für Cessnas oder Polizeihubschrauber. Gäbe es diese Klassifizierung nicht, wäre, so Meertz, der Luftraum um Grefrather mit Sicherheit sehr begehrt und der Fluglärm von Maschinen nach und von Düsseldorf ungleich größer.

Obwohl der Flugplatz der Bezirksregierung untersteht, gibt es keinen Cent Zuschuss aus Düsseldorf. Die beiden Vereine machen alles ehrenamtlich. Die notwendigen Mittel resultieren aus den Landegebühren und der Vermietung von Hangarplätzen. Hier und da landet eine Spende auf dem Konto. Außerdem ist man bei Veranstaltungen wie dem Grefrather Familienfest präsent, um auf sich aufmerksam zu machen.

Kommerzielle Flugschulen sind auf Niershorst genauso präsent wie Fallschirmspringer, die den Besuchern Tandemsprünge anbieten. Die Fallschirm-Schule Grefrath ihren Hauptsitz in Stadtlohn und arbeitet nach Angaben von Meertz "professionell und sicher." Die potenziellen Springer kommen teilweise aus Emmerich oder Dortmund. Gesprungen wird aus einer Höhe von 4000 Metern, alle Altersgruppen sind vertreten. Als das Tandemspringen zeitweise nicht im Angebot war, gab es Anrufe von Grefrather Bürgern: Man solle das doch bitte wieder anbieten, das sei immer so ein schöner Anblick. Den genießen viele auch auf dem Flugplatz selber: An sonnigen Wochenenden hat man schon bis zu 2000 Besucher gezählt.

Quelle: RP
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