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Stadt Kempen
Milben machen Bienen zu schaffen

Stadt Kempen: Milben machen Bienen zu schaffen
Imker Hermann Diedrich wiegt seine Bienenstöcke mit einer Kofferwaage. Dabei prüft er, ob die Bienen genug Nahrung haben oder ob er zufüttern muss. FOTO: Wolfgang Kaiser
Stadt Kempen. Die milden Wintertemperaturen bereiten den Bienenzüchtern Probleme. Der Vorsitzende des Kreisimkerverbandes, Hermann Diedrich, aus Kempen spricht von einem erhöhten Milbendruck. Von Bianca Treffer

Wenn Hermann Diedrich in diesen Tagen zur Kofferwaage greift, so liegt dies nicht daran, dass er verreisen möchte und sein Gepäck wiegen will. Vielmehr sind sein Ziel die Bienenstöcke im Garten. "Ich wiege die Stöcke, um zu prüfen, ob noch genügend Nahrung vorhanden ist", erklärt Diedrich, während er den ersten Stock vorsichtig an einer Seite anhebt und die Waage in den Einsatz bringt. Das Gewicht zeigt ihm, ob der Futtervorrat der Bienen im Stock noch ausreichend ist oder ob er zufüttern muss.

Die ganze Aktion ist dabei für diese Jahreszeit absolut untypisch, denn normalerweise wäre ein solches Vorgehen nicht nötig. Was im Stock ist, reicht über den Winter. Doch die für den Winter viel zu warmen Temperaturen aktivieren die Bienen und stellen die Imker vor Probleme. Statt Temperaturen im einstelligen Bereich, nahe dem Gefrierpunkt, haben sie sich zuletzt wochenlang im zweistelligen Bereich bewegt. "Wir müssen wegen der aktiven Bienen nicht nur zufüttern, sondern können auch nicht die Winterbehandlung durchführen", berichtet der Kempener, der Vorsitzender des Kreisimkerverbandes Krefeld-Viersen ist.

Die Behandlung richtet sich gegen die Varroamilbe. Normalerweise gibt es jedes Jahr jeweils im Sommer und im Winter eine Behandlung gegen die gefürchtete Milbe. Nach der letzten Schleuderung erfolgt im Sommer eine Behandlung und während der brutfreien Phase im Winter eine weitere. Sie ist dabei der wirkungsvollste Methode, die Milbenplage einzudämmen. Eine vernünftig vorgenommene "Restentmilbung" schafft in der Regel eine Eliminierung von rund 97 Prozent. Sie wird drei Wochen nach einem entsprechenden Kälteeinbruch, wenn die Temperaturen für mehrere Tage nachts um die Null Grad liegen, vorgenommen.

Im Winter, wenn die Temperaturen entsprechend niedrig sind, beendet die Königin ihre Eiablage. Das Bienenvolk bildet dann die so genannte Winterkugel. Durch Kontraktion des Brustmuskels der Bienen erwärmt sich dieser und gibt die Wärme ab. Auf diese Weise können die Bienen eine Kerntemperatur von zwölf bis 15 Grad aufrecht erhalten, unabhängig von der Außentemperatur.

Diese Arbeit verlangt von den Bienen im Außenbereich die größte Anstrengung, sie verbrennen dabei die meiste Energie. Ist ihr Honigmagen leer, suchen sie das Innere der Kugel auf, um sich dort mit Nahrung zu versorgen. Die nächsten Bienen übernehmen den Platz an der äußersten Schicht. Dieser Kreislauf setzt sich über den ganzen Winter fort. Die Bienen brauchen dabei weniger Futter als in den Sommermonaten, wenn sie ausfliegen. Für sie stellt der Winter eine Ruhephase dar. Genau in dieser Phase gehen die Imker gegen die Varroamilbe mit einer verdünnten organischen Säure vor. "Es handelt sich um eine 3,5 prozentige Oxalsäure", erklärt Diedrich. Diese wirkt auf die Milben, die auf den erwachsenen Bienen sitzen. Nicht wirksam ist dieser Vorgang in der verdeckelten Brut.

Das Problem ist nun, dass diese Phase aufgrund der warmen Temperaturen bislang nicht eingetreten ist. Die Kugel hat sich nicht gebildet, die Bienen fliegen noch und es kann nicht entsprechend behandelt werden. Die Bienen sind zudem aufgrund des relativ warmen Wetters bereits mit der Brut beschäftigt. Das heißt, die Milben, die auf den Bienen sitzen, können ihre Eier in die Brut einbringen. Die Brut wird wiederum durch die Milben geschwächt und es kann zudem zu Missbildungen der Junginsekten kommen.

Die Folgen werden im Laufe dieses Jahres in den Bienenvölkern feststellbar sein. Diedrich spricht von einem erhöhten Milbendruck in den Völkern, den die Imker abbauen müssen. "Wir müssen die Bienen gesund und satt halten", betont er. Eine Aufgabe, die derzeit - insbesondere auf die Bienengesundheit bezogen - nahezu unmöglich ist.

Quelle: RP
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