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Stadt Kempen
Schüler lernen ohne Papier

Stadt Kempen: Schüler lernen ohne Papier
Starten mit einem Experiment: Marco Nagels (Mitte) und Sebastian Franz (rechts) wollen am Thomaeum ein Schuljahr lang papierlos lernen. Begleitet werden sie von ihrem Lehrer Dr. Dirk Brinkmann. FOTO: Kaiser, Wolfgang (wka)
Stadt Kempen. Die beiden Elftklässler Sebastian Franz und Marco Nagels vom Kempener Thomaeum starten im neuen Schuljahr ein Experiment: Sie wollen komplett digital arbeiten. Unterstützt werden sie dabei von Physiklehrer Dr. Dirk Brinkmann. Von Andreas Reiners

I m Zeitalter von Multimedia ist es für viele nichts Ungewöhnliches, im Internet an Informationen zu gelangen, E-Mails zu senden und zu empfangen. Bei Unternehmen geht der Trend seit einigen Jahren bereits zum "papierlosen Büro". Das Smartphone und der Tablet-PC zählen auch in vielen Privathaushalten neben dem herkömmlichen Computer sozusagen zur medialen Standardausrüstung. Vor allem Jugendliche sind heutzutage multimedial unterwegs. Dass sie aber den Unterricht in der Schule sowie ihre Hausaufgaben komplett papierlos abwickeln, ist dagegen neu.

Doch gerade das versuchen seit gestern zwei 16 Jahre alte Schüler des Gymnasiums Thomaeum in Kempen. Sie wollen ein Jahr in der Schule komplett auf Papier verzichten. Stattdessen setzen sie auf Angebote eines namhaften IT-Anbieters. Die beiden Gymnasiasten wollen mit drei Programmen von Microsoft dem Unterricht besser folgen und sich mit ihren Aufzeichnungen anschließend auch auf Prüfungen und Klausuren vorzubereiten. Unterstützt werden die Schüler von ihrem Physik- und Chemielehrer Dr. Dirk Brinkmann. Der hat als einer der IT-Experten am Thomaeum bereits mehrere Projekte begleitet.

"Zuletzt habe ich jeden Tag zwei Kilo Ordner mit jeder Menge Papier mit mir rumgeschleppt", sagt Sebastian Franz, der mit seinem Mitschüler Marco Nagels die Idee für das Experiment hatte. "Dabei wird viel von dem Papier anschließend einfach weggeschmissen, weil es nicht zur Klausurvorbereitung taugt", sagt er. Das wollen die beiden Schüler in diesem Schuljahr ändern.

Das so genannte Surface kennen die Gymnasiasten aus ihrem Freundeskreis. Beide schätzen das Tablet als "ausgereiftes und leistungsfähiges Gerät, das im Unterricht mithalten kann". Mit Office hatten sie bisher nicht viel zu tun, aber Marco kennt sich mit der Notizbuchsoftware "OneNote" aus, die in ihren Planungen für das kommende Schuljahr eine zentrale Rolle spielen wird - schließlich lassen sich Notizen und Dokumente problemlos über alle Geräte teilen und bearbeiten.

"Wir werden in ,OneNote' für jedes Fach ein eigenes Notizbuch anlegen", berichtet Sebastian. "Tafelbilder und Arbeitsblätter fotografieren wir mit ,Office Lens' ab und speichern sie direkt in ,OneNote'." Auch ihre täglichen Unterrichtsnotizen werden sie mit dem Programm erfassen. Ob sie dafür den Surface Pen oder die Tastatur verwenden, ist noch nicht ausgemacht; das werden sie getreu dem Experiment einem Praxistest unterziehen. "Das Gute daran ist, dass wir uns im Unterricht nicht die ganze Zeit Gedanken über die Technik machen müssen. Die funktioniert einfach", meint Sebastian. "Wir können uns vielmehr ganz auf den Stoff konzentrieren."

In Dirk Brinkmann, Lehrer für Physik und Chemie und nach Auskunft der Schüler der heimliche IT-Chef der Schule, haben sie einen kompetenten Begleiter für ihr Projekt gefunden. Er hilft den beiden bei allen Fachfragen sowie dabei, ihren ungewöhnlichen Plan auch mit der Schulleitung und anderen Lehrern zu besprechen. Denn selbstverständlich ist das nicht, was beide vorhaben. "Es gibt bestimmt Lehrer, die weniger technikfreundlich sind und befürchten, dass wir mit unserem Vorhaben ihren Unterricht untergraben", sagt Sebastian. "Aber mit unserem Projekt wollen wir versuchen, auch sie zu überzeugen." Denn IT-Kenntnisse, davon ist der Gymnasiast überzeugt, sind wichtig - für die Schule, aber auch fürs Studium und das spätere Berufsleben, "weil man heute und vor allem in Zukunft an sehr vielen Stellen mit dem Computer und mobilen Geräten arbeitet".

Aber so weit in die Zukunft mag der Elftklässler noch gar nicht schauen. Erst einmal erhofft er sich mit seinem Mitschüler Vorteile von dem Projekt für seinen Schulalltag: "Wir denken, dass wir besser lernen, weil wir damit mehr Struktur in den Stoff bringen können, als das auf Papier möglich ist. Das wird uns dabei helfen, genauer zu unterteilen und zu sortieren, was für Klausuren und Prüfungen wirklich wichtig ist, und was nicht."

Digitale Souveränität lernt man nicht theoretisch; nur mit der Praxis kommt man weiter. Direkt aus dieser täglichen Praxis werden Sebastian und Marco an dieser Stelle unter dem Hashtag #PapierlosLernen berichten. Über das gesamte Schuljahr 2015/16 wollen sie auch andere Interessierte an ihrem papierlosen Experiment teilhaben lassen.

Quelle: RP
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