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Kevelaer
Ezidische Jahresfeier mit viel Lebensfreude

Kevelaer. Das vergangene Jahr im Besonderen war furchtbar für die Glaubensgemeinschaft der Eziden. Dabei kommt das Wort "Eziden", welches oft auch als "Yeziden" oder "Jeziden" geschrieben wird, von "Ezda", was wortwörtlich übersetzt "der, der mich schuf" bedeutet. Und als eine der ältesten Monotheisten Glaubensrichtungen stehen die Eziden gerade im Irak im Fokus der Extremisten. So wurden bereits hunderte Eziden ermordet, und eine Besserung der Lage ist bislang noch nicht abzusehen. Von Christoph Kellerbach

"Aber trotz unserer Trauer feiern wir heute unser Neujahrsfest. Dabei gedenken wir den zahlreichen Opfern, aber versuchen auch diesen Tag glücklich zu gestalten", erklärte Revse Akyel vom Jugendkomitee der Ezidischen Kulturgemeinde Emmerich & Kreis Kleve am im Bühnenhaus. Dort wurde nämlich mit mehr als 250 Besuchern einmal mehr auf ein neues Jahr angestoßen.

Das Programm, das von 18 bis 22 Uhr verlief, "weil morgen für uns ansonsten ein ganz normaler Tag ist", so Akyel, hatte dabei etliche Programmpunkte. Neben einem Auftritt der stimmungsgeladenen Gruppe "Koma Heval" sowie Einlagen von "Rojhat" und "Ismet Coban" führte auch noch eine Kindergruppe kurdische Gebete und Tänze auf.

Dabei ist das Beste gewesen, dass es eben in der Marienstadt keinen Fremdenhass, keine Probleme, ja, noch nicht einmal Störungen irgendwelcher Art gab. Die gut gelaunten Feiernden trugen dabei Wunschbändchen, die von Hand geschnürt und geflochten waren, "damit unsere Wünsche und Hoffnungen für das nächste Jahr hoffentlich eintreten", sagte Revse Akyel. Aber trotz all der guten Laune hing natürlich immer noch ein düsterer Schatten über den Festlichkeiten und in einer Trauerminute wurde an all die Verluste der letzten Zeit gedacht.

Dabei engagiert sich "Ciwanen mala ezidiya Emmerich", also das Jugendkomitee Emmerich auch kräftig für Spenden und Hilfslieferungen. Auf Facebook findet man weitere Kontakte, wohin man Kochutensilien und Spenden schicken kann, um den verfolgten Eziden zu helfen. "Und wir sind sehr dankbar für die Unterstützung, die wir bis jetzt schon bekommen haben", so Revse Akyel. "Auch wenn leider bislang keine unserer Hilfslieferungen es über die irakische Grenze geschafft hat."

Trotz all der Schrecken der jüngsten Zeit soll der Tag im Bühnenhaus allerdings "uns auch mal wieder auf andere Art und Weise und eben nicht nur durch Trauer zusammenführen", so Akyel. Und das hat auch geklappt. Gut gelaunt und mit flotter Musik war das muntere Miteinander ein positives Leuchtfeuer in diesen düsteren Zeiten für die Eziden.

Quelle: RP
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