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Interview Dr. Dominik Pichler
Kevelaers Zukunft genau im Blick

Interview Dr. Dominik Pichler: Kevelaers Zukunft genau im Blick
Hört sich jede Frage genau an: Kevelaers Bürgermeister Dominik Pichler beim RP-Interview. Der oberste Kevelaerer macht nach einem Jahr Amtszeit einen recht zufriedenen Eindruck. FOTO: SEYBert
Kevelaer. Bilanz nach einem Jahr im neuen Amt als Bürgermeister: Warum er als Erster im Rathaus austauschbar ist. Warum es für den Steuerzahler günstig wird, wenn es mit der Wiederwahl nicht klappt. Und warum er die Opposition (noch) lobt.

Ist der erfolgreiche Strafverteidiger Dominik Pichler ein anderer Mensch gewesen als der aktuelle Bürgermeister Dominik Pichler?

Dr. Dominik Pichler Da müssten Sie schon meine Frau fragen. Aber im Ernst: Es wird Personen geben, die das eine oder das andere behaupten. Ich selbst glaube aber schon, dass ich mir vom Grundsatz her treu geblieben bin.

Argumentiert klar und nachvollziehbar: Dominik Pichler. FOTO: Seybert Gerhard

Glückwunsch zu der Tatsache, dass Sie als Bürgermeister der SPD nicht die stärkste Fraktion im Rücken haben, aber in Kevelaer trotzdem kein Stillstand zu verzeichnen ist.

Pichler Ich habe das Glück, dass mich die Politik von Anfang an hat arbeiten lassen, dass wir viele Entscheidungen mit klaren Mehrheiten gemeinsam finden konnten. Beispielsweise agiert die CDU als stärkste Fraktion nicht wie eine Fundamental-Opposition. Das hilft natürlich. So hat die Politik mit großer Mehrheit zum Thema Umgestaltung der Hauptstraße trotz des engen Zeitkorridors eine kurzfristige Umsetzung beschlossen, anstatt das Thema vor einer Entscheidung noch einmal zu schieben.

Heimspiel im Büro am Plümpe-Platz. FOTO: Seybert Gerhard

Hört sich nach eitel Sonnenschein an.

Pichler Mir ist sehr wohl klar, dass sich das spätestens dann ändern wird, wenn die CDU 2019 oder 2020 einen eigenen Bürgermeisterkandidaten aufstellt. Außerdem ist es ja nicht so, dass ich mich bisher überall locker durchsetzen konnte. Die Senkung der Kindergarten-Geschwister-Beiträge, die ich für sehr sinnvoll halte, ist zum Beispiel abgelehnt worden.

Ist es als echter Kevelaerer eigentlich einfacher im Rathaus? Wird man eher akzeptiert?

Pichler Ich bin schon mit offenen Armen empfangen worden. Ich weiß aber auch, dass meine offene Art nicht jedem gefällt. Außerdem finde ich es wichtig, wenn ich mal ein paar Jahre wegen Studium und Referendariat der Heimat den Rücken gekehrt habe. Ich weiß jetzt noch mehr zu schätzen, wie schön es hier ist, wo wir wohnen.

Wer hier so schön in Kevelaer als Bürgermeister wohnt, muss aber in schwierigen Zeiten auch einen Haushalt einbringen.

Pichler Wobei die finanzielle Lage von Jahr zu Jahr nicht einfacher wird. Trotzdem schlägt die Verwaltung für den neuen Etat keine Erhöhung der Grund- und Gewerbesteuer vor, weil sich das negativ auf unsere Stadt auswirken würde. Vielmehr wäre es schön, wenn beispielsweise der LVR endlich das uns zustehende Geld für die Unterbringung unbegleiteter minderjähriger Ausländer überweisen würde. Da fehlt für das laufende Jahr eine Summe von knapp einer Million Euro. Und die vom Bund in Aussicht gestellten 1,3 Milliarden Euro für die Integration von Flüchtlingen sollten lieber an die Kommunen direkt als an das Land ausgezahlt werden. Auch das würde helfen.

Neben großen Projekten wie dem Mehrzweckbecken und der Umgestaltung der Innenstadt ist nach wie vor die Hüls mit Gradierwerk und Pilgerpark das beherrschende Thema.

Pichler Wir haben in Kevelaer die Sole - und sollten sie nutzen. Wir dürfen nicht alles in Formalin legen. Wir sollten keine Angst vor Veränderungen haben. Zumal unsere Stadt nicht allein für die Generation 70 plus steht. Investitionen sind angebracht. Ein Hotel auf der Hüls in Kombination mit der Sole, dem Park, Ärztehaus und Kneipp-Einrichtungen wird der Stadt guttun.

Zumal die Anzahl der Pilger schon länger rückläufig ist.

Pichler Wir sind jedenfalls ein ganzes Stück entfernt von der gelegentlich genannten Zahl von einer Million.

Erstaunlich, zumal Sie bekennender Katholik sind. Hilft das bei Ihrer Arbeit als Bürgermeister - gerade in Kevelaer?

Pichler Das weiß ich nicht. Ich habe schon lange einen guten Draht zu St. Marien, bin mit meiner Frau Mitglied im Familienchor der Basilikamusik, zwei meiner Kinder sind Messdiener. In Kevelaer müssen Stadt und Kirche Hand in Hand gehen. Alles andere wäre Unsinn.

Vielleicht waren es ja die entscheidenden Stimmen von bekennenden Katholiken bei der Bürgermeisterwahl, die dem SPD-Mann Pichler den hauchdünnen Sieg von 80 Stimmen vor Axel Stibi gebracht haben.

Pichler Da habe ich echt noch nicht drüber nachgedacht. Auch Axel Stibi ist bekennender Katholik.

Fühlen Sie sich als Bürgermeister eigentlich mächtig?

Pichler Ich bin zwar der Bürgermeister, aber doch nicht der Sonnenkönig Ludwig XIV.. Die wesentlichen Entscheidungen trifft der Rat, und die Verwaltung hat das dann umzusetzen. Ich bin gewählter Hauptverwaltungsbeamter, der am ehesten von allen im Rathaus austauschbar ist. Die übrigen Kollegen im Kevelaerer Rathaus haben alle ihren Job gelernt. Mein juristischer Hintergrund ist allerdings sicher kein Nachteil.

Was passiert, wenn es in vier Jahren mit der Wiederwahl nicht klappt?

Pichler Dann wird das für den Steuerzahler günstig, weil ich dann 44 Jahre und sieben Monate alt bin - Ansprüche auf Altersbezüge hat man laut Gesetz aber erst ab 45 Jahren.

Sie müssten aber nicht hungern?

Pichler Nein, dann würde ich wieder als Strafverteidiger arbeiten. In vier Jahren würde ich dann wieder das machen, was ich in den zehn Jahren vor meiner Wahl auch durchaus erfolgreich gemacht habe.

REDAKTIONSLEITER LUTZ KÜPPERS FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
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