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Kevelaer
Lücken in Kevelaers Klangkörper

Kevelaer. Die Seifert-Orgel in der Marienbasilika wird zurzeit restauriert. Dank Orgelpaten und Spenden wurden neue Register eingebaut. Mit dem Beginn der Wallfahrt am 1. Mai soll das Instrument wieder voll tönen.

Sie sieht ein bisschen aus wie ein zahnloser Riese - obwohl dieser Vergleich natürlich sehr despektierlich ist. Aber die altehrwürdige Seifert-Orgel in der Marienbasilika hat zurzeit ein paar ziemlich große Lücken - das kann man sehen - und wer ein gutes musikalisches Ohr hat, der kann das auch hören. Das feine Musikinstrument wird restauriert, besser: Ein ganzer Schwung Orgelpfeifen ist ausgebaut und bekommt neue Membranen, kleine neue Lederbälgchen. Und weil die Pfeifen dafür sowieso ausgebaut werden müssen, werden sie auch gleich mitgereinigt. Das ist alle 15 bis 20 Jahre ohnehin fällig.

Basilikaorganist Elmar Lehnen ist in diesen Tagen beides: himmelhochjauchzend und doch auch betrübt. Denn, ganz klar, eine Seifert-Orgel ohne Hauptwerk, ohne 2000 "tragende" Pfeifen, das ist nur ein halbes Orchester. "Die Klangfülle ist eingeschränkt, das musikalische Fundament fehlt - das ist schon eine immense Einschränkung im Konzert." Da kommt es auf das Geschick, die Kreativität und die Kunst des Organisten an, eben die anderen Talente aus der Orgel herauszuholen. Was durchaus gelingt, und eine schöne Übung für den Zuhörer ist, doch mal herauszufinden, was jetzt anders klingt.

Richtig froh macht Elmar Lehnen dann aber doch, dass zu Beginn der Wallfahrtszeit am 1. Mai das alte Schätzchen wieder alles geben kann. Und dank der Orgelpaten und wohlwollender Spenden konnten wieder neue Register eingebaut werden. Als Lehnen 2003 seinen Dienst an St. Marien und der Seifert-Orgel antrat, hat er sich vorgenommen, bis zu seiner Pensionierung die Orgel wieder in ihren herkömmlichen Zustand erklingen zu lassen - also alle mit der Zeit verloren gegangenen Pfeifen und Register wieder zu ersetzen. Orgelführungen, Benefizkonzerte, Spendenaktionen sollen dabei helfen.

Und wenn nun am 1. Mai wieder Luft durch die Pfeifen zieht und die Basilika bebt und jauchzt unter dem neu aufbrausenden Klangmantel, dann werden Besucher zum ersten Mal nach langer Zeit auch Gambe 16' hören können - das Register ist jetzt komplett wieder eingebaut. An den Übersichtstafeln in der Basilika wird der Erfolg Kreuzchen für Kreuzchen sichtbar - immer, wenn ein Register oder ein Teil finanziert werden kann und eingebaut ist, wird die Liste der weißen Felder abgehakt. So kann jeder sehen, wie komplett die Orgel langam, aber sicher wieder wird...

Das große Passionskonzert am heutigen Samstag wird nicht in der Basilika erklingen, sondern ab 20 Uhr in der Beichtkapelle nebenan. Der Spendenerlös, wie könnte es anders sein, fließt in die Restaurierungsarbeiten für die Seifert-Orgel. Das "Junge Tonkünstler Orchester", unterstützt von der "Junge Musiker Stiftung", kommt wieder einmal in die Marienstadt. Und zwar ,it einem besonderen Konzert: "Das Leiden unseres Herrn Jesu Christi", Texte aus Worten der heiligen Schrift und geistliche Lieder.

Mitwirkende sind Reneé Morloc (Alt), Stefan Stoll (Bariton), Volker Niederfahrenhorst (Sprecher) und Elmar Lehnen (Orgel/Cembalo). Die Einstudierung übernahm Gijs Burger. Ferner singt der Kammerchor der Petrikirche Mülheim an der Ruhr unter Dirigent Manfred Jung, und es spielt das Kammerensemble des Jungen Tonkünstler Orchesters.

Quelle: RP
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