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Kevelaer
Verbotene Böller über Grenze verkauft

Kevelaer: Verbotene Böller über Grenze verkauft
Etwa in diesem Bereich sollen zwei der drei Bunker stehen, die als Lager für verbotenes Feuerwerk genutzt wurden. Hier sind einige Pferde-Betriebe, rechts sind Gatter für die Tiere, links die umfunktionierten Militärbauten. FOTO: Seybert
Kevelaer. Täter brachten illegale Feuerwerkskörper im großen Stil aus den Bunkern im Traberpark in die Niederlande. Die "Nachbarn" der Lagerstätten waren schon misstrauisch geworden. Einige Festnahmen noch Mittwochmorgen. Von S. Zehrfeld und J. Lörcks

Es war explosives Material, das da in drei ehemaligen Munitionsbunkern des Traberparks Den Heyberg lagerte und offenbar auch von dort aus weiterverkauft wurde. Tausende verbotene Böller von viel zu heftiger, gefährlicher Sprengkraft, Feuerwerks-Batterien, -Bomben und -Ketten: Rund 40 Tonnen illegaler Feuerwerkskörper stellte die Polizei in einer groß angelegten Aktion am Dienstag und Mittwoch sicher.

Die niederländische Polizei war den mutmaßlichen Tätern auf die Spur gekommen, die in den Niederlanden im großen Stil mit dem gefährlichen Material gehandelt haben sollen. Das übliche Prozedere dabei: Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft im Nachbarland trafen sich Verkäufer und Interessenten dazu in einer Gaststätte auf niederländischer Seite der Grenze. Von dort aus fuhr ein Täter mit einem Fahrzeug des Abnehmers zu den Bunkern im Traberpark, belud den Wagen mit der Ware und brachte ihn zurück zum Restaurant, wo der Käufer wartete.

Hunderte Bunker gibt's auf dem Areal, vermietet, bewohnt, leerstehend. FOTO: Seybert Gerhard

Die Polizeiaktion, die sich über Dienstag und Mittwoch entwickelte, lief in deutsch-niederländischer Zusammenarbeit ab: Deutsche Beamte durchsuchten und sicherten ab dem frühen Dienstagmorgen die Bunker im Traberpark. Zeitgleich durchsuchten die niederländischen Kollegen Wohnungen in Nieuwegin, Vianen, Arcen und Well, verhafteten drei Verdächtige und stellten in einem Lagerhaus in der Stadt Hei- en Boeicop weitere rund zweieinhalb Tonnen Feuerwerkskörper sicher. Die Polizei in Deutschland blieb unterdessen im Traberpark präsent und konnte am Mittwochmorgen weitere Festnamen tätigen: Die Beamten fingen Lieferanten mit Lkw ab, die offenbar weiteres Feuerwerk zu den Lagerstätten bringen wollten.

Diese lagen unweit der Trabrenn-Anlage mit Stallungen und Pferde-Trainingsstätten, die in den umgebauten Militärbunkern eingerichtet sind. "Da standen Lkw mit polnischen Kennzeichen. Die Lieferanten haben abgeladen, dann sind die Polizisten gekommen", schildert ein ansässiger Pferdewirt, der das Geschehen sowohl am Dienstag- als auch am Mittwochmorgen mitbekommen hat. Er hatte gerade seine Tiere versorgt, als die Beamten zugriffen. Seinen Namen will der Mann nicht in der Zeitung lesen: "Nicht, dass ich nachher fünf so Leute vor der Tür stehen habe", sagt er. "Ist doch bescheuert, dass solche Leute einen Bunker mieten können." Und der Gedanke an explosive Stoffe in den Bauten gefällt ihm gar nicht: "Die Dinger sind doch wie Handgranaten, die pusten einem den Kopf weg - das ist ja lebensgefährlich."

Auch eine Kollegin des Unternehmers ist alles andere als glücklich damit, dass solche Geschäfte in der Nachbarschaft stattfinden konnten. Das Wenige, was man von dem Treiben mitbekommen habe, sei tatsächlich nicht gerade vertrauenerweckend gewesen, berichtet sie: "Nachtaktiv" sei man da gewesen. "Ich will mit dem Volk nichts zu tun haben", sagt sie. "Ich meine, da sollten die Leute von der Verwaltung was gegen unternehmen."

In der Verwaltung des Traberparks hieß es gestern auf Anfrage, man wisse von nichts. Weder habe man vom Polizeieinsatz etwas mitbekommen noch von den illegalen Umtrieben zuvor.

Auf die Bunker auf dem riesigen, unübersichtlichen, gerade nachts nicht gerade sehr belebten Areal sind Kriminelle schon früher gestoßen. Im Jahr 2007 ließ die Polizei ein Drogenlabor auffliegen.

Die beschlagnahmten Feuerwerkskörper sollen in Deutschland vernichtet werden.

Quelle: RP
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