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Kreis Kleve
2016 vermutlich wieder mehr Arbeitslose

Kreis Kleve: 2016 vermutlich wieder mehr Arbeitslose
Barbara Ossyra ist mit der Situation am heimischen Arbeitsmarkt zufrieden, weil es viele Jobs gibt. Allerdings sorgt sie sich um die steigende Anzahl Langzeitarbeitsloser und um die Vermittlung von Asylsuchenden. FOTO: Friedel Evers
Kreis Kleve. Mit dem Jahr 2015 ist die Bundesanstalt für Arbeit zufrieden. Im Vergleich zum Vorjahr sind im Kreis weniger Menschen ohne Job. Wenn sich demnächst vermehrt Flüchtlinge arbeitslos melden, dürfte die Bilanz schlechter ausfallen. Von Anja Settnik

Die obligatorischen "saisonalen Schwankungen" haben auch in diesem zu Ende gegangenen Dezember die Zahl der Arbeitslosen leicht erhöht. "Ob der Winter sehr streng oder eher moderat ist wie derzeit, spielt dabei keine große Rolle", sagt Barbara Ossyra, Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit in Wesel. Da der Bezirk die Kreise Wesel und Kleve umfasst, stellte die Vorsitzende der Geschäftsführung, assistiert von Pressesprecherin Sabine Hanzen-Paprotta, die Zahlen sowohl in Wesel als auch in Kleve vor. Wie immer war die Beschäftigungssituation im Klever- und Gelderland etwas günstiger als im Kreis Wesel: 6,6 Prozent Arbeitslose im Kreis Kleve, 7,5 Prozent im Kreis Wesel. Anders als im Nachbarkreis sah die Lage im Kreis Kleve auch besser aus als 2014, als noch 6,7 Prozent zu verzeichnen waren.

Insgesamt stellen die Fachleute viel Bewegung auf dem Arbeitsmarkt fest. Im Jahresverlauf meldeten sich kreisweit 20.561 Menschen arbeitslos, knapp elf Prozent weniger als im Vorjahr. Abgemeldet haben sich im selben Zeitraum 20.742 Männer und Frauen - 2,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Arbeitgeber meldeten deutlich mehr freie Stellen an die Agentur - ein Plus von fast 16 Prozent gegenüber 2014. "Und anders, als viele Leute meinen, handelt es sich dabei ganz überwiegend um sozialversicherungspflichtige, nicht um Mini-Jobs", sagt Barbara Ossyra. Beste Chancen haben Jobsuchende im Gesundheits- und Sozialwesen, in Handel und Gastronomie, aber auch im Dienstleistungssektor und im verarbeitenden Gewerbe. Erfreulich: Immer weniger Jugendliche sind arbeitslos, diverse Qualifizierungsmaßnahmen greifen offenbar.

Hoffnungen setzt Ossyra auch in das neue Instrument "assistierte Ausbildung", das auch Mittelständler ermutigen soll, benachteiligten jungen Leuten eine Lehrstelle anzubieten. Leichter haben es aber fraglos Fachkräfte, die auf qualifizierte Abschlüsse verweisen können. Deshalb legt die Arbeitsagentur einen Schwerpunkt auf die Qualifizierung (junger) Jobsuchender. "Unsere Fortbildungen setzen darauf, dem Arbeitsmarkt die benötigten Fachkräfte zuzuführen. Mit einem Abschluss oder zumindest Teilabschluss haben Arbeitsuchende noch immer die besten Möglichkeiten", erklärt die Weseler Agenturchefin. Die Langzeitarbeitslosigkeit allerdings bereitet Fachleuten Sorge: 4840 Männer und Frauen waren im Kreis Kleve im Jahr 2015 länger als ein Jahr arbeitslos - 6,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Dieser Personenkreis wird allerdings durch die Jobcenter der Kommunen betreut.

"Höher als im Vorjahr liegt auch die Arbeitslosigkeit von Personen ohne deutschen Pass. 1941 Personen, 6,6 Prozent mehr als 2014, waren auf Jobsuche." Ossyra ist sicher, dass die Anzahl Arbeit suchender Migranten und Flüchtlinge 2016 weiter deutlich ansteigen wird. Denn sobald sie ihren Asylantrag gestellt haben (der aber noch nicht beschieden ist), wird sich ein Großteil beim Arbeitsamt melden. "Darauf reagieren wir zunächst mit der Vermittlung in Sprachkurse und Qualifizierungen, denn ohne Grundkenntnisse der deutschen Sprache dürfte die Integration am Arbeitsmarkt wie in der Gesellschaft überhaupt schwierig sein", sagt Ossyra. Gerade erst wurde ein "Integration Point" bei der Klever Arbeitsagentur eingerichtet, dessen Mitarbeiter sowohl vom Klever Büro aus wie auch in den Kommunen Anlaufstelle für arbeitswillige Flüchtlinge sein soll. "Da wird es nicht zuletzt darum gehen, festzustellen, was jemand an Qualifikation mitbringt. Dass jemand ,Student' oder Tischler in einem fernen Land war, heißt nämlich selten, dass er damit für eine Stelle in Deutschland hinreichend geschult ist", weiß Ossyra. Sie ermuntert Arbeitgeber, IHK und Handwerkskammern, intensiv mit der Arbeitsagentur zusammen zu arbeiten, damit die Integration schnellstmöglich - das heißt frühestens mittelfristig - gelingt.

Quelle: RP
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