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Kreis Kleve
Als alles noch überschaubar war

Kreis Kleve: Als alles noch überschaubar war
Dr. Christel Stibi-Bergmann und Gerd Engler berichten über die Geschichte der Caritas. FOTO: RP-Foto. Gerhard Seybert
Kreis Kleve. RP-Serie 50 Jahre Caritas: Die altgedienten Mitarbeiter Dr. Christel Stibi-Bergmann und Gerd Engler erinnern sich an ihre Anfangszeit. Zwiespältige Gefühle beim Jubiläum. Wunsch: Flexibilität für neue Herausforderungen behalten. Von Michael Klatt

Noch gut erinnert sich Dr. Christel Stibi-Bergmann daran, wann ihr Herz begann, für die Arbeit der Caritas zu schlagen. Es war Ende der 1950er Jahre, als der damaligen Studentin während der Zugfahrt von Geldern nach Köln eine ältere Dame begeistert von ihrer Tätigkeit in der Krankenbetreuung der Pfarrcaritas Geldern erzählte. Es dauerte nicht lange, da kümmerte die junge Geldernerin sich unter anderem um die Menschen im sozialen Brennpunkt "Kaserne". Als sie 1977 gefragt wurde, ob sie nicht den Vorsitz des damals seit zehn Jahren bestehenden Caritasverbandes Geldern-Kevelaer übernehmen wolle, sagte sie zu. Fast 30 Jahre lang, bis 2006, war Dr. Christel Stibi-Bergmann in diesem Amt aktiv.

Ähnlich gepackt von der Caritas-Arbeit wurde einst Gerd Engler. Ursprünglich wollte er auf Lehramt Germanistik und Geschichte studieren. Nachdem er beim Caritasverband Kleve seinen Zivildienst abgeleistet hatte, schwenkte er um auf Sozialarbeit. Seit dem 1. Januar 1980 arbeitet er für den Caritasverband Kleve, ist heute Leiter des Fachbereichs Soziale Hilfen/Existenzsicherung, worunter unter anderem die Schuldnerberatung und die Suchtberatung fallen. "Ich bin der dienstälteste Sozialarbeiter im Verband", sagt der 63-Jährige.

"Damals war alles noch relativ überschaubar." So beschreiben beide Caritas-Routiniers ihre Anfangszeit. "Jedes Bewerbungs- und Vorstellungsgespräch ist über den Vorstand gelaufen", berichtet Christel Stibi-Bergmann. Engler erzählt davon, wie er selber Wohlfahrtsmarken verkaufte. Das Wachstum beider Verbände erkläre sich aus sich verändernden Lebenssituationen der Menschen und der zunehmenden Professionalisierung heraus, erklärt Pressesprecher Tobias Kleinebrahm. So übernahmen die Caritasverbände von Ordensschwestern schrittweise die Krankenpflege. Auch die Trägerschaft in einigen Kindertagesstätten, etwa im Sprachheilkindergarten Pont, wurde ebenfalls von Kirchengemeinden übernommen. Dritte Säule war schließlich, die Fortführung der stationären Senioreneinrichtungen, die die Kirchengemeinden ab den 1990-er Jahren nicht mehr allein managen konnten.

Dass 1967 nur wenige Monate nach der Gründung des Caritasverbands Kleve der Verband in Geldern gebildet wurde, begründet Kleinebrahm so: "Die Verantwortlichen hielten es für sinnvoll, im damaligen Kreis Geldern näher an den Menschen zu sein." Bis heute gebe es zwischen beiden Verbänden eine gute Zusammenarbeit. "Das Miteinander war immer freundschaftlich", bestätigt Christel Stibi-Bergmann.

Auf das 50-jährige Bestehen der Caritasverbände blicken Engler und Stibi-Bergmann mit zwiespältigen Gefühlen. "Durch die notwendige Verwaltung und Dokumentation kann manches an liebevoller Hinwendung verloren gehen", findet die 82-Jährige. Es seien an den Caritasverband immer mehr Aufgaben übertragen worden, resümiert Engler. Für jeden Cent an öffentlichen Mitteln seien Nachweise zu führen, erklärt er den "Papierkram".

Während die, damals wie heute hochengagierten, Mitarbeiter früher von morgens bis abends Klientengespräche führen konnten, müsse heute ein "Teil x" für die Dokumentation abgezweigt werden. Wobei Kleinebrahm betont, dass weniger als vier Prozent der Mitarbeiter im Caritasverband Geldern-Kevelaer mit Verwaltungsaufgaben befasst seien. Wünsche zum runden Geburtstag des Caritasverbandes haben sowohl Christel Stibi-Bergmann als auch Engler. "Dass das Leitwort ,Ihr Wohlergehen ist unser Anliegen' auf allen Ebenen weiterhin wahrgenommen werden kann", ist das Anliegen der Geldernerin. Engler fände gut, wenn die Flexibilität auch in den nächsten 50 Jahren erhalten bliebe. "Wir müssen auf wandelnde Notsituationen schnell und pragmatisch reagieren." So, wie es zuletzt bei der Betreuung der Flüchtlinge gelungen sei. Als eine neue Herausforderung sieht er die zunehmende Kontaktaufnahme über die Sozialen Medien und die Ausweitung der Online-Beratung.

Quelle: RP
 
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