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Kleve
Brand in Asylbewerber-Unterkunft

Kleve: Brand in Asylbewerber-Unterkunft
Die Opfer des Brandes betreuten Mitarbeiter des Malteser Hilfsdienstes in einem eigens aufgebauten Zelt. FOTO: markus van Offern
Kleve. In einem städtischen Haus an der Stadionstraße, in dem etwa 100 Flüchtlinge wohnen, ist ein Feuer ausgebrochen. Drei Personen erlitten leichte Verletzungen. 50.000 Euro Schaden. Bisher keine Anzeichen für fremdenfeindlichen Anschlag. Von Dieter Dormann

Beißender Brandgeruch stieg einem gestern Mittag immer noch an der Stadionstraße/Ecke Lindenallee in die Nase. Rund 36 Stunden zuvor - in der Nacht von Freitag auf Samstag, kurz nach Mitternacht - hatte es in dem städtischen Gebäude, in dem etwa 100 Flüchtlinge untergebracht sind, einen Zimmerbrand gegeben. Spuren sind nicht nur zu riechen, sondern auch deutlich sichtbar. Die roten Backsteine über Fenstern im Erdgeschoss sind schwarz von Ruß - bis in den zweiten Stock hinauf. Vor die Fensteröffnungen, in denen die Scheiben durch die Hitze der Flammen zerborsten sind, sind Holzbretter montiert worden. Mitarbeiter einer Firma aus Kevelaer, die auf die Reinigung von Brandorten spezialisiert sind, entsorgen Löschwasser und den gröbsten Schmutz aus dem Inneren. Während dessen nutzen einige der Flüchtlinge schon wieder WC und Dusche - an der Tür auf der anderen Seite des Flures, der nur mit Not-Lampen beleuchtet werden kann, hängt ein schlichter Zettel in einer Plastikhülle: "Brandort ist beschlagnahmt" - Polizei NRW, Kreis Kleve. In das Zimmer, in dem der Brand ausbrach, dürfen bislang nur die Brandsachverständigen der Kripo. Sie müssen die Ursache des Feuers ermitteln. Noch hat die Polizei kein Ergebnis verkündet. Doch der Klever Stadtbrandinspektor Ralf Benkel, der bei dem Einsatz an der Stadionstraße dabei war, sagte am Samstag bereits: "Definitiv deutet nichts auf einen Anschlag hin. So etwas schließe ich aus."

Mit Drehleitern rettete die Feuerwehr Bewohner des Hauses aus oberen Stockwerken. FOTO: Markus van Offern

In der Nacht von Freitag auf Samstag konnte man davon noch nicht ausgehen. "Feuer in der der kommunalen Asylbewerberunterkunft in Kleve auf der Stadionstraße." Als dieser Notruf in der Nacht zum Samstag um 0.18 Uhr bei der Leitstelle der Klever Polizei eingeht, schrillen die Alarmglocken besonders laut. Immerhin wohnen in den Gebäuden der Stadt in der Klever Oberstadt seit einiger Zeit etwa 100 Asylbewerber. Damit droht zum einen die Gefahr, dass eine große Zahl an Personen gefährdet ist. Zudem liegt die Befürchtung nahe, dass es sich um einen Brandanschlag handeln könnte. Entsprechend umfangreich fällt die Alarmierung der Rettungskräfte. Für derartige Gefahrenlagen gibt es spezielle Einsatzpläne. Die Polizei ruft die Feuerwehr, die Rettungsdienste des Kreises, den Malteser-Hilfsdienst zu Hilfe und informiert das Ordnungsamt der Stadt, die Eigentümer des Gebäudes ist.

Drei Minuten nach dem Eingang des ersten Notrufes bei der Polizei ist die Feuerwehr der Stadt Kleve alarmiert. 31 freiwillige Brandbekämpfer der Löschzüge Kleve und Materborn rücken mit mehreren Fahrzeugen aus. Lodernde Flammen schlagen aus Fenstern eines Zimmers im Erdgeschoss, als die Feuerwehr an der Stadionstraße ankommt. Zudem bilden sich dichte, schwarze Rauchwolken, die aus dem Fenster ins Freie ziehen, aber sich auch im Inneren des Gebäudes ausbreiten. Es stehen bereits einige Personen - offenbar Bewohner des brennenden Hauses - auf der Straße. Sofort beginnen die Brandbekämpfer, das Feuer zu löschen. Zugleich dringen Männer der Wehr mit Atemschutz in die Asylbewerber-Unterkunft ein und evakuieren die Bewohner. Zehn Personen können die Retter aus dem Gebäude ins Freie führen. Sechs Menschen werden aus dem verqualmtem Haus über Drehleitern in Sicherheit gebracht. Drei Männer, die aus Angst vor dem Feuer aus einem Fenster im ersten Stock ins Freie gesprungen sind, haben Prellungen und andere leichte Verletzungen erlitten. Sie werden ambulant in einem Krankenhaus behandelt. Andere Gerettete versorgen Sanitäter in einem Zelt, das der Malteser-Hilfsdienst inzwischen an der Stadionstraße aufgebaut hat. Insgesamt registrieren die Hilfskräfte 24 Personen, die aus dem Haus Flammen und Rauch entkommen. "Die anderen waren wohl unterwegs - zum Glück", meint der Hausmeister des Gebäudes am Sonntag-Nachmittag.

Nach zwei Stunden ist der nächtliche Einsatz der Feuerwehr beendet. Der Brand ist gelöscht, das Gebäude gelüftet, die Schadstoffbelastung der Luft in dem Haus analysiert und von der Feuerwehr als für Menschen unbedenklich bewertet. Die Asylbewerber können wieder in ihre Zimmer. Nur der Raum im Erdgeschoss, in dem das Feuer ausbrach, wird versiegelt. Den Schaden beziffert die Polizei auf 50.000 Euro.

Einige kurze Momente der Aufregung gibt es noch mal am Sonntag. Als die Spezialisten aus Kevelaer das Innere des Gebäudes mit Wasserdampf reinigen und dieser durch die Fenster nach außen dringt, fürchten einige Anwohner wohl den Ausbruch eines erneuten Brandes. Sie alarmieren die Rettungsdienste. Rasch sind Feuerwehr, Polizei und auch Krankenwagen erneut vor Ort. Doch rasch ist klar - es war ein Fehlalarm. Der vermeintliche Rauch war nur Wasserdampf.

Quelle: RP
 
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