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Wirtschaftsförderung Kreis Kleve Und Rp Präsentieren Serie "bauen & Wohnen" (3)
Die Chancen neben Ballungsräumen

Kleve. Gerade kleine Kommunen müssen mit hohen Auspendlerquoten leben. Die Einwohner wohnen auf dem Dorf, fahren zur Arbeit aber ins Ruhrgebiet oder in die Region um Düsseldorf. So agieren Issum, Kerken, Rheurdt und Wachtendonk. Von Michael Klatt und Antje Seemann

kreis kleve Rheurdt belegt einen Spitzenplatz in Nordrhein-Westfalen. Mehr als 2800 seiner knapp 3400 Erwerbstätigen machen sich jeden Werktag auf den Weg zu ihren auswärtigen Arbeitsstellen. Das ergibt - Stand 2014 - eine Auspendlerquote von fast 84 Prozent. Keine Kommune im Land hat einen höheren Wert vorzuweisen.

Viele Auspendler bedeuten jedoch nicht, dass eine Ortschaft "tot" ist. Im Gegenteil: Wenn Bürgermeister Klaus Kleinenkuhnen auf die Jahre 2011 bis 2016 blickt, ist er mit der Entwicklung von Rheurdt nicht unzufrieden. "Wir hatten keinen Bevölkerungsrückgang, das war nicht überall so", resümiert der Rathaus-Chef. Die Einwohnerzahl stieg in den vergangenen fünf Jahren von 6500 auf 6750. Das bedeutet zugleich: Es muss mehr Platz her für mehr Rheurdter und Schaephuysener.

Neue Baugebiete entstanden in Rheurdt zum Beispiel am Heimeshof und am Vynmanshof, in Schaephuysen am Paschweg und im Alten Garten. Bei der Vermarktung der Grundstücke fährt die Gemeinde eine "dosierte" Strategie. Entwicklung mit Augenmaß, lautet die Devise. Berücksichtigt wird die demografische Entwicklung mit immer mehr älteren Menschen. Hier hat sich die Gemeinde mit der Wohnungsgenossenschaft Geldern (GWS) zusammengetan. So entstanden in Rheurdt am Meistersweg zwei Häuser mit jeweils 14 barrierefreien Wohnungen. Ein ähnlicher Neubau ist für 2017 in Schaephuysen an der Ecke Pastoratsstraße/Grünstraße geplant. 20 Wohneinheiten als Miet- und Eigentumswohnungen sollen dort entstehen, ein Altbau muss dafür abgerissen werden. Die Radfahrer wünschen sich einen Parallelweg östlich der L 478. Ein Ansinnen, dem die Gemeinde mit der Planung des neuen Wohnbereichs Bahnstraße/Kirchstraße Rechnung trägt. Zwei Bebauungspläne mit bis zu 50 Wohneinheiten sollen dort realisiert werden. "Kinder von Einheimischen würden gerne hier bauen", beschreibt der Bürgermeister den Bedarf.

Die Nähe zur Autobahn macht auch Wachtendonk als Wohnort attraktiv. "Duisburger fühlen sich wohl hier", registriert Bürgermeister Hans-Josef Aengenendt erfreut. Und auch die Kinder der "Alteingesessenen" ziehen gerne in der Niersgemeinde ihre Eigenheime hoch. Einen Einwohnerzuwachs von 178 brachte das Jahr 2015. Die Vermarktung von Neubauflächen klappte und klappt zügig, sei es im Baugebiet "Schlecker Weg" in Wachtendonk, wo in vier Bauabschnitten etwa 215 Wohneinheiten entstanden sind, im Gebiet "Niersaue/Achter de Stadt" mit 21 Bauplätzen oder in Wankum "Östlich auf dem Kuckuck" mit etwa 75 Wohneinheiten. Und der Strom der Zuzugswilligen reißt nicht ab. In Wankum soll deshalb der alte Sportplatz in ein Baugebiet umgewandelt werden. Aengenendt: "Wir hoffen, dass wir das 2017/18 realisieren können."

Ebenfalls eine gute Anbindung zur Autobahn, aber auch die beiden Haltstellen des Niers-Express machen Kerken als Wohnort für Berufspendler attraktiv. Viele Kerkener fahren zum Arbeiten in die umliegenden Kommunen, mit Abstand die meisten Auspendler fahren nach Krefeld. Der Nachfrage nach neuem Wohnraum sei kaum hinterherzukommen, sagt Udo Niersmann, der Stellvertreter des Bürgermeisters: "Die Grundstücke werden uns fast aus der Hand gerissen. Das liegt zum einen an der guten Verkehrsanbindung, aber auch an den niedrigen Baupreisen." Aktuelles Beispiel ist das Baugebiet Gromansfeld in Aldekerk-Süd. In nicht mal zwei Jahren waren fast alle Grundstücke verkauft. Hier entstehen 59 Einfamilienhäuser und sieben Mehrfamilienhäuser sowie ein Quartier mit 50 barrierefreien Wohnungen.

Wenn es nach der Gemeinde Kerken geht, würden nicht nur hier weitere Wohnsiedlungen entstehen. Doch die aktuellen Vorgaben im Baugesetzbuch machen das nicht leicht, sagt Udo Niersmann: "Wir müssen erst an die schon bestehenden Siedlungen anbauen, bevor wir Außenflächen als Baugebiete bekommen."

Einen neuen Versuch wagt Kerken trotzdem: In den kommenden Wochen soll es Gespräche zwischen der Verwaltung und der Bezirksregierung in Düsseldorf geben, ob und wie im Gromansfeld ein weiterer Bauabschnitt erschlossen werden kann. Bis es so weit ist, vergehen wohl aber noch mehrere Jahre.

Die Gemeinde Issum hätte ebenfalls gerne mehr Reserven für Wohnbebauung. Doch die Flächen sind knapp, der Regionalplan gibt vorerst nicht mehr her. Mit den aktuellen Baugebieten will Issum vor allem junge Familien in den Ort locken beziehungsweise sie dabehalten. Zum Beispiel am Heesenhof in Sevelen. Ein Investor plant hier maximal 40 barrierearme Wohnungen, die Gemeinde selbst will Grundstücke für Doppel- und Einzelhäuser zum Verkauf anbieten. Eine weitere neue Siedlung soll in Issum am Wiesenweg Ecke Kolpingstraße entstehen, mit bis zu 68 neuen Wohneinheiten, sagt Jürgen Happe vom Fachbereich Bauen und Planen: "Geplant sind Einzel- und Doppelhäuser. Wir gehen davon aus, dass wir das Bauleitverfahren in diesem Jahr abschießen und das Gebiet nächstes Jahr erschließen können." Interessenten für die Grundstücke gebe es bereits. Denn auch hier sei der Wohnraum begehrt. Das sagt auch Franz Hillejans von der Gemeinde. Er sammelt für die neuen Baugebiete Infos, wer gerade Grundstücke sucht: "Oft sind es Leute, die schon mal in Issum gewohnt haben und zurückkommen. Oder es ist die nächste Generation, die eben hier bleiben will."

Quelle: RP
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