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Kleve
Ein Duo für die Sammlung Wörner

Kleve: Ein Duo für die Sammlung Wörner
Hannah Eckstein, Valentina Vlasic und Leonard Friedrichs mit Blättern aus der Sammlung Wörner. FOTO: Evers Gottfried
Kleve. Mit über 5.000 Arbeiten gehört die Sammlung Wörner zu den großen Schätzen der Klever Museen. Sie wird von zwei Juniorkuratoren aufgearbeitet, die die Museums-Freunde finanzieren. Von Matthias Grass

Es war ein Ritual, wenn die Bilder geguckt wurden: Die grau-beige Schleife der gleichfarbigen Mappe aufziehen, das Deckblatt umlegen und die Schutzlappen, die den kostbaren Inhalt verwahren, vorsichtig zur Seite klappen und dann die Bilder im sauber geschnittenen Passepartout anschauen, darüber debattieren, diskutieren, eine Anekdote hören. Die Sammlung von Rose und Gustav Wörner war unerschöpflich, das Ritual immer wieder aufs Neue spannend, erzählt Valentina Vlasic vom Museum Kurhaus Kleve, die so manchen Tag im Hause Wörner mit einer dieser Mappen vor sich verbracht und bei einer Tasse Tee über Kunst parliert hat. Das ist inzwischen Vergangenheit, denn beide Sammler, die Landschaftsarchitekten Rose und Gustav Wörner, sind verstorben. Die Sammlung kam als Schenkung an den Freundeskreis der Klever Museen und gehört mit über 5000 meist grafischen Werken zu den großen Schenkungen.

Es sind 5000 Werke, die 500 Jahre Kunstgeschichte vom Mittelalter bis zur Moderne ebenso dokumentieren wie sie einen bedeutenden Querschnitt zur Entwicklung der Gartenarchitektur in Zeichnungen und Stichen aus diversen Jahrhunderten bereithält. Ausschnitte aus der Sammlung waren immer wieder in Kleve zu sehen: Erst jüngst die wunderbaren mittelalterlichen Buchseiten in der ständigen Sammlung des Kurhauses, vor einiger Zeit die "Gartenlust" im Haus Koekkoek.

Ein Blatt des Malers Ulrich Erben. FOTO: Gottfried Evers

Kurhaus und Koekkoek werden im Herbst auch die komplett Sammlung an ausgesuchten Beispielen in der gemeinsamen Ausstellung "Von Haltung und Leidenschaft: Werke aus 500 Jahren Kunstgeschichte - die Sammlung Wörner" vorstellen: Im Haus Koekkeok das 19. Jahrhundert, die Rheinansichten und die Stiche von Vögeln, im Kurhaus Mittelalter, Barock und Moderne (hier Blätter der Zero-Gruppe wie Piene und Uecker, aber auch Arbeiten von Ulrich Erben). Zuvor aber muss die Sammlung gesichtet werden. Eine Mammut-Aufgabe, die die Klever Museen jetzt dank des Freundeskreises erfüllen können. Die Museumsfreunde finanzieren für sechs Monate zwei "Junior-Kuratoren", die jetzt das Wörnersche-Ritual zelebrieren: Die grau-beige Schleife der gleichfarbigen Mappe aufziehen, das Deckblatt umlegen und die Schutzlappen, die den kostbaren Inhalt verwahren, vorsichtig zur Seite klappen und dann die Bilder im sauber geschnittenen Passepartout anschauen . . .

Dann ist der gemütliche Teil des Rituals auch schon zu Ende: Hannah Eckstein und Leonard Friedrichs müssen die Blätter beschreiben, ihren Zustand beurteilen, sie inventarisieren, fotografieren und für die Ausstellung in den beiden Museen vorbereiten. Damit sie die Bilder richtig fotografieren können, hat der Freundeskreis auch noch gleich eine Kamera fürs Museum angeschafft. Gut, wenn man als Museum kunstsinnige Freunde hat . . .

Eine der mittelalterlichen Buchseiten aus der Sammlung. FOTO: Evers Gottfried

Das Projekt läuft bereits seit März, nachdem der Nachlass in 30 großen Kisten im Januar an das Klever Museum kam, mit dem die beiden Landschaftsarchitekten als Sammler, Mäzene und vor allem auch als Gartenarchitekten (sie rekonstruierten die bedeutenden Klever Gartenanlagen) eng verbunden waren. Hannah Eckstein macht ein Masterstudium "Kunstgeschichte" und hat zuvor in Istanbul einen Bachelor in Kulturmanagement absolviert. Leonard Friedrichs aus Kranenburg studiert im zweiten Semester Kunstgeschichte.

Zur weiteren Finanzierung der geplanten Ausstellung haben die beiden ein Crowdfunding-Projekt ins Leben gerufen, das als Film über die Sammlung auf Plattformen zu sehen ist. Mit dabei die Crowdfunder der Volksbank Kleverland, die jedes erfolgreiche Crowdfunding mit bis zu 1000 Euro unterstützen. Dort müssen die beiden Kuratoren in den nächsten elf Tagen noch 39 Fans erreichen: "Projekte ansehen" auf der Seite www.gemeinsam-fuer-das-kleverland.de

Quelle: RP
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