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Rp-Serie Unsere Seelsorger (33): Pastor Aloys Schrey
Ein Leben voller Grenzerfahrungen

Kleve. Aloys Schrey war von 1956 bis 1970 Pastor in St. Stephanus Kessel. Als Militärpfarrer geriet er im 2. Weltkrieg in Gefangenschaft. Von Werner Stalder

GOCH-KESSEL "Er war dienstbereit in jeder Stunde seines Lebens. Wer mit ihm zu tun hatte, spürte in allem seine absolute Aufrichtigkeit und Lauterkeit", sagt Franz Giesbers (88), der mit dem Pfarrer Aloys Schrey befreundet war.

Von 1956 bis 1970 war der Geistliche Pastor in der Gemeinde St. Stephanus in Kessel. Als Messdiener, später als Mitglied des Kirchenvorstandes, kam Franz Giesbers oft mit ihm zusammen, aber auch als Freund schätzte er den einfachen und schlichten Seelsorger. Der Hirte von Kessel wurde am 4. Juni 1907 in Bottrop als Sohn der Eheleute Theodor Schrey und Maria Schulte-im-Walde geboren. Er wuchs mit zehn Geschwistern auf. Nach dem Besuch der Volksschule besuchte er das Gymnasium in Bottrop. Dort machte er 1927 das Abitur. Anschließend studierte er Philosophie und Theologie in Münster und München. Die Priesterweihe empfing er am 17. Dezember 1932 durch Weihbischof Scheifes im Dom zu Münster. Als Kaplan wirkte er zunächst in Spellen und Waldliesborn. Während des Zweiten Weltkrieges kam er nach Altenberge. Dort nahm er in seinen Predigten entschieden Stellung gegen den Nationalsozialismus. Von Altenberge aus wurde er als Soldat eingezogen und geriet in russische Kriegsgefangenschaft. Während dieser harten Zeit hat er sich als Priester vorbildlich um seine Mitgefangenen bemüht.

Franz Giesbers erinnert sich an einen gemeinsamen Urlaub mit dem Pastor in Oberammergau. Dort hatte ihm der Seelsorger viel aus seiner schweren Zeit in russischer Gefangenschaft erzählt. Die Gefangenen, besonders er als Priester, wurden beschimpft und schlecht behandelt. Auf der Rückfahrt von Oberammergau hatte der Pastor den Wunsch, nach Bamberg zu fahren. Dort besuchte er völlig überraschend einen damaligen Mitgefangenen, und dieser konnte seine Freude über das Wiedersehen kaum verbergen. Hatte er doch die Liebe und Zuneigung des Priesters in der Gefangenschaft erfahren. "Bis morgens vier Uhr tauschten sie ihre Erinnerungen aus", sagt das Urgestein aus Kessel. Der Kaplan kam kurz vor Weihnachten 1947 nach Altenberge zurück. Im April 1950 begann er seine Tätigkeit als Kaplan in St. Vincentius in Dinslaken. Hier setzte er sich besonders für die Jugend ein. Mit großem Eifer versah er außerdem das Amt des Kolpingpräses. Sein besonderes Anliegen war das religiöse Leben in den Verbänden. Nach seiner Zeit als Pfarrer in Kessel, in der zwei seiner leiblichen Schwestern den Haushalt führten, kehrte er 1970 als Pfarrer i.R. nach Dinslaken zurück und übernahm neben vielen Aufgaben die Seelsorge im katholischen Altenheim "Maria Frieden".

Unter großer Anteilnahme der Gemeinde St. Vincentius, Dinslaken, und St. Stephanus, Kessel, feierte er 1972 sein 40-jähriges Priesterjubiläum. Nicht nur nach Oberammergau fuhren die beiden Freunde Aloys und Franz. Im Jahre 1960 ging es nach Maria Gern bei Berchtesgaden: "Das war unsere Hochzeitsreise, und wir wohnten mit vier Pastören in einem Haus." Ein erfülltes und bewegtes Leben als Priester fand mit seinem Tod Ende und Vollendung. Von allen verehrt und besonders auch in Kessel geachtet, starb Pfarrer Aloys Schrey plötzlich und unerwartet am 13. März 1980 in Dinslaken. Viele in Kessel erinnern sich an seine positive Grundhaltung, die aus einer tiefen Frömmigkeit kam.

Quelle: RP
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