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Kranenburg
Gedenken an grenzenlose Freundschaft

Kranenburg. Mit einer Festveranstaltung wurde der Übertragung von Klever Gebieten an das Königreich der Niederlande vor 200 Jahren gedacht. Bürgermeister zersägten symbolisch einen Grenzpfahl. Es war der Auftakt zur Pfingstkirmes. Von Werner Stalder

Spätestens nachdem die Bürgermeister von Kranenburg und Berg en Dal, Günter Steins und Mark Slinkmann, mit vereinten Kräften einen stattlichen Schlagbaum durchgesägt hatten und damit für die über 240 Schützen aus dem deutsch-niederländischen Grenzraum den Weg zum Festzelt frei gemacht hatten, stand fest, was auf einem alten Grenzpfahl in Beek zweisprachig zu lesen ist: "Lass Freundschaft heilen, was Grenzen teilen." Und so wurde der Gedenktag "Grenzland 2016 - 200 Jahre verbunden" zu einem grenzenlosen Fest unter Freunden. Am 1. Juni 2016 sind es 200 Jahre her, dass einige Klever Gebiete von Preußen an das Königreich der Niederlande übertragen wurden. Aufgrund dieses besonderen historischen Ereignisses hatten die Gemeinde Berg en Dal, das Grenzlandkomitee und die Gemeinde Kranenburg zu einer hervorragend organisierten und eindrucksvollen Gedenkfeier eingeladen.

Bereits am Nachmittag trafen sich alle teilnehmenden Vereine, darunter in ihren landestypischen Trachten auch eine Delegation aus der Partnerstadt Körmend in Ungarn mit Bürgermeister Istvan Bebes an der Spitze, am Schützenhaus in Kranenburg. Von dort begab man sich zu einem Gottesdienst in die Stifts- und Wallfahrtskirche St. Peter und Paul in Kranenburg. Unter Fanfarenklängen zog man in das Gotteshaus, das bis auf den letzten Platz gefüllt war. Bürgermeister Günter Steins konnte zahlreiche Ehrengäste aus Kirche, Politik, Wirtschaft und vor allem aus dem deutschen und niederländischen Schützenwesen begrüßen. Sein Dank galt allen Organisatoren und Personen, die zur Vorbereitung des Gedenktages grenzüberschreitend zusammengearbeitet hatten. "Seit mehr als 70 Jahren leben wir in Europa in Frieden, Freiheit und Wohlstand. Die letzten Monate haben aber gezeigt, wie schnell Grenzen in Europa an zweifelhafter Bedeutung gewinnen", sagte Steins.

Die Festmesse, zelebriert von Pfarrer Christoph Scholten mit einer Predigt von Diakon Jos van Rooij, wurde von der Musikkapelle "Fanfare Wilhelmina Groesbeek" und vom Kirchenchor Kranenburg mit der Canisius-Messe eindrucksvoll gestaltet. Der Musikverein Zyfflich begleitete alle Kirchenbesucher zum Festakt auf die Kirchwiese, wo Wim Sanders als Vorsitzender der Gelderse Federatie St. Hubertus der Provinz Gelderland in drei Sprachen, deutsch, niederländisch und platt darauf hinwies, dass vor 200 Jahren acht kleine preußische Gemeinden zu den Niederlanden kamen. "Heute besteht diese Grenze nicht mehr", betonte er. Zweisprachig trug auch Wiel Lenders vom Befreiungsmuseum Groesbeek seine Festrede vor, die er unter drei Gedanken stellte: Grenzen, Freiheit und Denkmal. Das Bild einer modernen Gemeinde werde durch den "normalen" Bürger geprägt. Dieser "normale Bürger" käme durch das neue mobile Denkmal, ein Spiegelobelisk nach einer Idee von Dirk Leiber von den Pfadfindern aus Weeze, zum Ausdruck. "Vor dem Spiegel wird die Verantwortung des Einzelnen für das Ganze erkennbar und erlebbar", sagte Lenders. Nach der Enthüllung des Denkmals und einer Kranzniederlegung durch die Bürgermeister erklangen die Nationalhymnen beider Länder. Dann zeigten die Fahnenschwenker aus Deutschland und den Niederlanden ihre unterschiedliche Kunst, bevor ein stattlicher Festzug durch den historischen Ortskern von Kranenburg zur Festwiese zog, wo im Zelt gebührend gefeiert wurde.

Quelle: RP
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