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Bedburg-Hau
Kita-Plätze: Das Pech der Oktoberkinder

Bedburg-Hau. Philipp Pastoors aus Bedburg-Hau wird am 24. Oktober drei Jahre alt. Damit ist er acht Tage zu alt , um im Kindergarten als unter Dreijähriger zu gelten. In drei Einrichtungen wurde er deswegen abgewiesen, sagen seine Eltern. Sie sind sauer. Von Marc Cattelaens

Als Familie Pastoors im Mai 2015 nach Bedburg-Hau zieht, ist die Freude zunächst groß. Im neuen Haus fühlen sich alle wohl, die Nachbarschaft ist auch nett. Und diverse Kindergärten für den kleinen Philipp liegen in der Nähe. Jetzt, ein gutes Jahr später, hat sich Ernüchterung breit gemacht. Philipp wurde in allen drei Wunschkindergärten abgelehnt. Lediglich eine Einrichtung am anderen Ende der Gemeinde nahm ihn auf. Jetzt müssen seine Eltern täglich 20 Kilometer Strecke zwischen Kindergarten und ihrem Zuhause zurücklegen. Sie sind genervt.

Philipp Pastoors wurde am 24. Oktober 2013 geboren. Der Stichtag für die Eingruppierung als Kindergartenkind ist der 31. Oktober. Wäre es nach dem Kreis Kleve gegangen, hätte Philipp bereits im vergangenen Jahr einen Kindergarten besuchen sollen. "Das war mir aber zu früh. Philipp wäre dann ja erst etwas älter als anderthalb Jahre gewesen. Außerdem hätte unser Sohn dann fünf Jahre einen Kindergarten besuchen müssen", sagt seine Mutter Katja Pastoors (33).

Deswegen meldete sie Philipp frühzeitig über das neue Online-Verfahren für dieses Jahr an. Das Prinzip bei diesem Verfahren: Eltern geben - geordnet nach Priorität - drei Kindergarten an, in denen sie ihr Kind gerne untergebracht wüssten. Der St. Pius Kindergarten (kirchliche Trägerschaft) stand bei Familie Pastoors an erster Stelle, dann kamen der Kindergarten Lebenswiese (Lebenshilfe) und der St. Johannes Kindergarten (Gemeinde Bedburg-Hau).

Anschließend folgte ein gehöriges Wirrwarr, an dem der Kreis Kleve und die katholische Kirche beteiligt waren. "Wir bekamen immer unterschiedliche Aussagen darüber, ob unser Sohn als U(Unter)3-Kind oder Ü(Über)3-Kind gilt. Zunächst hieß es, dass wir einen Anspruch auf einen Kindergartenplatz für unter Dreijährige haben. Dann wurde uns mitgeteilt, dass Philipp ,leider' doch ein Ü3-Kind ist", sagt Katja Pastoors.

Dann habe die Familie Bescheid bekommen, dass im St. Pius Kindergarten kein Platz für Philipp sei, weil er auf einer Warteliste, bei der die älteren Ü3-Kinder bevorzugt werden, ganz hinten stehe, sagt Katja Pastoors. Schließlich folgten auch für die anderen Kindergärten aus der Wunschliste Absagen. "Offenbar werden in Bedburg-Hau unter Dreijährige bevorzugt. Unser Kind wurde einfach acht Tage zu früh geboren, sonst hätten wir das ganze Dilemma nicht gehabt", ist die junge Mutter überzeugt.

Die Alternative, die der Kreis Kleve für Philipp vorsieht, ist die neue Awo Kita Bedburg-Hau am Verhoolenweg in Hasselt. Dort ist der Zweijährige jetzt auch angemeldet. Für seine Eltern, die im Ortsteil Hau wohnen, bedeutet das, dass sie ihren Sohn bald täglich etwa fünf Kilometer zum Kindergarten bringen müssen. "Hin und zurück, zwei Mal am Tag, das macht eine Strecke von 20 Kilometern", sagt Katja Pastoors. Hinzu kommt, dass ihre Wunschkindergärten auf dem Weg zur Arbeit der Eltern gelegen hätten, die beide Jobs in Kleve haben, wohingegen die neue Awo Kita in Hasselt in entgegengesetzter Richtung liegt.

"Wir haben auch Angst, dass unser Sohn in der Grundschule in Bedburg-Hau keinen Anschluss findet, weil er dort keine Kinder kennt", sagt Pastoors. Sie findet, dass das politische Konzept, "kurze Beine, kurze Wege" nicht nur für Grundschul-, sondern auch für Kindergartenkinder gelten müsse.

Trotzdem freut sich die Familie nun auf eine schöne Kindergartenzeit für Philipp. Im August 2015 wurde Jannick Pastoors geboren. Für seine Eltern stellt sich nun die Frage, welchen Kindergarten er einmal besuchen soll.

Quelle: RP
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