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Kleve-Griethausen
Neue Hoffnung für Brücke in Griethausen

Kleve-Griethausen: Neue Hoffnung für Brücke in Griethausen
Die Eisenbahnbrücke über den Altrhein in Griethausen gilt als das Wahrzeichen des kleinen Ortes. FOTO: Klaus Dieter Stade
Kleve-Griethausen. Die denkmalgeschützte, 150 Jahre alte Eisenbahnbrücke über den Altrhein hat ein Architekt aus dem Klever Raum in Berlin für 60.000 Euro ersteigert. Eisenbahnfreunde und Heimatverein verfolgten die Auktion gespannt. Von Dieter Dormann

Am gestrigen Vormittag war der Vorsitzende des Vereins der Eisenbahnfreunde Goch-Kleve (EFGK), Ulrich Düsterhöft (62), noch relativ gelassen und ruhig - obwohl am Nachmittag im Berliner Auktionshaus Karhausen die dem Verein seit 1996 gehörende Eisenbahnbrücke von Griethausen unter den Hammer kommen sollte. Am Nachmittag bot ein Architekt aus dem Raum Kleve als einer von drei Bietern 60.000 Euro für das denkmalgeschützte Objekt - und bekam den Zuschlag.

Auf 18.000 Euro war der Kaufpreis (das Mindestgebot) für die älteste noch erhaltene Eisenbahnbrücke, die von 1863 bis 1865 erbaut worden war, angesetzt gewesen. Da es schon im Vorfeld laut Auktionator Matthias Knake mindestens zwei "ernsthafte" Interessenten gab, war der Versteigerer sich sicher: "Die Brücke wird versteigert werden." Einzig offene Frage war noch: Zu welchem Gebot erfolgt der Zuschlag. Der erfahrene Auktionator meinte am Vortag: "Wir hatten schon vergleichbare Objekte, die auch mit ähnlichen Summen angesetzt waren, aber letztlich dann für 200.000 Euro ersteigert wurden."

Ganz so viel zahlte der Architekt für die Brücke nicht. Von den 60.000 Euro bleiben dem Verein der Eisenbahnfreunde Goch-Kleve aber immer noch rund 54.000 Euro. "Das hat mir der Auktionator gerade ausgerechnet und gesagt", berichtete Ulrich Düsterhöft, der in Bocholt-Suderwick wohnt, am Nachmittag. "Aber wir sind ein kleiner Verein und können jeden Cent brauchen", fügte der 62-Jährige hinzu.

Am Vormittag hatte der EFGK-Vorsitzende noch keinen "Tipp" zum Ausgang der Auktion abgeben wollen. Er war sich aber ebenso wie der Auktionator in Berlin ziemlich sicher, dass die Brücke den Besitzer wechseln werde. Zum einen war Ulrich Düsterhoft bekannt, dass es zwei ernsthafte Interessenten sowie ein schriftliches Gebot für das Objekt gab. Zum anderen waren bei ihm selbst mehrere Anfragen eingegangen. So hätten ein Düsseldorfer Planungs- und Architekturbüro, eine Firma aus dem Bereich "Event-Gastronomie" sowie drei bis fünf "andere Leute" sich bei ihm nach der Brücke erkundigt.

Von mehreren Kauf-Interessenten wusste auch der Geschäftsführer des Heimatvereins Griethausen, Franz Hendricks. So sei der "wahnsinnige Puppenspieler" Heinz Bömler im Altrheindorf gewesen und habe sich die Brücke genau angesehen. "Mom" Zevens hätte sich Franz Hendricks als Investor zwar sehr gewünscht - doch den sichtete er nicht an der Brücke.

Für den Geschäftsführer des Heimatvereins wäre es schön, wenn die Brücke wieder für Radfahrer und Fußgänger nutzbar gemacht würde. Ideal wäre seiner Meinung nach, eine "Notstraße" über die Brücke zu bauen. Im Fall eines Hochwassers wäre für die Bewohner von Salmorth so eine Verbindung zur "Außenwelt" vorhanden. Von den Ideen, Züge mit Speisewagen oder eine Draisine über die Schienen rollen zu lassen, hält Franz Hendricks allerdings nichts. Er sagt: "Der Aufwand dafür wäre viel zu groß."

Den Entschluss, die Eisenbahnbrücke in Griethausen zu verkaufen, hatten der Verein schon im vergangenen Herbst gefasst. Die 27 Mitglieder seien sich einig gewesen, dass es sinnvoll sei, sich von der Immobilie zu trennen. "Der Erwerb war einfach eine Kurzschlusshandlung", sagt Ulrich Düsterhoft, der keine Angaben zum damaligen Kaufpreis machen will. Zwar habe der gesetzlich vorgeschriebene "Erhalt" des Denkmals "praktisch keine Kosten" verursacht. Dennoch habe es aber immer wieder wegen der Brücke im Verein "Querelen" gegeben. Da alle am Erwerb beteiligten Personen den Verein verlassen hätten, sei der Verkauf ohne lange Diskussionen beschlossen worden.

Anfangs versuchten die Eisenbahnfreunde auf eigene Faust, einen Investor und Käufer zu finden. Die Ölwerke Spyck seien, so sagt es Ulrich Düsterhöft, interessiert gewesen. Die Stadt Kleve habe aber eine Unterstützung verweigert - aus finanziellen Gründen. Danach "recherchierte" der EFGK-Vorsitzende, wie man eine Eisenbahnbrücke an dem Mann bringen könne. Er stieß auf das Auktionshaus Karhausen und rief dort an. Schon drei Tage später seien die Berliner Versteigerer, die in der Vergangenheit schon zahlreiche vergleichbare Immobilien aus ganz Deutschland unter den Hammer gebracht hatten, zu einem Ortstermin an den Altrhein gekommen. Man habe sich "nett unterhalten" und sei sich "schnell einig" gewesen, berichtet Ulrich Düsterhöft.

Wie schnell der neue Besitzer nun in Griethausen aktiv wird, bleibt abzuwarten. Auch wofür die Eisenbahnfreunde, die sich künftig auf den Modellbau konzentrieren wollen, den Erlös aus der Versteigerung investieren, ist noch keine beschlossene Sache. Der EFGK-Vorsitzende Ulrich Düsterhöft sagt jedenfalls: "Modellbau kann auch eine teure Sache sein."

Vom neuen Eigentümer der Eisenbahnbrücke in Griethausen war gestern kaum etwas zu erfahren. Der erfolgreiche Bieter wolle erstmal anonym bleiben, erklärte ein Sprecher des Auktionshauses. Deshalb könne er keinen Namen nennen. Ebenso unbekannt blieb, welche Pläne der Architekt in Griethausen in die Wirklichkeit umsetzen möchte. Man darf gespannt sein.

Quelle: RP
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