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Kleve
Sommernacht voll Musik und Comedy

Kleve: Sommernacht voll Musik und Comedy
Beste Stimmung unter dem zu dieser mittleren Abendstunde noch blauen Himmel über Kleve. FOTO: Friedel Evers
Kleve. Einmal mehr ist es Cinque gelungen, rund 2500 Gäste auf die Wiese hinter dem Klever Tierpark zu locken. Stargast hans Liberg und andere Musiker, Comedians und Kabarettisten sorgten für eine lange Nacht bei tropischen Temperaturen. Von Anja Settnik

Riesenglück für die beliebte Veranstaltung im Grünen: Erst erlebten die Klever und ihre Freunde eine Sommernacht, wie sie sommerlicher kaum sein könnte, und dann ging das Cinque-Programm samt Tanzen und Klönen auch noch ungestört von dem wenig später einsetzenden dicken Gewitter über die Bühne. Eine perfekte Cinque-Sommernacht also, die von rund 2500 Gästen besucht wurde, die ihre Entscheidung sicherlich nicht bereuten.

Die Wiese hinter dem Tierpark - eine perfekte Feier-Location, zumindest für Gäste, die vom Parkplatz aus einen ordentlichen Fußmarsch nicht scheuen. Keine Anlieger, die sich gestört fühlen könnten, von Kamelen, Eseln und Wüstenfüchsen ist nicht bekannt, ob sie Kölschrock und Comedy mögen. Köbes Underground, die Hausband der Kölner Stunksitzung, die in Kleve besonders viele Fans hat, trug erheblich zum Gelingen des Abends bei.

Hans Liberg ist einer der profiliertesten Musikkabarettisten in Europa. Seine Ausflüge in die klassische Musik wurden bejubelt. FOTO: Evers Gottfried

Und natürlich Haupt-Act Hans Liberg, niederländischer Musikkabarettist, Local Hero Ludger Kazmierczak, "Moderator" Jürgen Becker (unter anderem "Mitternachtsspitzen"), die Berliner A-cappella-Band "YeoMen" und der türkischstämmige Schwabe Özcan Cosar. Ach ja, das waren sie alle, bis auf Bruno Schmitz, den Kulturmanager und Cinque-Vorsitzenden, der sie alle zusammenbrachte. Er begrüßte das Publikum zur 14. "Sommernacht", vergewisserte sich, dass nicht allzu viele Kellener Schützen im Publikum waren (die dann bei ihrer eigenen Kirmes gefehlt hätten) und stieg später auch selbst in den Kabarett-Ring.

Der erste große Jubel galt Jürgen Becker, der Geburtstag hatte. "Mann, ist das toll, dass ich hier bin, mit ,Köbes' als Geburtstagskapelle!" Angesichts der Bevölkerungsentwicklung (wobei Becker die allerjüngsten Zahlen, die die Zuwanderung berücksichtigen, nicht einbezog), seien Geburtstage schon etwas Besonderes. Wie viel erfolgreicher sei doch die Blattlaus bei der Fortpflanzung. Über das "grüne und lästige" Tierchen kam der Kölner übergangslos auf einen jungen Kollegen mit türkischen Wurzeln, der später am Abend noch einen längeren Auftritt haben sollte: Özcan Cosar, zunächst im Schützenanzug.

Der Klever WDR-Mann Ludger Kazmierczak füllt seit Jahren kleinere Spielstätten und schaffte jetzt problemlos den Sprung vor ein ganz großes Publikum: Als Kenner der westlichen und östlichen Nachbarn erzählte der Hörfunkjournalist zwar vorwiegend vom Leben am Niederrhein, kombinierte damit aber ein paar Erkenntnisse über die Polen und - weit intensiver - die Niederländer. Während man in Polen Probleme mit seinem Namen gehabt habe (dem Vor-, nicht dem Nachnamen), mussten sich die Niederländer im Publikum einigen Spott über ihre wunderbar bildhafte Sprache gefallen lassen. Viel Freude verursachte Kazmierczak mit den Gastro-Tipps für Kleves Studenten: Puppa Schmitz, Früh Kölsch, Fatimas Büdchen. Wenn das nicht Ausgehmöglichkeiten genug sind . . .

Ganz ohne Instrumente kommen "YeoMen" aus Berlin aus, weil sie Schlagzeug, E-Gitarre oder Saxophon zum Gesang mit den Lippen imitieren. Eine energiegeladene, sichtlich anstrengende Show, die auch nüchternste Niederrheiner zu wahren Begeisterungsstürmen veranlasste. Extrem-A-Cappella vom Feinsten.

Hans Liberg ist ein 62-jähriger Niederländer, der schon für Königin Beatrix gespielt hat. Ein liebenswerter Gentleman, ein feinsinniger Texter, ein Virtuose am Klavier, dem seit Jahrzehnten überall in Europa große Konzertsäle geöffnet werden. Sein Lieblingsthema: Klassische Musik ist überall drin, die populären Motive ("Tatatata", "Die Neunte"), die fast jeder mitsummen kann, finden sich in unzähligen modernen Stücken wieder - alles nur geklaut.

Das Klever Publikum tat, was von ihm erwartet wurde, und bewies sich als hinreichend gebildet, um kräftig mitzusingen. Mozart, Beethoven, Schubert und Co. hätten ihre Freude gehabt. Nur Stockhausen wohl nicht. Dessen Kompositionen sind zwar auch irgendwie klassisch, aber nicht zum Mitträllern geeignet. Hingegen gibt die niederländische Sprache - ob sich Liberg mit Kazmierczak abgestimmt hatte? - den bekannten Stücken einen ganz eigenen Reiz. "Freude schöner Götterfunken" auf Niederländisch könnte respektlos klingen. Aber nicht bei Liberg.

Quelle: RP
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