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Leichtathletik
Irgendwie verrannt

Kleve. Einmal im Jahr wird durch die Klever Innenstadt gerannt - und morgen zum 25. Mal. Der Klever Bürger schaut immer gern zu, klatscht und freut sich, wenn Kleinkinder von Vätern die Stadt hochgezogen werden. Der Citylauf unterscheidet sich positiv von anderen Rennen. So hat er etwa keine Probleme mit dem Teilnehmerschwund, wie andere Breitensportveranstaltungen denen langsam die Puste ausgeht. Im Gegenteil. In Kleve kann man es sich sogar leisten, Sportler nicht einzuladen.

War für Kinder ab elf Jahren immer eine Strecke über zwei Kilometer im Programm, so sucht man diese in der aktuellen Ausschreibung vergebens. Im vergangenen Jahr hatten die damals Zehnjährigen nach einem Kilometer das Ziel erreicht. Die heute Elfjährigen müssten Samstag mindestens fünf Kilometer laufen. Der Grund für die gestrichene Zwei-Kilometer-Strecke: "Lohnt sich nicht", so der Veranstalter.

Grundschüler lohnen sich. Im Klassenverband geht man an den Start und treibt die Teilnehmerzahl nach oben. Ebenso verhält es sich mit dem Herzstück eines jeden Volkslaufs: dem Jedermann-Lauf. Die vielen Hobby-Läufer traben winkend durch die City und leisten ebenfalls ihren Beitrag zu einem eindrucksvollen Meldeergebnis.

Es waren 45 Kinder, die im vergangenen Jahr die 2000-Meter-Distanz liefen. Als letzte erreichte ein Mädchen nach 13 Minuten und 16 Sekunden das Ziel. An der Viertelstunde von Startschuss bis Schlusslicht kann es nicht liegen. Woran dann? "An den Siegerehrungen", so die Auskunft. Da seien teilweise nicht mal drei Läufer in einer Klasse am Start, aber vor allem die Übergabe der Pokale würde sich unheimlich in die Länge ziehen.

Wenn die Breitensportler über fünf Kilometer nach einer Dreiviertelstunde mit einem Kopf ins Ziel fallen, der leuchtet wie das Bremslicht eines Linienbusses, dann hat es niemand eilig. Jedermann soll sein Tempo laufen.

Die Kenner der Leichtathletikszene wissen, wie schwer ist, Kinder und Jugendliche für die Sportart zu begeistern. In den Altersklassen ab elf Jahren aufwärts gab es beim Citylauf zweifellos die dünnsten Felder. Es sind genau die Jahrgänge, denen man in Kleve die Strecke gestrichen hat, die den ersten Schritt hin zum Hobby Leichtathletik gemacht haben.

Von den hunderten Grundschülern sieht man bei der nächsten Auflage kaum einen mehr. Und wenn dennoch einer, der von Atmosphäre und Sportart fasziniert war, wieder starten will, lehnt der spätestens beim Blick in die Ausschreibung ab. Ein Jahr älter und vier Kilometer mehr? Da ist einiges schief gelaufen.

PETER JANSSEN

Quelle: RP
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