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Interview Mit Andreas Bergmann
"Noch keine Zeit für Wehmut"

Interview Mit Andreas Bergmann: "Noch keine Zeit für Wehmut"
Nach der Trainerentlassung von Andreas Voss gab bei den Kreis- und Stadtmeisterschaften Andreas Bergmann die Richtung vor. Oben im Gespräch mit Sebastian van Brakel. FOTO: Markus van Offern
Kleve. Nach dann 13-jähriger Tätigkeit für die Schwarz-Roten verlässt Fußballtrainer Andreas Bergmann die Gocher Viktoria zum Saisonende.

Bei der abseits der aktuellen Turbulenzen so auf Nachhaltigkeit bedachten Gocher Viktoria ist er vielleicht die größte Konstante - Andreas Bergmann ist bereits in seiner 13. Spielzeit für die Weberstädter als Co-Trainer tätig und hat erfolgreiche wie schwierige Zeiten in der Verbandsliga, später Niederrheinliga und nun Landesliga mitgemacht. Mit der Zeit übernahm er die Kaderzusammenstellung bei der ersten Mannschaft, die er auch in diesen Tagen im Hinblick auf seine letzte Rückrunde in Goch maßgeblich vorangetrieben hat, denn zum Saisonende trennen sich wie bereits berichtet die Wege. Vor seinem letzten halben Jahr bei der Viktoria unterhielt sich Bergmann mit der Rheinischen Post über seine Zeit in Goch und seine persönliche Perspektive.

13 Jahre in Goch sind eine lange Zeit. Können Sie sich noch erinnern, wie Sie seinerzeit in Goch gelandet sind?

Bergmann Trainer Hartmut Scholz suchte nach dem Abschied von Horst Pohl damals einen Co-Trainer aus der Umgebung. Nach sieben Jahren bei der DJK Labbeck/Uedemerbruch musste ich mich mit 31 Jahren entscheiden, ob ich noch als Spieler weitermache oder in den Trainerbereich reinschnuppere. Die Entscheidung fiel mir nicht leicht, aber ich habe die Chance in Goch ergriffen und es bis heute auch nicht bereut.

Sie haben die langjährigen Trainerepochen unter Hartmut Scholz, Thomas von Kuczkowski und Manfred Tebeck als Co-Trainer mitgemacht. Von wem ist da am meisten hängengeblieben?

Bergmann Ich glaube ich habe von jedem etwas mitgenommen. Bei Hartmut Scholz als langjährigem Trainer hat mir vor allem seine Ruhe und Erfahrung imponiert, seine Lockerheit im Umgang mit den Spielern. Thomas von Kuczkowski und Manfred "Mucki" Tebeck sind Vertreter einer neuen, jüngeren Trainergeneration. "Kucze" habe ich besonders als akribischen Arbeiter mit vielen neuen Akzenten bei den Trainingsmethoden kennengelernt. "Mucki" ist so ein bisschen eine Mischung aus seinen beiden Vorgängern, wobei ihn eine besondere Menschlichkeit auszeichnet. Ich habe mich mit allen dreien prima verstanden und wir pflegen auch noch regen Kontakt.

Ihre letzte Spielzeit in Goch mit Abstiegssorgen und dem Trainerwechsel von Andreas Voss zum Niederländer Wim Wouterse gerät nach all der Konstanz noch einmal etwas turbulenter...

Bergmann Die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr waren sehr aufwendig. Gerade da ich ja auch Kaderplaner bin, hat das Telefon nicht still gestanden. Hier und da gilt es den Kader noch zu optimieren. Für die Zusammenarbeit mit Wim Wouterse habe ich aber ein gutes Gefühl. Er ist sehr offen und pflegt einen stetigen Austausch wie ich es auch gewohnt bin. Bei seiner ersten Station in Deutschland zählt er auf mich als wichtige Bezugsperson.

Die Zeiten für den Verein scheinen nicht leichter geworden zu sein. Unter Scholz noch am Sprung in die Oberliga geschnuppert kämpft man inzwischen gegen den Abstieg aus der Landesliga...

Bergmann Das Niveau war in meinen ersten Jahren hier sicherlich höher. Da konnte man auch noch Spieler aus dem Krefelder, Duisburger oder Düsseldorfer Raum nach Goch locken. Das war schon eine tolle Zeit in der Verbands- und Niederrheinliga. Es hat immer Aufs und Abs gegeben, aber alles ist schon schwieriger geworden. Mit nachlassenden wirtschaftlichen Möglichkeiten hat auch die sportliche Strahlkraft eingebüßt. Der Rückzug aus der Niederrheinliga und die vergangene Hinrunde mit dem letzten Tabellenplatz zur Winterpause sind sicher die negativen Höhepunkte meiner Zeit hier in Goch. Perspektivisch wird es jetzt sehr wichtig für den Verein sein, die Klasse zu halten. Ich bin aber auch zu 100% davon überzeugt, dass wir das schaffen werden. Da stehen wir alle in der Pflicht.

Sie sind nicht nur reiner Co-Trainer in Goch geblieben, sondern seit einigen Jahren auch Kaderplaner. Wie sehen Sie diese Zusatzaufgabe?

Bergmann Jürgen de Mür als langjähriger Vorsitzender des Förderkreises hat mich irgendwann gefragt, ob ich die Gespräche mitführen möchte und das dann übernehmen möchte. Über die Jahre habe ich großen Gefallen an der Rolle gefunden. Von Januar bis Mai, wenn es gilt den Kader zusammen zu stellen, gibt es dann jede Menge zu tun. Andererseits stehe ich auch gerne auf dem Platz und wirke in der Trainingsgestaltung mit. Beides ergänzt sich sehr schön.

Welche Gründe haben Sie letztlich bewogen, die Gocher Viktoria zum Saisonende zu verlassen?

Bergmann Nach 13 Jahren ist glaube ich vielleicht der richtige Zeitpunkt erreicht, nochmal ein anderes Vereinsleben und vielleicht andere Arbeitsweisen kennenzulernen. Mit nun 43 Jahren möchte ich nochmal einen neuen Reiz für mich setzen.

Wo sehen Sie Ihr zukünftiges Betätigungsfeld, eher im Bereich des Co-Trainers oder Cheftrainers oder in der Kaderplanung? Gibt es schon Anfragen?

Bergmann Konkretes gibt es derzeit noch nicht. Eine Tätigkeit als Cheftrainer will ich nicht ausschließen, wenn bei einem Verein mit Perspektive alles passen sollte. Ansonsten fühle ich mich in meiner aktuellen Rolle als Co-Trainer und Kaderplaner zwischen Sportplatz und der kaufmännischen, organisatorischen Seite sehr wohl und kann mir gut vorstellen, in diesem Bereich tätig zu bleiben. Mit den Jahren habe ich mir auch ein gewisses Netzwerk aus Kontakten aufbauen können, das sicher hilfreich sein könnte. In jedem Fall möchte ich in der hiesigen Umgebung tätig bleiben.

Zunächst steht jedoch die Rückserie mit der Viktoria an. Wieviel Wehmut schwingt schon im Hinblick auf den Abschied mit und wie sind die Wünsche für das letzte halbe Jahr in Goch?

Bergmann Für Wehmut ist angesichts der sportlichen Situation aktuell noch kein Platz. Das kommt sicher später. Für den Verein und den Fußballkreis Kleve ist jetzt erstmal wichtig, dass Viktoria Goch als Landesligist erhalten bleibt. Insofern erhoffe ich mir zunächst einmal einen vernünftigen Einstieg für Wim Wouterse bei uns. Ich wünsche mir den Verein im Juni dann mit dem Klassenerhalt erhobenen Hauptes verlassen zu können und ein bestelltes Feld für meinen Nachfolger zu hinterlassen.

Quelle: RP
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