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80-Jährigen in Köln überfahren
"Eine Sekunde nicht aufgepasst"

80-Jährigen in Köln überfahren: "Eine Sekunde nicht aufgepasst"
Kölner Justizgebäude FOTO: dpa, Federico Gambarini
Köln. Ein 53-Jähriger musste sich wegen fahrlässiger Tötung vor dem Kölner Amtsgericht verantworten. Er hatte einen 80-jährigen Mann beim Abbiegen vom Lidl-Parkplatz nicht gesehen und überfahren. Anschließend beschimpfte er das Opfer. Von Claudia Hauser, Köln

Mario K. (Name geändert) wirkt angespannt. Bevor er in den Gerichtssaal geht, atmet der 53-Jährige noch einmal tief durch, dann nimmt er auf der Anklagebank neben seinem Verteidiger Platz. Gegenüber sitzen eine ältere Frau und ihr Sohn, es sind die Angehörigen des Mannes, den Mario K. getötet hat – nicht mit Absicht, sondern weil er "eine Sekunde nicht aufgepasst hat", wie er sagt.

Am 9. März 2016 wollte K. mit seinem Transporter vom Lidl-Parkplatz am Bonner Wall in der Kölner Südstadt auf die Straße fahren. Laut Anklage schaute er zwar nach links, aber nicht nach rechts, bevor anfuhr. Von rechts kam genau in dem Moment der 80 Jahre alte Mann, den K. übersah. Der Senior hatte keine Chance: Er geriet unter den Transporter und wurde überrollt. Ein Notarzt versuchte im Krankenwagen noch, ihn zu reanimieren, doch der Mann starb noch am Unfallort.

"Es tut ihm unendlich leid"

Der Anwalt des Angeklagten sagt: "Mein Mandant bedauert unendlich, dass es zu diesem Unfall gekommen ist." Er sei fast Schrittgeschwindigkeit gefahren und habe seiner Erinnerung nach auch nach rechts geschaut. "Er kann nicht erklären, wie das passiert ist."

Mehrere Zeugen werden gehört. Einer beschreibt, wie Mario K. sich nach dem Unfall verhielt. Er soll geschimpft haben: "Du hast mein Leben zerstört", und damit das Unfallopfer gemeint haben. Der Vorsitzende hält dem Angeklagten zugute, dass er unter Schock stand nach dem Unfall – das bestätigen auch die Polizeibeamten, die danach mit ihm sprachen.

Der Anwalt der Opfer-Familie sagt: "Aus Sicht der Angehörigen ist die mangelnde Empathie des Angeklagten schon bemerkenswert."  Er habe sich nie an die Familie gewendet, etwa per Brief. Der Verteidiger des Angeklagten nimmt das auf seine Kappe: "Ich habe ihm davon abgeraten."

K. wird schließlich wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe von 4500 Euro verurteilt. Seinen Führerschein muss er vier Wochen abgeben. Die Staatsanwältin hatte eine sechsmonatige Bewährungsstrafe gefordert.

Die Familie des 80-Jährigen hatte den Unfall damals vom Fenster aus mit angesehen. Der Senior war damals nur noch mal kurz rausgegangen, um einen Brief zum Postkasten zu bringen.

"Wegen mir ist ein Mensch gestorben": Lesen Sie hier eine Reportage über Menschen, die mit den emotionalen Folgen eines Unfalls zu kämpfen haben. 

 
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