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Korschenbroich
900 Jahre Dorfgeschichte stecken in Haus Randerath

Korschenbroich. Die Besitzer der einst von einem Wassergraben umgebenen Hofanlage gehörten zu einflussreichen Adelsfamilien. Von Marion Lisken-Pruss

Von Westen her über die Viehweiden stießen sie vor, um das Herrenhaus zu erobern. Ein weiterer Trupp näherte sich aus nördlicher Richtung über den Friedhofsweg, wo heute noch die Reste der Wassergräben erhalten sind und die historische Umfassungsmauer mit ihren Schießscharten steht.

Was sich liest wie eine Episode aus der über 900-jährigen Geschichte von Haus Randerath, sind tatsächlich Kindheitserinnerungen von Dirk Hexgen: "Meine Kindheit auf Haus Randerath war erlebnisreich", sagt er und erzählt davon, wie er früher im Spiel mit den Nachbarskindern die einstige Burg angegriffen hat.

Heute geht es friedlich zu in der dreiflügeligen Hofanlage, die einen idyllischen Charme ausstrahlt. Hühner scharren längs der von Schafgarbe und Beinwell gesäumten Zufahrt, während Millionen von Bienen in Bienenstöcken summen. Dirk Hexgen betreibt hier eine Imkerei und Bienenzucht.

Die Geschichte der einst von einem Wassergraben umgebenen Hofanlage lässt sich bis in das Jahr 1100 zurückverfolgen, und ihre Besitzer lesen sich wie das "Who is who" der rheinischen Adelsfamilien: Ursprünglich gehörte sie den Grafen von Liedberg, zu deren Ritterlehen sie zählte. Ihren Namen "Haus Randerath" erlangte sie in der Mitte des 12. Jahrhunderts, als Elisabeth, die Tochter von Hermann von Liedberg, den Grafen Gerhard I. von Randerath heiratete.

Die Herren von Randerath zählten damals zu den bedeutenden Adelsgeschlechtern der Region. Rund 450 Jahre sollte die Hofanlage in ihrem Besitz verbleiben, bis die Familie 1605 ohne männliche Nachfahren dastand.

Durch Heirat gelangte Haus Randerath dann an Arnold Raitz von Frentz zu Schlenderhan, den Spross einer der ältesten und mächtigsten Schöffen- und Rittergeschlechter der mittelalterlichen Stadt Köln. Nochmals verblieb Haus Randerath mehr als 200 Jahre in Familienbesitz, bis der Kleinenbroicher Bürgermeister Matthias Hoster die Hofanlage in den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts erwarb. Hoster riss die alten Gemäuer ab und errichtete das neue Herrenhaus, in dem Dirk Hexgen heute noch lebt. Seine Vorfahren hatten Haus Randerath von Bürgermeister Matthias Hoster gekauft.

Und welche Rolle hat Jan van Werth gespielt, dessen Name in einem Atemzug mit Haus Randerath genannt wird? Seine Tochter Lambertina Irmgardis hatte den Sohn von Arnold Raitz von Frentz zu Schlenderhan geheiratet. Jan van Werth kam 1591 als Bauerssohn in Büttgen zur Welt und legte einen beispiellosen gesellschaftlichen Aufstieg hin: Im Jahr 1643 wurde Jan van Werth zum General über die kurbayerische Kavallerie ernannt und ein Jahr später in den erblichen Reichsfreiherrenstand erhoben. Dass seine Tochter in ein altes Adelsgeschlecht einheiraten konnte, zeigt, dass ihm der Aufstieg in den Kreis adeliger Familien geglückt war. Ob Jan van Werth als Kavalleriegeneral auf Haus Randerath verweilte, ist nicht überliefert. Die Legende erzählt nur, dass er als Kind auf dem zu Haus Randerath gehörenden Felshof in Büttgen die Schweine gehütet hat.

Quelle: NGZ
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