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Korschenbroich
Das Haus mit geheimnisvollem Keller

Korschenbroich: Das Haus mit geheimnisvollem Keller
Ein Haus mit einem Geheimnis steht an der Sebastianusstraße 38 in Korschenbroich. Unklar ist, wohin der Geheimgang im Keller einst führte. Auch das Baujahr ist nicht bekannt. FOTO: detlef ilgner
Korschenbroich. Ein rätselhafter Geheimgang endet im barocken Eckhaus an der Sebastianusstraße 38 in Korschenbroich. Von Marion Lisken-Pruss

Glaubt man alten Legenden, dann gibt es sie in jeder Burg irgendwelche Geheimgänge, die nach draußen führen. Sie ermöglichten es den Rittern, ihre Burg bei Gefahr unbemerkt zu verlassen. Ob es auch in Schloss Myllendonk unterirdische Gänge gab, ist nicht verbürgt. Aber wenn, dann endete einer davon mitten in Korschenbroich. Oder genauer: im Kellergewölbe des barocken Eckhauses in der Sebastianusstraße 38. "Mein Vater hat immer wieder von einem Geheimgang erzählt, der nach Schloss Myllendonk führt", erinnert sich Axel Lönnendonker, der in dem Haus aufgewachsen ist.

Als unheimlich habe er den Keller früher empfunden, sagt er. Die Kellerwände sind über einen Meter breit. Eine Bodenplatte gab es nicht, dafür festgetretenen Lehm als Fußboden. Und einen Gang, der nach links abzweigte, aber nicht weit führte, weil er zugeschüttet war. Schon der Heimatforscher Jakob Bremer erwähnte 1939 in seinem Buch über "Millendonk" einen möglichen Geheimgang, um dessen Existenz gleich wieder anzuzweifeln. Tatsächlich erscheint es wenig wahrscheinlich, dass ein Schlossherr einst den Bau eines fast drei Kilometer langen Geheimgangs veranlasst hat.

Ob der geheimnisvolle Gang tatsächlich nach Schloss Myllendonk führte oder doch nur die Nachbarhäuser miteinander verband, bleibt offen. Wer das Eckhaus mit dem Barockgiebel im Jahre 1705 errichtet hat und Auskunft über den Geheimgang hätte geben können, ist nicht überliefert. Dabei hat Ansgar Dördelmann als neuer Eigentümer nach dem Erbauer geforscht und beim Amtsgericht und im Stadtarchiv alte Akten eingesehen - jedoch vergeblich. Zusammen mit seiner Frau hat er das Haus im Jahr 2004 erst gemietet und zwei Jahre später gekauft. "Als das Eckhaus gebaut wurde, war Napoleon noch nicht auf der Welt", stellt Ansgar Dördelmann die historische Dimension heraus. Dass es mehr als 300 Jahre überdauert hat, verdankt es nicht zuletzt seinem massiven Mauerwerk. Wäre es ein Fachwerkhaus gewesen, hätte es die Feuersbrunst im Frühjahr 1716 in Korschenbroich, der 45 Häuser zum Opfer fielen, wohl nicht überstanden. Die letzten 95 Jahre in der Geschichte des Hauses sind gut belegt: Johannes und Agnes Otten verkauften dort ab 1922 ihre ersten Brote, bis sie gegenüber eine eigene Bäckerei bauten. Danach zog eine Metzgerei in die Geschäftsräume ein. Schließlich verkaufte die Mutter von Axel Lönnendonker dort Wein und Tabakwaren, während seine Frau später ein Kosmetikstudio einrichtete.

Untrennbar mit dem Haus verbunden war ein Anbau, der nach dem Krieg vier Familien beherbergte. Ansgar Dördelmann hat ihn dieses Jahr abreißen und durch einen Neubau ersetzen lassen. "Der Anbau konnte nicht saniert werden", sagt er. Unterschiedlicher könnten das historische Eckhaus an der Sebastianusstraße und der Neubau an der Mühlenstraße 1b kaum sein, und doch bilden sie ein stilvolles Ensemble. Eines weiß Dördelmann ganz gewiss: Er hat im Keller keinen neuen Geheimgang angelegt.

Quelle: NGZ
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