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Korschenbroich
Der Niersverband reklamiert ökologische Defizite bei der Niers

Korschenbroich. Experten wollen den Fluss aus seinem starren Korsett befreien, das ihn wie einen Kanal aussehen lässt. Die Stadt reagiert mit Skepsis.

Jörg Langner und Thomas Bettin vom Niersverband waren in schwieriger Mission unterwegs: Sie machten deutlich, dass sich in ihrem Zuständigkeitsbereich an der Niers etwas ändern müsse, um die EG-Wasserrahmenrichtlinie erfüllen zu können. So soll der Fluss - wo möglich - aus seinem starren Korsett, das ihn wie einen Kanal aussehen lässt, befreit werden. Im Betriebsausschuss stießen sie mit ihren Plänen wie erwartet auf Skepsis. Da sind nicht nur die hohen Kosten von rund 40 Millionen Euro, da ist vor allem die Angst vor steigendem Grundwasser, wenn die Niers nicht mehr so zügig fließt wie bisher.

"Beim ökologischen Zustand der Niers gibt es Defizite", erklärte Thomas Bettin. Durch die Flussbegradigung fließt das Wasser zu schnell, Organismen werden ausgewaschen. Wichtig ist auch der Hochwasserschutz. Wenn die Becken von derzeit 400.000 Kubikmeter auf 1,2 Millionen aufgerüstet werden, wäre dies mit Kosten von 600 Millionen Euro verbunden und damit nicht finanzierbar. Eine Alternative wäre die Schaffung von Retentionsflächen. Die Umgestaltung auf 16 Flusskilometern würde rund 40 Millionen Euro kosten und wäre im direkten Vergleich fast schon ein Schnäppchen. "Es geht darum, möglichst viele der Suchräume zu entwickeln", erklärte Jörg Langer. Die Suche sei mühsam, die Akzeptanz in der Bevölkerung gering. "Am Güdderather Bruch könnte die Niers in ein mehrläufiges Gerinne umgewandelt werden", erklärte Langner. Außerdem könne die Niers in den Beller Park verschwenkt werden: "Dafür muss die Bevölkerung mitgenommen werden, man muss erklären, dass der Freizeitnutzen später wesentlich größer ist", sagte Langer. Auch der Bettrather Bruch und Myllendonk bieten sich als Retentionsflächen an.

Hinter der Trabrennbahn sehen die Fachleute Flächen für Rückhalteräume, die Wasser aufnehmen können und die dafür sorgen, dass die Niers langsamer fließt. "Das Wasser wird zurzeit recht zügig abgeführt, dass gefällt uns angesichts der hohen Grundwasserstände gut", erklärte Hans-Willi Türks (CDU). Langner geht nicht davon aus, dass der Grundwasser-Stand durch die geplanten Maßnahmen steigen wird. Er weiß aber, dass dies den Menschen vor Ort schwer zu vermitteln sein wird. Jochen Andretzky (Die Grünen) fragte, wie die Kosten verteilt werden. "Das wird von allen Mitgliedern getragen, egal, ob in Korschenbroich oder Goch", erklärte Bettin.

Eigentlich sollen die Maßnahmen bis zum Jahre 2027 abgeschlossen sein. Die Spezialisten vom Niersverband gehen davon aus, dass 2050 ein realistischeres Datum wäre: "Es fehlen Menschen für die Arbeit, Flächen müssen angekauft werden, die Anwohner müssen das Projekt akzeptieren, und die Finanzierung ist nur über einen langen Zeitraum möglich", so Langner. Ein besserer Hochwasserschutz und mehr Ökopunkte für die Kompensation von Flächen, die überbaut wären, sind als Gewinn zu verbuchen. Wenn nichts geschieht, wird die Bezirksregierung irgendwann keine wasserrechtlichen Erlaubnisse mehr erteilen. "Dann ist keine Stadtentwicklung mehr möglich", sagte Langner.

(barni)
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