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Korschenbroich
Ein ganz schlichter Ort zum Beten

Korschenbroich: Ein ganz schlichter Ort zum Beten
Äußerst aktiv präsentiert sich heute die evangelische Kirchengemeinde Korschenbroich. Das war nicht immer so. Pfarrer Grotepaß und Presbyter Hans-Ulrich Klose gestalteten die Kirchenführung im Rahmen der Ausstellung Himmelwärts. FOTO: Ilg
Korschenbroich. Bis zum Zweiten Weltkrieg gab es in Korschenbroich exakt drei evangelische Familien. Sie gehörten zur Gemeinde in Gladbach. Erst 1958 wurde die evangelische Kirche an der Freiheitsstraße gebaut. Der Pfarrer führte durchs Gotteshaus. Von Daniela Gefgen

Diese und viele andere interessante Geschichten aus den Anfängen der evangelischen Gemeinde in Korschenbroich erzählten Hans-Ulrich Klose (80), langjähriges Mitglied des Presbyteriums, und Pfarrer Peter Grotepaß bei der Führung durch die Kirche an der Freiheitsstraße 13. Sie fand jetzt im Rahmen der Ausstellungsreihe "Himmelwärts" statt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen immer mehr Menschen nach Korschenbroich, die nicht katholischen Glaubens waren. In Mönchengladbach gab es bereits eine evangelische Gemeinde, die sich seelsorgerisch um die wachsende Anzahl der evangelischen Gemeindemitglieder kümmerte. "Die Mönchengladbacher hatten nach dem Krieg aber selbst kaum noch Geld, daher wollte man die Korschenbroicher irgendwie loswerden", erzählt Hans-Ulrich Klose scherzend. Also wurde beschlossen, dass sich der kleine Nachbarort ein eigenes Gebetshaus bauen sollte.

Ganze 112.000 Deutsche Mark wurden als Etat zur Verfügung gestellt, gekostet hat der Bau am Ende 125.000 Deutsche Mark. "Teilweise wurde das Gebäude aufgrund seiner Einfachheit gar nicht als Kirche erkannt, manche haben es mit einer Mühle verwechselt", weiß Klose aus den Chroniken zu berichten. Und trotzdem haben die Gemeindemitglieder jede Menge Herzblut in die Errichtung ihres Gemeindezentrums gesteckt. Es gab viel Erfindergeist und jeder konnte seine Fähigkeiten einbringen. So wurde beispielsweise der Altar von einem ortsansässigen Schreinermeister gebaut.

Die Schlichtheit des Gotteshauses ist bis heute erhalten geblieben. "Es ging nie darum, ein großes und luxuriöses Gebäude zu errichten, sondern es sollte ein Ort der Versammlung sein", erklärt Pfarrer Peter Grotepaß. "Für die großen musikalischen Werke haben wir ja unsere christlichen Brüder und Schwestern der katholischen Kirche. Sie haben andere Möglichkeiten", kokettiert der Pfarrer.

Das Zusammenleben zwischen Katholiken und Evangelisten in Korschenbroich war schon immer besonders. "Es gab kein Miteinander, aber ein freundliches Nebeneinander", beschreibt Klose das Verhältnis amüsiert. Trotzdem hat man sich gegenseitig geholfen. Als die Pfarrkirche St. Andreas nach dem Krieg zerstört war, wurden die katholischen und evangelischen Gottesdienste in dem Veranstaltungssaal einer Gaststätte abgehalten. Als die Kirche in den 50er Jahren wieder einigermaßen hergerichtet war, durfte auch die evangelische Gemeinde ihre Gottesdienste in St. Andreas feiern.

Im Jahr 2003 wurde das evangelische Zentrum komplett saniert. Von dem ursprünglichen Gebäude sind nur noch die Außenwände und die Orgel übrig geblieben. Sehr kontrovers diskutiert wurde die Gestaltung eines Fensters mit einer abstrakten Interpretation des Kreuzes hinter dem Altar. "Diese moderne Variante hat sich jedoch durchgesetzt", erinnert sich Pfarrer Grotepaß. Die evangelische Kirche war das letzte Gotteshaus, dessen Geschichte im Rahmen der Ausstellungsreihe "Himmelwärts" vorgestellt wurde.

Quelle: NGZ
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