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Korschenbroich
Ein Kirchen-Domizil für musikalische Küster

Korschenbroich: Ein Kirchen-Domizil für musikalische Küster
Markantes und gleichzeitig geschichtsträchtig Gebäude: Gleich neben der Kirche St. Andreas befindet sich die historische Küsterei. FOTO: d. ilgner
Korschenbroich. Den Anfang des Kirchplatzes bildet die Küsterei. Dort durfte der Küster mietfrei wohnen. Heute finden Kurse des Bildungswerks darin statt. Von Marion Lisken-Pruss

Quasimodo ist wohl der berühmteste Vertreter seines Berufstands. Der missgestaltete Glöckner aus Victor Hugos historischem Roman "Der Glöckner von Notre Dame" (1831) hegt eine aussichtslose Liebe für die schöne Zigeunerin Esmeralda. Als sie hingerichtet werden soll, rettet er sie heldenmutig und versteckt sie in der Kathedrale. Doch mit der Wirklichkeit hat die Geschichte nicht viel zu tun. Ein Küster oder Glöckner bekleidete früher ein wichtiges Amt in der Kirche.

Vorgeschlagen wurde er durch den Pfarrer und ernannt durch den Kirchenvorstand. Eine der Grundvoraussetzungen dafür: Er musste musikalisch sein. Denn zu seinen Aufgaben gehörte nicht nur, die Glocken zu läuten und den Altar und die Messe vorzubereiten, sondern auch die Orgel zu spielen.

Im Gegenzug durfte er mietfrei im angrenzenden Haus wohnen, der sogenannten Küsterei. Sie steht auf dem Kirchplatz und bildet mit der Kapelle den würdigen Anfang des Ensembles aus altem und neuem Pfarrhaus sowie Pfarrzentrum. 1904 beschloss der Kirchenvorstand ihren Neubau, denn die alte Küsterei war nicht mehr zeitgemäß. Zwar wurde sie zuletzt noch 1878 für 238 Taler ausgebessert, doch das Haus aus Lehmfachwerk war zu feucht. "Darüber hinaus lag es auch zu nahe an der Kirche", sagt Gottfried Kempen, der ehrenamtlich das Archiv der Pfarre St. Andreas betreut.

Im Herbst 1905 war es dann soweit: Die alte Küsterei wurde abgerissen und die neue einen Monat später eingesegnet. Die Bauzeit betrug noch nicht mal ein halbes Jahr und die Kosten lagen unter 15 000 Mark - für heutige Verhältnisse kaum vorstellbar. Küster Peter Hamacher, zugleich Organist und Chorleiter, bezog mit seiner Familie das neue Domizil: einen Backsteinbau, dessen Mittelachse durch einen Treppengiebel betont ist. Im Erdgeschoss stand der Gemeinde ein kleiner Saal für kirchliche und soziale Zwecke zur Verfügung. Die längst zugemauerte Eingangstür erkennt man noch heute.

Nachdem die alte Küsterei abgerissen und die neue errichtet worden war, ging die Umgestaltung des Kirchplatzes weiter: 1909 wurde die Mauer des Pfarrgartens verlegt. Dafür musste die Kreuzkapelle weichen, die einst als Beinhaus gedient hatte. Graue Pflastersteine markieren die Stelle, an der sie früher gestanden hatte. Ein neuer Standort fand sich schnell für sie: Die Bürger der Engbrück bauten sie ab - und in ihrer Honschaft wieder auf. Doch über einen Kirchplatz ohne Kapelle waren die Korschenbroicher unglücklich. Deshalb errichteten sie mit Spenden neben der Küsterei eine neue Kapelle im neugotischen Stil und mit hohen Spitzbogentor.

Im September 1909 wurde sie eingesegnet. Als die Küsterei 1978 umgebaut wurde, verkleinerte man auch die Kapelle. Heute noch endet hier in der Karwoche der traditionelle Kreuzweg.

Quelle: NGZ
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