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Thomas Dückers im Interview
Erster Überschuss nach 18 Jahren

Thomas Dückers im Interview: Erster Überschuss nach 18 Jahren
Er legte jetzt den Haushaltsentwurf für 2018 vor: Thomas Dückers. FOTO: Ilg
Korschenbroich. Korschenbroichs Kämmerer erklärt die Chancen und Risiken der Stadtfinanzen für 2018. Er spricht auch über die geplanten Investitionen. Von Ruth Wiedner-Runo

Korschenbroich Für dieses Jahr prognostizierte Korschenbroichs Kämmerer Thomas Dückers der Stadt noch ein Haushaltsloch von 1,4 Millionen Euro. Für 2018 hat sich die Haushaltslage deutlich verbessert: Dückers geht von einem Plus von 960.000 Euro aus. Die Stadt Korschenbroich nimmt seit 2012 freiwillig am Stärkungspakt Stadtfinanzen teil und muss für 2018 einen "ausgeglichen Haushalt" aufstellen. Das gelingt ihr - erstmals nach 18 Jahren. Bis einschließlich 2017 hat die Stadt rund 7,8 Millionen Euro Konsolidierungshilfe vom Land erhalten.

Herr Dückers, wie stellen sich die Zahlen im Haushaltsplan-Entwurf für 2018 dar?

Thomas Dückers Erstmals seit 18 Jahren ist es der Stadt gelungen, einen tatsächlich ausgeglichenen Haushaltsplan-Entwurf vorzulegen. Entgegen erster Prognosen können wir hierfür sogar auf eine Grundsteuer-Erhöhung verzichten. Der Haushalt 2018 sieht Gesamterträge von rund 75,08 Millionen Euro und Gesamtaufwendungen von 74,12 Millionen Euro vor. Unterm Strich schließt er mit einem Überschuss von 960.000 Euro.

Wie kommt es dazu? Bei der bisherigen Finanzplanung sind Sie noch von Grundsteuer-Erhöhungen für 2018 ausgegangen.

Dückers Im Vergleich zu den bisherigen Planungen hat es erhebliche Haushaltsverbesserungen für 2018 gegeben. Zum einen erhalten wir mehr Geld vom Land für den Ausbau mit Kita-Plätzen. Wir sprechen hier von 300.000 Euro. Zum anderen bekommen wir eine Erstattung von rund einer Million Euro aus der Abrechnung der Einheitslasten. Es handelt sich dabei um eine Rückerstattung aus dem Fonds Deutsche Einheit, in den wir jährlich mehr als 900.000 Euro einzahlen. Darüber hinaus erwarten wir 2018 deutlich höhere Erträge aus dem Baulandmanagement als bisher geplant.

Landet dieses Geld auf dem Konto beziehungsweise hilft es beim Schuldenabbau?

Dückers Nicht unmittelbar. Der Überschuss ist ein rechnerischer, der sich nicht automatisch auf dem Konto niederschlägt. Denn in diesem Ergebnis sind zum Beispiel auch nicht zahlungswirksame Aufwendungen wie Abschreibungen eingerechnet. Ein Überschuss bedeutet, dass diese Abschreibungen refinanziert wurden. Damit erhöht sich das bilanzielle Eigenkapital der Stadt Korschenbroich.

Baut die Stadt im nächsten Jahr auch Schulden ab?

Dückers Um diese Frage zu beantworten, müssen wir einen Blick auf die geplanten Ein- und Auszahlungen werfen. Nach Verrechnung aller Kontobewegungen planen wir mit einem Überschuss von 2,1 Millionen Euro. Um diesen Betrag können wir voraussichtlich die Kassenkredite senken. Darüber hinaus können Investitionskredite von rund 1,2 Millionen Euro abgebaut werden. Wir haben natürlich kontinuierlich die Investitionskredite abgetragen, von bisher 50 auf 32 Millionen Euro bis Ende 2018.

In welchen Bereichen und in welcher Höhe investiert die Stadt 2018?

Dückers Wir gehen aktuell von etwa 6,3 Millionen Euro aus. Vorgesehen sind unter anderem neben der Erschließung des Baugebietes Holzkamp-West , barrierefreie Bushaltestellen, EDV-Technik für Grundschulen, bauliche Maßnahmen im OGTS-Bereich sowie die Schaffung neuer Kita-Plätze in Glehn. Zudem ist ein neues Löschfahrzeug für die Feuerwehr Glehn für 365.000 Euro bestellt. Weitere 1,18 Millionen Euro sind als Teilsumme für den Gerätehaus-Neubau der Feuerwehr Kleinenbroich festgeschrieben.

Welche Chancen birgt der Haushaltsplan-Entwurf für 2018?

Dückers Die Wirtschaft brummt. Daher sehe ich etwa sehr gute Chancen für Mehreinnahmen bei der Gewerbesteuer. Weitere Entlastungen erhoffe ich durch das Land und eine mögliche Wiedereingliederung der Eigenbetriebe in die Gesamtverwaltung. Die Prüfung läuft derzeit. Ein Ergebnis liegt aber noch nicht vor. Zudem wird unter dem Schlagwort Flächenmanagement zurzeit geprüft, welche Gebäudeflächen wie genutzt werden und wo Einsparpotenziale liegen. Das gilt es zu nutzen.

Und welche Risiken stehen dem gegenüber?

Dückers Das größte Risiko stellt sicherlich die Kreisumlage dar. Wie wir erst einen Tag vor der Einbringung des Haushaltes erfahren haben, soll die Stadt Korschenbroich deutlich mehr Kreisumlage zahlen als bisher eingeplant. Zusammen mit einer ebenfalls erhöhten Jugendamtsumlage würde die Stadt mehr als 1,5 Millionen Euro zusätzlich an den Rhein-Kreis Neuss zahlen müssen. Diese nicht vorhersehbare Position müsste die Stadt ausgleichen.

Und wie könnte dies aussehen?

Dückers Zunächst einmal halte ich den jetzt aufgestellten Haushalt 2018 für solide, trotz des Risikofaktors Kreisumlage. In den vergangenen Jahren haben wir es geschafft, nicht geplante zusätzliche Belastungen von bis zu 1,8 Millionen Euro auszugleichen. Und das, ohne die Grundsteuer anzuheben. Allerdings ist in erster Linie der Rhein-Kreis aufgerufen, im eigenen Haushalt nach Einsparpotenzialen zu suchen. Mögliche Verbesserungen müssen eins zu eins an die Kommunen weitergegeben werden. Abgesehen davon bin ich überzeugt, dass wir einen verlässlichen Haushalt für das Jahr 2018 aufgestellt haben.

Wird es in diesem Jahr auch wieder einen Flyer zum Haushalt geben?

Dückers Ja. Die Premiere im Vorjahr war erfolgreich. Uns haben viele positive Rückmeldungen erreicht. Das Info-Blatt wird nach der Verabschiedung des Haushaltes erstellt und mit den Steuerbescheiden an die Bürger verschickt. Es enthält die wesentlichen Eckdaten zum Haushalt und erklärt verständlich die Ein- und Ausgabenseiten und die Investitionsvorhaben. Aber wer will, kann sich schon jetzt umfassend informieren, die Haushaltsreden und der Haushaltsplan-Entwurf stehen im Netz und sind über die Startseite der Stadt für jeden zugänglich.

Quelle: NGZ
 
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