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Korschenbroich
Generationen-Haus war früher eine Raststätte

Korschenbroich: Generationen-Haus war früher eine Raststätte
Das schmucke Fachwerkhaus an der Schaffenbergstraße stammt vermutlich aus dem Jahr 1780 und lag früher an einer Handelsstraße. FOTO: detlef ilgner
Korschenbroich. Familie Schrobback aus Herzbroich lebt seit Generationen in einem besonderen Fachwerkhaus, das sie mit vielen Erinnerungen verbindet. Einst war es ein Rasthof für Händler, die am Ort vorbeizogen. Von Marion Lisken-Pruss

Das Elternhaus ist eine besondere Immobilie. Kaum ein anderes Haus ist mit so vielen Erinnerungen verbunden - mit schönen wie mit weniger guten. Bei Rosi Schrobback überwiegen die positiven Erinnerungen. "Ich habe hier eine traumhafte Kindheit verbracht", sagt sie und erzählt unter anderem von ihrem Vater, der im Winter Wasser auf die gefrorene Straße kippte, damit die Kinder schliddern konnten.

"Hier war immer viel los. Wir waren eine große Familie, haben gerne gemeinsam gefeiert", fährt sie fort. In dem historischen Fachwerkhaus an der Schaffenbergstraße 12 in Herzbroich ist sie ebenso aufgewachsen wie ihre Mutter Anna und später ihr Sohn René. Ihre Großmutter Maria Nilgen war es, die das Haus ursprünglich gekauft hatte. Wann genau das war, ist nicht überliefert, vermutlich aber zwischen 1890 und 1900. Da war das Haus bereits über 100 Jahre alt.

Ein Balken, der im Dachstuhl verbaut ist, weist die ins Holz geschnitzte Jahreszahl 1780 auf. An viele Details aus ihrer Kindheit kann sich Rosi Schrobback noch erinnern: An das Plumpsklo auf dem Hof und an das erste Badezimmer, das 1963 eingebaut wurde, als das Haus an die Wasserversorgung angeschlossen wurde. "Vorher stand eine Wanne in der Küche, und immer freitags wurde gebadet", erinnert sie sich und lacht. Um den Eigenbedarf zu decken, hielten ihre Großeltern ein Schwein, eine Ziege und Hühner.

Vom Hörensagen weiß sie, dass sich in dem Haus einst ein Rasthof befand. Davon hat ihre Großmutter Maria häufig erzählt: Im ersten Obergeschoss gab es einen Ausschank für die Kutscher, die mit ihren Fuhrwerken in Herzbroich Rast machten. Die Lage an der Schaffenbergstraße war dafür günstig: Eine Handelsstraße verlief früher von Neuss über Büttgen bis zum nahe gelegenen Zollhaus, wo sie sich gabelte und weiter über Viersen bis nach Venlo und über Gladbach nach Roermond führte.

Mit ihrem Mann bewohnt Rosi Schrobback den Anbau neben dem ehemaligen Stall, der Teil der Wohnung geworden ist. Im Haus zur Straße hin lebt ihr Sohn René mit seiner Freundin Sabine Balster. Die Innenräume hat er liebevoll renoviert und dabei großen Wert darauf gelegt, die historische Bausubstanz zu erhalten und sichtbar zu machen. So ist gleich im Hauseingang eine Ausfachung zu einem Blickfang geworden. "Das Haus ist lebendig", beschreibt er das Leben in seinem jahrhundertealten Elternhaus.

Ständig knarrt es irgendwo, weil das Holz arbeitet oder sich nach einem starken Regenschauer verzieht. Dann kann auch mal eine Jalousie klemmen. Aber mit den Eigenheiten des Hauses hat sich René Schrobback längst arrangiert. In einen Neubau zu ziehen, kann er sich nicht vorstellen. "Ich kenne es nicht anders und hänge sehr an meinem Elternhaus", sagt er.

Quelle: NGZ
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