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Korschenbroich
Halsbandsittiche im Anflug auf die Stadt

Korschenbroich: Halsbandsittiche im Anflug auf die Stadt
Der Halsbandsittitch (Psittacula krameri) ist die weltweit meistverbreitete Papageienart. Nun dringt sie auch nach Korschenbroich vor. FOTO: US
Korschenbroich. Zum ersten Mal sind die Papageienvögel in Korschenbroich gesichtet worden. Noch steht nicht fest, ob sie heimische Tierarten bedrohen. Von Kilian Treß

In Köln sind sie längst heimisch. Auch in Düsseldorf und Neuss. Doch dass die eigentlich aus dem Raum Asien-Afrika stammenden Halsbandsittiche nun auch in den ländlichen Bereich vordringen, ist neu. Wie der neuen Vogelartenliste der Stadt und der Vogelschutzgruppe Korschenbroich zu entnehmen ist, haben sich im vergangenen Jahr aber etwa zehn der Papageienvögel tatsächlich in der Kleinstadt blicken lassen.

"Das heißt nicht, dass die Tiere hier leben und nisten", sagt Theo Verjans, bei der Stadt zuständig für den Naturschutz sowie die Landschaftspflege in Korschenbroich. Doch könne man nicht ausschließen, dass es sich bei den Tieren um eine Vorhut gehandelt habe - Jungtiere, die auf der Suche nach neuen Nistplätzen und Lebensraum sind.

Bisher waren die Tiere vor allem in Großstädten zu finden. Diese Standorte haben für die Tiere den Vorteil, dass es dort im Winter bis zu zwei Grad wärmer ist als auf dem Land, was das Überleben der Tiere erleichtere. "Und sie haben den Vorteil, dass in den großen städtischen Parks auch in der kalten Jahreszeit zusätzliche Nahrungsmittel zu bekommen sind", sagt Verjans. Deswegen sei es auch untypisch für den Vogel, der oft in kleineren Scharen auftritt, sich aus der Stadt heraus zu bewegen. "Möglich ist, dass der ökologische Druck durch zu viele Tiere derselben Art sie dazu zwingt, aufs Land auszuweichen."

Ende der 60er Jahre ist die Vogelart in das europäische Ökosystem vorgedrungen. Vermutlich haben Züchter einige Exemplare freigelassen. Als eingewanderte Art (Neophyt) werden die Halsbandsittiche von Naturschützern besonders beobachtet. Die Sorge ist groß, dass die Tiere einheimische Tierarten verdrängen. In Indien und Israel ist der Halsbandsittich bereits zur Plage geworden. Vor allem Bauern beklagen den Ansturm der Vogelscharen, wenn sie die Ernte überfallen. Wegen seiner recht weiten Verbreitung wird der Halsbandsittich vom Bundesamt für Naturschutz deswegen als "potenziell invasiv" eingestuft. "Mögliche Konkurrenzvorteile des Halsbandsittichs gegenüber einheimischen Vogelarten und Fledermäusen werden diskutiert", sagt ein Ministeriumssprecher auf NGZ-Anfrage. "Bisher liegen jedoch keine Erkenntnisse vor, die Maßnahmen gegen Halsbandsittiche rechtfertigen würden."

Neben dem Halsbandsittich sind sechs weitere Neophyten - eingewanderte Arten - in Korschenbroich beheimatet oder gesichtet worden. Begünstigt durch den Klimawandel ist in Korschenbroich auch die Rohrdommel neu - eine Reiherart. "Die Rohrdommel ist eigentlich ein Kaltzügler, aber es ist offenbar so warm, dass das Tier nicht mehr in den Süden ziehen muss, um Nahrung zu finden", eräutert Theo Verjans. Die Rohrdommel und der Halsbandsittich sind auf der neuen Vogelartenliste zwei von 173 erfassten Vogelarten. Davon sind 103 Brutvögel, bei den übrigen 70 Arten handelt es sich um Nahrungsgäste beziehungsweise Durchzügler.

Im Vergleich zu vor zehn Jahren ist das eine Steigerung. Aber blickt man genauer hin, sind insgesamt viel weniger Vögel in der Stadt. "Der Steinkauz ist ohnehin schon stark gefährdet, und ist noch einmal stark zurückgegangen", sagt Verjans. Zu den Verlieren zählen auch die "Allerweltsarten" wie der Spatz.

Quelle: NGZ
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